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Die überführten Devisenkartelle
waren nur die Spitze des Eisbergs

Auch die Schweizer Wettbewerbshüter klopfen den Banken betreffend Absprachen im Währungshandel auf die Finger. Doch die Geldhäuser kamen bisher glimpflich davon.
Daniel Zulauf
Ein Devisenhändler in Südkorea verlässt sich darauf, dass Währungspreise nicht abgesprochen sind. (Bild: Lee Jin-man/AP, Seoul, 30 April 2019)

Ein Devisenhändler in Südkorea verlässt sich darauf, dass Währungspreise nicht abgesprochen sind. (Bild: Lee Jin-man/AP, Seoul, 30 April 2019)

Mit 90 Millionen Franken bestraft auch die schweizerische Wettbewerbskommission (Weko) sechs internationale Grossbanken für deren Kartellabsprachen im Devisenhandel. Erst Mitte Mai hatte die EU-Wettbewerbsbehörde die sechs gleichen Adressen mit Strafen von insgesamt über 1 Milliarde Euro belegt. Die Differenz ist kleiner, als sie auf den ersten Blick erscheint. Es werden täglich sechs bis siebenmal mehr Euro gehandelt als Franken. Gleich wie die EU-Kommission hat die Weko gerade mal zwei Kartelle ausfindig gemacht, in denen sich Händler über die Wechselkurse in verschiedenen Währungspaaren zu Gunsten ihrer Banken und zu Ungunsten der Kunden abgesprochen haben.

Zu Beginn der 2014 eröffneten Untersuchung seien die Verdachtsmomente breiter gewesen, räumt Weko-Direktor Patrik Ducrey ein. Aber man habe sich im späteren Verlauf auf die Beweisbarkeit konzentrieren müssen, und diese hatte es in sich. Bewiesen ist, dass die Händler der sechs bestraften Banken (Barclays, Citigroup, JP Morgan, Royal Bank of Scotland, UBS und Mitsubishi Financial Group) zwischen 2007 und 2013 im «Essex Express» und im «Three way banana split» kolludierten und ihre Handelsstrategien über verschiedene Online-Chaträume koordinierten. Um die Täter überführen zu können wertete die Weko in enger Abstimmung mit der EU-Behörde 77 Millionen Seiten elektronische Kommunikation aus den Chaträumen aus.

Schwer wiegt das erschütterte Vertrauen

Ohne die Mitwirkung der involvierten Banken wäre die Untersuchung mit Sicherheit auch heute noch nicht abgeschlossen. Wie schon in den USA und in der EU tat sich die UBS mit der ersten Selbstanzeige als Kronzeugin hervor. Dafür geht sie auch in der Schweiz straffrei aus. In der EU entging die Bank so einer Busse von 2,5 Milliarden Euro. Wie teuer die Rechnung in der Schweiz geworden wäre hat die Weko nicht berechnet.

Zu vermuten ist indessen, dass die aufgedeckten Kartelle nur die Spitze eines viel grösseren Eisberges darstellen. So hatte schon vor sechs Jahren eine in der Schweiz durchgeführte wissenschaftliche Untersuchung über Anomalien in den Devisenkursen den Verdacht auf weitverbreitete Manipulationen im mit Abstand volumenstärksten Segment des globalen Finanzmarktes genährt. Die Forscher hatten festgestellt, dass die vermeintlich hyperliquiden Devisenmärkte in bestimmten Phasen gar nicht so liquide sind wie gemeinhin angenommen und dass es im gleichen Währungspaar sehr grosse Differenzen in den Kauf- und Verkaufskursen («Spread») zwischen parallel laufenden elektronischen Handelsplattformen gab. Aus dem Spread ziehen die Banken ihren Profit, je breiter je mehr.

Die Untersuchung wies nach, dass die Liquidität der Devisenmärkte in der kritischen Zeit der Währungsmanipulationen mit einem Faktor von bis zu 20 geringer war als in normalen Zeiten. Dementsprechend waren auch die Spreads ungewöhnlich gross. Die Vermutung liegt also auf der Hand, dass die Forscher schon Jahre vor den Wettbewerbsbehörden einem globalen Devisenkartell auf die Schliche kamen. Zu den Leidtragenden Kunden der Banken gehörten die Notenbanken, allen voran die Schweizerische Nationalbank, die in den vergangen 12 Jahren einen Devisenbestand von über 750 Milliarden Franken angehäuft hat. Eine Wertung des Devisenkartells wollte die SNB auf Anfrage aber nicht vornehmen. Immerhin sagte SNB-Chef Thomas Jordan 2014 in einem Interview mit der «Basler Zeitung»: «Schwer wiegt aus volkswirtschaftlicher Sicht vor allem die Erschütterung des Vertrauens in die Finanzmärkte und in die Banken. Die Manipulationen untergraben das Vertrauen der Marktteilnehmer in die Preisbildung und damit stellen sie auch das gute Funktionieren der Marktwirtschaft infrage.»

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