OBWALDEN: Bleiker: «Wir brauchen keine Betriebe, die nicht Geschäfte betreiben»

Im Kanton Obwalden sind dieses Jahr mehr Unternehmen von der Bildfläche verschwunden, als neue hinzugekommen sind. Volkswirtschaftsdirektor Niklaus Bleiker zu den Gründen.

Rainer Rickenbach
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Volkswirtschaftsdirektor Niklaus Bleiker. (Bild: pd)

Volkswirtschaftsdirektor Niklaus Bleiker. (Bild: pd)

Fast überall in der Schweiz wuchs seit Jahresbeginn die Zahl der Firmen (wir berichteten). Das geht aus einer Erhebung der Zürcher Unternehmensdienstleisterin Crif AG hervor, die Zahlen aus den Handelsregistern zusammengetragen hat. Einzig im Kanton Obwalden war die Anzahl Firmen um 1,4 Prozent rückläufig. Der Grund: Das Volkswirtschaftsdepartement lässt dort inaktive Domizilgesellschaften konsequent aus dem Handels­register löschen. Volkswirtschaftsdirektor Niklaus Bleiker (CVP) erklärt die Ursache.

Niklaus Bleiker, was muss man sich unter einer inaktiven Domizilgesellschaft genau vorstellen?

Es handelt sich dabei um Firmen, die gar nicht mehr tätig sind. Sie haben Organisationsmängel. So verfügen sie zum Beispiel über kein Domizil oder keinen rechtmässigen Verwaltungsrat. Das Obwaldner Volkswirtschafts­departement hat das Handelsregister angewiesen, zuerst das Gespräch mit deren Vertreter zu suchen und dann solche Betriebe konsequent aus dem Handelsregister zu löschen.

Warum?

Nur um auf eine hohe Firmenzahl zu kommen, brauchen wir im Handelsregister keine Unternehmen, die gar keine Geschäfte betreiben.

Haben die Löschungen Konsequenzen für Arbeitsplätze und Steuereinnahmen?

Auf die Arbeitsplätze haben sie überhaupt keine Auswirkungen. Bei den Steuern entgehen dem Kanton vielleicht 10 000 Franken im Jahr, weil uns Firmen-Mindeststeuern von 500 Franken entgehen.

Es muss sich um ziemlich viele gelöschte Firmen handeln, wenn Obwalden in diesem Jahr als einziger Kanton einen negativen Saldo bei Neufirmen und Firmenschliessungen aufweist.

Das Handelsregister hat in diesem Jahr bisher 200 Löschungen vorgenommen. Bei dieser Zahl sind auch 16 Konkurse und alle üblichen Betriebsaufgaben mitgezählt. Ihnen stehen aber in etwa gleich viele neue Betriebe gegenüber. Wir verzeichneten seit Jahresbeginn 51 Firmenzuzüge aus andern Kantonen und 151 Neugründungen. Um die Relationen zu sehen: In unserem Kanton gibt es 4100 Firmen, die aktiv Geschäfte betreiben.

Bei einem Teil davon handelt es sich aber um Briefkastenunternehmen, deren volkswirtschaftlicher Nutzen gering ist.

Ja, wir haben einige sogenannte Briefkastenfirmen. Doch wir locken sie nicht aktiv zu uns. Wenn sich Briefkastenfirmen aber hier niederlassen wollen und sie die gesetzlichen Voraussetzungen dafür erfüllen, besteht für uns keine Möglichkeit, sie abzulehnen. Dann haben diese Firmen das Recht, sich in Obwalden niederzulassen.

Die Zahl der inaktiven Domizilgesellschaften ist rückläufig – in welchen Bereichen hingegen wächst die Obwaldner Wirtschaft?

Es sind in erster Linie die bereits hier ansässigen Firmen, die auf den Standort Obwalden setzen und massiv ausbauen. Bei Maxon und Bio-Familia etwa sind die Bauarbeiten für Ausbauten im grossen Stil bereits im Gang, und die Firma Leister hat ihre Ausbaupläne eingereicht. Wie vital unsere Wirtschaft ist, macht auch die übers ganze Jahr betrachtet tiefste Arbeitslosenquote der Schweiz deutlich. Mit weniger als 1 Prozent herrscht in Obwalden praktisch Vollbeschäftigung.

Interview: Rainer Rickenbach