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Obwaldner Pasta Röthlin trotzt mit Swissness der Konkurrenz

Der Teigwaren-Markt ist hart: Die wachsende Konkurrenz aus dem Ausland zwingt hiesige Pastaproduzenten zum Umdenken. Auch in Kerns wird die Produktion an Markttrends ausgerichtet.
Raphael Bühlmann
Die Pasta Röthling AG in Kerns setzt auf Swissness im hart umkämpften Markt. (Bild: Corinne Glanzmann, Kerns, 11. September 2019)

Die Pasta Röthling AG in Kerns setzt auf Swissness im hart umkämpften Markt. (Bild: Corinne Glanzmann, Kerns, 11. September 2019)

Klar, nirgends auf der Welt wird mehr Pasta gegessen als in Italien. Staunen kann man jedoch – nebst den unzähligen Formen und Bezeichnungen für getrocknete Hartweizen-Teige – vor allem über die Menge, die unsere südlichen Nachbarn vertilgen. Je nach Quelle soll sich der jährliche Pro-Kopf-Konsum von Spaghetti, Rigatoni oder Bucatini zwischen 24 und 26 Kilogramm bewegen. Zum Vergleich: Deutsche und Franzosen essen 8 Kilo pro Jahr – Österreicher 7 Kilo.

Ebenfalls etwas überraschend scheint: auf Platz 2 der europäischen Hitparade des Teigwarenkonsums rangiert die Schweiz. Der Pro-Kopf-Verzehr liegt hier bei knapp 10 Kilogramm. Rund die Hälfte davon wird importiert. Gemäss Eidgenössischer Zollverwaltung haben sich die Gesamteinfuhren seit der Jahrtausendwende verdoppelt. Für Bruno Höltschi, Geschäftsführer der Pasta Röthlin AG in Kerns, ist das vor allem Ausdruck eines intensivierten Wettbewerbs.

Ur-Dinkel anstatt Hartweizen

Wie bereits andere Zentralschweizer Lebensmittelhersteller gegenüber dieser Zeitung ausgeführt haben, so bestätigt auch Höltschi, dass derzeit ein harter Preiskampf im Schweizer Detailhandel im Gange sei. Und, Teigwaren gelten als preisgünstiges Grundnahrungsmittel, obwohl es wertvolle Kohlenhydrate und Mineralstoffe enthält. Tatsächlich zeigt die Zollstatistik auch, dass heute günstige Pasta vor allem aus Frankreich für 1.86 Franken das Kilo importiert wird. Die Franzosen machen den Italienern damit zunehmend Konkurrenz. Im Jahr 2000 stammten 80 Prozent der Pasta-Einfuhren aus Italien. Heute sind es 60 Prozent.

Pasta-Röthlin-CEO Bruno Höltschi. (Bild: Corinne Glanzmann, Kerns, 11. September 2019)

Pasta-Röthlin-CEO Bruno Höltschi. (Bild: Corinne Glanzmann, Kerns, 11. September 2019)

Auf dieser Stufe könnten Schweizer Produzenten nicht konkurrieren. «Ohne klare Positionierung der Produkte ist man auf verlorenem Posten», sagt Bruno Höltschi. Und wenn man mit hiesigen Rohstoffen und Lohnkosten produzieren wolle, gebe es nur eine strategische Ausrichtung. Zwar liege man preislich rund 20 Prozent über Import-Teigwaren, doch mit der Marke «Kernser» setzen die Obwaldner voll auf das Argument «Swissness», ein besonders schonendes Herstellungsverfahren und Schweizer Innovationskraft und erreichen damit höhere Verkaufspreise. Höltschi:

«Nur als Premiumanbieter und mit speziellen Produkten können wir uns abheben»

«Nachhaltigkeit leben wir seit über 20 Jahren, indem wir Ur-Dinkel-Teigwaren mit Schweizer Getreide und Freilandeiern produzieren dürfen.» Ausserdem werden auch Rohstoffe nach Schweizer Bioqualität und Wasser aus der Region zu Kernser Pasta verarbeitet.

Coop schloss Pasta Gala Ende 2014

Die Pasta Röthlin AG gehört zu einer Handvoll grösserer Teigwarenproduzenten der Schweiz. Unter ihnen fungiert die Migros-Tochter Jowa mit Abstand auf Platz 1. Ihr folgt die Frauenfelder Pasta Premium AG mit den Marken wie Bschüssig, Ernst oder La Chinois. Die Tessiner Pastificio Simona, die Kernser Pasta Röthlin sowie Hilcona vervollständigen das Quintett relevanter Schweizer Pasta Produzenten, wobei sich die international aufgestellte Hilcona in erster Linie auf die Produktion frischer Pasta spezialisiert hat. Coop, nebst Migros zweiter grosser Akteur auf dem Lebensmittelmarkt, hat die Teigwarenproduktion mit ihrer Tochter Pasta Gala Ende 2014 eingestellt. Der Betrieb hätte nicht mehr profitabel weitergeführt werden können, begründete Coop damals. Auch dies hat zu einem markanten Anstieg der Importe ab 2015 geführt. Doch Coop hält fest: «Wir lassen heute einen grossen Teil unserer Eigenmarken-Teigwaren in der Schweiz produzieren». Daneben biete man eine grosse Auswahl an Teigwaren von regionalen Produzenten an. Darunter auch Kernser Pasta.

Pasta Röthlin AG: CEO Bruno Höltschi präsentiert eines seiner Produkte .(Bild: Corinne Glanzmann, Kerns, 11. September 2019)

Pasta Röthlin AG: CEO Bruno Höltschi präsentiert eines seiner Produkte .(Bild: Corinne Glanzmann, Kerns, 11. September 2019)

Dabei unterstreicht auch der Detailhändler die wachsende Bedeutung von Teigwaren aus alternativen Rohstoffen. Pasta aus Kichererbsen, Linsen oder Bohnen seien derzeit beliebt. Ein Trend den auch die Migros bestätigt: «Nach wie vor machen die klassischen Teigwaren zwar den Hauptteil aus. In den vergangenen Jahren sind allerdings glutenfreie Teigwaren oder Teigwaren mit alternativen Getreiden (Basis Kichererbsen, Bohne etc.) deutlich beliebter geworden». Unter dem Strich erklären beide Detailhändler, dass der Konsum stabil sei.

So werden Ur-Dinkel-Spaghetti in Kerns hergestellt:

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