Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Novartis will Hunderte Stellen abbauen

Der Basler Konzern will in Basel und Stein (AG) Jobs streichen. Allein im Aargau wird befürchtet, dass bis zu 800 Angestellte ihre Arbeit verlieren könnten. Novartis verweist derweilen darauf, derartige «Gerüchte» nicht zu kommentieren.
Andreas Möckli
Im Produktionswerk Stein werden unter anderem Medikamente in Tabletten- und Kapselform hergestellt. (Bild: G. Kefalas/Keystone (3. September 2018))

Im Produktionswerk Stein werden unter anderem Medikamente in Tabletten- und Kapselform hergestellt. (Bild: G. Kefalas/Keystone (3. September 2018))

In der Pharmaindustrie droht ein Schock: Novartis plant einen umfangreichen Stellenabbau in der Nordwestschweiz. Der Basler Konzern wird dies in den nächsten Tagen ankünden, wie meh­rere voneinander unabhängige Quellen dieser Zeitung bestätigen. Intern geht man von nächster Woche aus.

Im Fokus stehen der Hauptsitz in Basel sowie der Produktionsstandort Stein AG. Im Aargauer Fricktal steht das weltweit grösste Werk der Pharmadivision von ­Novartis. Mitarbeiter in Stein befürchten, dass der Pharma­konzern das Messer bei der Herstellung von Medikamenten in ­Tabletten- oder Kapselform ansetzen wird. Rund die Hälfte der 1670 Mitarbeiter in Stein sind laut internen Quellen in diesem Bereich tätig. Im schlimmsten Fall könnten also rund 800 Arbeitsplätze verschwinden, befürchten Angestellte. Ob Novartis einen derart harten Schnitt vornimmt, ist hingegen fraglich, da das Unternehmen in den vergangenen Jahren stark in den Standort Stein investiert hat.

Überkapazitäten im Produktionsbereich

Wenn auch die Zahl der Betroffenen noch unbekannt ist, weist ­vieles auf einen Stellenabbau hin. Novartis-Präsident Jörg Reinhardt hat sich klar in diese Richtung geäussert. Im Produktionsbereich hätten sich im Laufe der Jahre Überkapazitäten angesammelt, sagte der Deutsche Anfang September der «NZZ am Sonntag». Viele der weltweit 68 Werke seien nicht vollständig ausgelastet. «Wir arbeiten daran, global eine Optimierung zu erreichen.» Auf Nachfrage wurde Reinhardt konkreter: «Wir haben schon kommuniziert, dass es parallel zum Aufbau neuer Produktionen einen Abbau der Standardbereiche geben wird.» Das werde global verschiedene Werke treffen und auch auf die Schweiz Auswirkungen haben. Wenn Reinhardt von Standardbereichen spricht, dann dürfte er auch die Herstellung von Medikamenten in Tabletten- und Kapselform gemeint haben. Viele der Präparate der neuen Generation werden mit einer Spritze oder einer Infusion verabreicht. Dieser Bereich dürfte denn auch verschont bleiben.

Daneben gibt es weitere Indizien für einen Stellenabbau in Stein. So berichten Mitarbeiter, dass letzte Woche zwei grosse Festzelte auf dem Areal aufgestellt worden seien. Die Angestellten können sich dies nur mit einer bevorstehenden Mitarbeiterinformation erklären. Diese war ursprünglich schon für gestern angesetzt worden. Offenbar wurden deshalb die Pförtner der Dienstleistungsfirma ISS angewiesen, an diesem Tag keine Gewerkschafter auf das Areal zu lassen.

Bekanntgabe wegen Inspektion verschoben

Mit ein Grund für die ­Verschiebung der Bekanntgabe könnte eine Inspektion der US-Gesundheitsbehörde FDA sein, die in diesen Tagen in Stein stattfindet, mutmassen Mitarbeiter. Die FDA kontrolliert regelmässig auf der ganzen Welt Pharma-Produktionswerke, der Vorgang ist an sich nichts Aussergewöhn­liches. Doch offenbar wollte ­Novartis vermeiden, dass die ­Bekanntgabe des Abbaus mit der Inspektion zusammenfällt.

Der Abbau soll jedoch nicht nur den Standort Stein treffen. Hierfür lieferte Reinhardt ebenfalls einen Hinweis: «Auch in anderen Bereichen müssen wir einfacher und effizienter operieren, und das schliesst die zentralen Dienstleistungen im Rahmen unserer Business-Services-Organisation ein», sagte er. Gemeint ist damit die Einheit, in der verschiedene zentrale Dienste wie Informatik, Finanzen, Personal und Einkauf zusammengefasst sind. Der Abbau dürfte damit auch den Hauptsitz in Basel treffen.

Wenig erbaulicher Auftritt des neuen Chefs

Schon in der Vergangenheit verlagerte Novartis etwa IT-Jobs nach Indien oder Polen. Dies könnte sich wiederholen. Wenig erbaulich sei auch der erste interne Auftritt des neuen Chefs der Einheit Business Services gewesen. Der Niederländer Robert Weltevreden folgte im Juni auf den Schweizer André Wyss, der die Firma im März verliess und im Oktober Chef des Baukonzerns Implenia wird. So soll Weltevreden etwa gesagt haben, dass Novartis zu viele Juristen beschäftige.

Schliesslich fürchten Mitarbeiter auch einen Abbau im Baselbieter Werk Schweizerhalle. Dort stellen rund 560 Angestellte Wirkstoffe und Zwischenprodukte für rund 25 Medikamente her. Novartis wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen. Das Unternehmen kommentiere generell keine Gerüchte, auch nicht zum Thema Auf- oder Abbau von Arbeitsplätzen, sagt ein Sprecher. «Sollte es in diesem Zusammenhang Neuigkeiten geben, werden wir unsere Mitarbeitenden und Partner zeitgerecht und transparent informieren.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.