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Container-Anlegerskandal: Insolvenzverwalter sichert sich Zugriff auf Zuger Firma

Es geht um Zehntausende Anleger und um mehrere Milliarden Euro. Bei einer der grössten Anlageaffären Deutschlands ist nun auch eine Firma in Zug Teil der Ermittlungen, und befindet sich zudem neu ebenfalls im Zugriffsbereich des deutschen Insolvenzverwalters.
Christopher Gilb und Livio Brandenberg
Der Sitz der P&R Equipment & Finance an der Artherstrasse 20 in Zug. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 12. November 2018)

Der Sitz der P&R Equipment & Finance an der Artherstrasse 20 in Zug. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 12. November 2018)

Jahrelang haben Anleger bei der Deutschen P&R Gruppe in Schiffscontainer investiert. Dann ging diese aber insolvent, und es zeigte sich, dass es nur rund 600'000 der insgesamt 1,6 Millionen gekauften Container wirklich gab. Insgesamt hat die Gruppe rund 54'000 Anleger. Ihre Gesamtanlagesumme beträgt rund 3,5 Milliarden Euro.

Viele bezeichnen den Fall als mutmasslich grössten Anlegerbetrug des Landes. Der Fall hat auch eine Verbindung nach Zug. An der Artherstrasse 20 hat eine Schwesterfirma, die P&R Equipment & Finance Corporation, ihren Sitz. Diese ist für die Vermietung der verbliebenen Container zuständig und spielt eine wichtige Rolle für den Insolvenzverwalter, ist sie doch der einzige nicht insolvente Teil und generiert noch Mieteinnahmen für etwaige Rückzahlungen.

Wie die Staatsanwaltschaft Zug Anfang Woche gegenüber unserer Zeitung bestätigt hat, laufen nun auch hier Ermittlungen. Um diese nicht zu gefährden, könnten aber keine weiteren Aussagen gemacht werden. Gegenüber der «Handelszeitung» wurde bestätigt, dass ein Rechtshilfegesuch in Bearbeitung sei. «Es geht um Unterlagen der Equipment und Finance plus Konto-Unterlagen», präzisiert die zuständige Staatsanwältin aus München gegenüber dem Blatt.

Zuger Gesellschaft unter direktem Zugriff des Insolvenzverwalters

Wie die mit der Insolvenzverwaltung betraute Münchner Anwaltskanzlei in einem Schreiben vom Donnerstag mitteilt, wurden bei der Sicherung von Vermögenswerten zu Gunsten der Gläubiger der insolventen deutschen P&R-Gesellschaften inzwischen Fortschritte erzielt. «Die Anteile an der nicht insolventen Schweizer P&R Gruppen-Gesellschaft gehören nun den deutschen Container-Verwaltungsgesellschaften.» Auf der Grundlage einer Verpfändung durch den bisherigen Eigentümer der Schweizer P&R und Gründer der Gruppe, Heinz Roth, seien diese Anteile an den Insolvenzverwalter übertragen worden; gleichzeitig sei Heinz Roth aus dem Verwaltungsrat entlassen worden.

Die Gesellschaft und das in Zug laufende Container-Management seien nunmehr im direkten Zugriff der Insolvenzverwalter, heisst es weiter. Wichtig sei jetzt vor allem, «dass der Geschäftsbetrieb der nicht insolventen Schweizer P&R völlig ungestört weiterläuft, alle laufenden Zahlungen geleistet werden können und sichergestellt ist, dass die dort eingehenden Gelder über die deutschen Insolvenzverfahren an die Anleger verteilt werden können», wird Insolvenzverwalter Michael Jaffé in dem Schreiben zitiert.

Geschäftsbetriebe der Schweizer Firma läuft weiter

Aufgrund der vertraglichen und historisch gewachsenen Strukturen würden die Einnahmen aus der Container-Vermietung an Leasing- und Transportgesellschaften weltweit zunächst in der Zuger Gesellschaft erzielt. Diese solle – wie eine «Zahlstelle» – ihre Einnahmen an die deutschen P&R Gesellschaften weiterleiten. Diese Massnahmen sollen «sicherstellen, dass die erwirtschafteten Einnahmen letztlich den Gläubigern der deutschen P&R Gesellschaften zu Gute kommen».

Wie viel bei einer bestmöglichen Verwertung durch eine Kombination aus Weitervermietung und Verkauf der Container an die Anleger zurückfliessen könne, lasse sich derzeit noch nicht seriös abschätzen. «Dies hängt von mehreren Faktoren wie etwa auch der Entwicklung der Weltwirtschaft und Wechselkursschwankungen ab, insbesondere jedoch von der Möglichkeit der ungestörten Weitervermietung der Container durch die Schweizer P&R», schreiben die Münchner Anwälte.

Er warnt jedoch, dass trotz der «erreichten weitgehenden Stabilisierung» die Schweizer P&R weiterhin das gesamte Risiko des Container-Flottenmanagements trage. «Sollte es hier zu Störungen kommen, etwa wenn die Geschäftspartner das Vertrauen verlieren und P&R Container ausser Dienst stellen, würde dies zu Ausfällen für die Gläubiger führen.» Es bleibe dabei, «dass Alleingänge von Anlegern oder deren Anwälten keine Aussicht auf Erfolg versprechen, sondern vielmehr das Risiko in sich tragen, allen Gläubigern schwere Schäden zuzufügen».

Die nächsten gerichtlichen Prüfungstermine gibt der Insolvenzverwalter mit Ende Mai 2019 an. Ziel bleibe es weiterhin, eine erste Zahlung an die Gläubiger im Jahr 2020 zu leisten.

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