Mobiles Geld
Nun kann jeder mit seinem Handy beim Detailhändler bezahlen

Jetzt können Smartphone-Nutzer mit ihrem Handy bezahlen. Tapit heisst das digitale Portemonnaie von Swisscom. Wir erklären, wie die App funktioniert und was passiert, wenn Ihr Akku leer ist

Sabina Galbiati
Drucken
Mit dem Smartphone zu bezahlen, dauert kaum zwei Sekunden – es sei denn, der Betrag liegt über 40 Franken.

Mit dem Smartphone zu bezahlen, dauert kaum zwei Sekunden – es sei denn, der Betrag liegt über 40 Franken.

key

1. Was ist Tapit?

Tapit ist eine App und funktioniert wie ein digitales Portemonnaie, in dem die eigenen Kredit- und Prepaidkarten hinterlegt sind. Die App ermöglicht Smartphone-Nutzern das Bezahlen via Handy. Tapit bedeutet übersetzt so viele wie «halt es dran». Will heissen: Es ist kein einziger Fingertipp nötig, um an einem Kartenlesegerät im Geschäft zu bezahlen – vorausgesetzt, das Kartenlesegerät beherrscht Near Feld Communication (NFC). Erst ab einem Betrag von 40 Franken verlangt die App den PINcode der SIM-Karte. Abgerechnet wird über die Kreditkarte, die auf der SIM-Karte hinterlegt ist.

2. Wer kann Tapit nutzen?

Vorerst ist die App nur wenigen Nutzern vorbehalten. Voraussetzung ist, dass man Swisscomkunde ist und ein Android-Smartphone mit einem NFC-Chip besitzt. Inzwischen haben die meisten neuen Modelle mit Google-Betriebssystem einen solchen Chip integriert. Orange- und Sunrise-Kunden müssen sich noch bis Ende Jahr gedulden. Ab dann können auch sie Tapit verwenden. Auch bei den Kreditkarten sind die Nutzer im Moment noch eingeschränkt: Die App startet mit der Prepaid- und Visa-Kreditkarte der Cornèr Bank; ab August wird die Kreditkarte von Mastercard von Viseca ebenfalls in der App abrufbar sein. Die UBS befindet sich in der Testphase mit Mastercard- und Visa-Produkten.

3. Was muss ich tun, um Tapit nutzen zu können?

Es braucht etwas Geduld: Man lädt sich die App auf sein Smartphone. Über die Funktion «Eine Karte hinzufügen» gelangt man zur Auswahl der Kredit- und Prepaidkarten. Man tippt die gewünschte Karte an und beantragt diese direkt in der App. Einige Tage später erhält man eine neue SIM-Karte auf der die Kartendaten gespeichert sind. Sowohl App als auch SIM-Karte sind gratis. Auch fallen keine zusätzlichen monatlichen oder jährlichen Gebühren für Tapit an.

4. Wie funktioniert das Kontaktlosbezahlen?

Kontaktlos bezahlen kann man heute schon mit Kreditkarten, die über NFC-Technologie verfügen. Der Karten-Terminal baut ab einem Abstand von maximal vier Zentimetern automatisch eine Verbindung zur Kreditkarte auf oder im Fall des Smartphones zum NFC-Chip im Telefon. Deshalb ist keine Internetverbindung nötig. Bis zu einem Betrag von 40 Franken werden die Daten automatisch ausgetauscht. Bei höheren Beträgen muss ein Code eingegeben werden.

5. Was mache ich, wenn ich ein iPhone habe und Tapit verwenden will?

Vorerst können iPhone-Nutzer nur abwarten. Denn das iPhone verfügt bisher über keinen NFC-Chip. Wer als iPhone-Nutzer mit dem Handy bezahlen will, muss sich noch bis Ende Jahr gedulden. Eine Tapit-App für iPhones steht in der Entwicklung. Auf welche Technologie die Anbieter setzen werden, ist noch nicht bekannt.

6. Wo kann ich mit Tapit bezahlen?

Grundsätzlich können Kunden mit Tapit an jedem Kartenlesegerät bezahlen, das über NFC-Technologie verfügt. Das heisst, mit Tapit lässt sich derzeit in rund 50 000 Geschäften in der Schweiz bezahlen – Tendenz steigend, versprechen die Anbieter. Auch im Ausland können Kunden mit Tapit bezahlen. Weltweit sollen bereits 2,1 Millionen Lesegeräte mit NFC ausgerüstet sein.

7. Was passiert, wenn der Akku meines Mobiltelefons leer ist?

Kein Problem bei kurzen Zeitspannen sagen die Betreiber. Der NFC-Chip im Mobiltelefon braucht praktisch keinen Strom, um eine Verbindung mit dem Bezahlterminal aufzubauen. Wenn der Akku leer ist, kann der Chip mit der Restspannung eine gewisse Zeit lang weiter genutzt werden. Das funktioniert auch, wenn das Handy ausgeschaltet ist. Bei Beträgen über 40 Franken haben Visa-Nutzer ein Problem: Sie müssten den PIN-Code auf dem Handy eintippen.

8. Ist das Bezahlen mit Tapit sicher?

Die Kreditkartendaten werden vom Anbieter verschlüsselt auf der SIM-Karte hinterlegt, so wie sie auch auf jeder Kreditkarte im Chip hinterlegt sind. Versuche haben gezeigt, dass in Extremfällen die beim Zahlen übermittelnden Daten abgefangen werden können. Der Datendieb erhält jedoch nur die Kreditkarten-Nummer und das Ablaufdatum. Damit kann er allerdings noch nicht viel anfangen.

9. Was passiert, wenn mein Handy gestohlen wird oder ich es verliere?

Dann kontaktiert man so schnell wie möglich seinen Mobilfunkanbieter und lässt die SIM-Karte sperren. Ist das Handy gestohlen worden und hat man die Sorgfaltspflicht eingehalten, kommt der Kreditkarten-Anbieter für Missbräuche auf.

10. Kann mein Smartphone jetzt Superpunkte sammeln?

Swisscom hat auch Coop mit ins Boot geholt. Allerdings ist das Sammeln von Punkten erst ab Sommer 2015 möglich. Auch da brauchen die User also noch Geduld. Ob und wann die Kumuluspunkte von der Migros auf das App kommen ist noch offen. Mit dem orangen Riesen sei die Swisscom im Gespräch, allerdings ist noch nichts spruchreif, heisst es.

11. Kann ich den Kaffee an meinem Arbeitsort mit Tapit bezahlen?

Ja, auch das soll möglich sein. Zusammen mit Legic Identsystems bietet Tapit an, den Mitarbeiterausweis ebenfalls ins mobile Portemonnaie zu integrieren. Die Nutzung von Tapit als Batch, wie ihn viele Angestellte haben, wird überall dort möglich sein, wo Unternehmen dies entsprechend unterstützen. Denkbar ist ebenfalls, dass man künftig mit Tapit seine Haustüre öffnen kann und auch die Identitätskarte abrufbar ist.