Nüssli reisst das Ruder herum

Nüssli steht an einem Wendepunkt. Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung sind sich nach der Generalversammlung sicher, dass man die Altlasten bewältigt und die Weichen für die Zukunft richtig gestellt hat.

Stefan Borkert
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Trimmen Nüssli auf Kurs (v. l.): Damian Würmli, Christian Bajer, Geschäftsleiter Fred Gamper, Verwaltungsratspräsident Jonny Suter, Andreas Emödi, Thomas Wanner und Arnold Bär. (Bild: Donato Caspari)

Trimmen Nüssli auf Kurs (v. l.): Damian Würmli, Christian Bajer, Geschäftsleiter Fred Gamper, Verwaltungsratspräsident Jonny Suter, Andreas Emödi, Thomas Wanner und Arnold Bär. (Bild: Donato Caspari)

Es gibt Schlagzeilen, die sind pures Gift für ein Unternehmen. Bei der Thurgauer Firma Nüssli in Hüttwilen drohte die letzten Jahre fast der Konkurs, Rechtsstreitigkeiten wurden ausgefochten, jahrelang rote Zahlen geschrieben und eine Bruttomarge erwirtschaftet, die anderen Firmen längst das Genick gebrochen hätte. Verwaltungsräte kamen und gingen. Eine ganze Sparte trennte sich ab. Als die Abtrünnigen die Adunic AG in Frauenfeld gründeten, war von einem Exo­dus bei Nüssli zu lesen. Und als ob das noch nicht genug wäre, blieb Nüssli auf einer Rechnung über 15 Millionen Franken für den vielbeachteten US-Pavillon an der Weltausstellung in Mailand sitzen.

Seit Ende 2017 ist eine Sanierermannschaft unter Leitung von CEO Fred Gamper am Ruder und hat nach harten Massnahmen, tiefen Einschnitten und Sperrfeuer aus enttäuschten Aktionärskreisen das Ruder herumgerissen. Geholfen haben dabei potente Investoren, die an die Zukunft der Firma mit Weltruf aus Hüttwilen glaubten. Tatsächlich konnte CEO Gamper an der gestrigen Aktionärsversammlung in Hüttwilen berichten, dass bis auf einen Rechtsfall die juristischen Auseinandersetzungen beigelegt wurden.

Verwaltungsratspräsident Jonny Suter, CEO der Investorin Helvetica Capital, sagt: «Der heutige Tag ist ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Nüssli-Gruppe.» Und er prognostiziert dem Unternehmen eine erfolgreiche Zukunft. Suter, der in der Schweizer Finanzwelt auch als «Herr der Businesspläne» bezeichnet wird, weiss wovon er spricht. Die Gründung von Helvetica Capital geht auf das Jahr 2010 zurück. Damals hatte die Credit Suisse als eine Reaktion auf die Finanzkrise die SVC AG, eine Gesellschaft für KMU-Risikokapital, gegründet. Aus dieser ging 2015 die Helvetica Capital AG hervor.

Der gute Ruf ist geblieben

4500 Firmen hat Suter mit der Firma seither unter die Lupe genommen. Aber nur in bis heute gerade mal etwa 60 Unternehmen wurde investiert. Die Nüssli-Gruppe ist eine davon. Nüssli sei eine Firma, wie es sie auf der ganzen Welt vielleicht nur einmal gebe. «Ich bin mir sicher, dass wir dieses Jahr die roten Zahlen hinter uns lassen können und 2020 wieder einen Gewinn einfahren», sagt Suter. «Es ist erstaunlich, dass der gute Ruf der Firma unter den Turbulenzen der letzten Jahre bei den Kunden nicht gelitten hat.» Auch CEO Gamper ist überzeugt, dass man mit der Neuorganisation und dem Zusammenschluss mit der abgespalteten Adunic sowie dem neuen Verwaltungsrat den Turnaround so gut wie geschafft habe.

Heute ist die Nüssli-Gruppe mit 450 Mitarbeitern an 23 Standorten in fünf Business Units gegliedert: die Nüssli Ambrosius AG für Messestände, die Nüssli Adunic AG für Pavillons, die Nüssli Event Structures AG für Tribünen, Stadien, Arenen, Bühnen und Eventstrukturen, die Nüssli Special Projects AG für Eventhallen, Overlay und Holzbau sowie die Nüssli Interiors AG für Ausstellungen und Museen, Schreinerei und Metallbau. Den Verwaltungsrat wird Andreas Schmid, unter anderem Verwaltungsratspräsident der Flughafen Zürich AG, präsidieren. Eine gewichtige Aktionärsgruppe wird ihre Anteile an die Investoren der Helvetica Capital abgeben, die dann gegen 70 Prozent hält. «So haben wir mehr Sicherheit und alle ziehen an einem Strang», sagt Suter, der im Verwaltungsrat bleibt. Neu im Verwaltungsrat ist Peter Barandun, CEO der Electrolux AG und Vizepräsident des Verwaltungsrats der Arbonia AG.