70 Prozent der Obwaldner Betriebe machen weniger Umsatz

Hotellerie und Gastronomie leiden, wie eine Umfrage in Obwalden zeigt. Volkswirtschaftsdirektor Daniel Wyler fordert mehr Innovationsgeist.

 Philipp Zurfluh
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Die Obwaldner Unternehmenslandschaft ist stark von KMU geprägt. Rund 80 Prozent davon weisen eine Betriebstätigkeit von mindestens zehn Jahren auf. Seit der Einführung der Covid-19-Massnahmen des Bundes am 17. März haben rund 70 Prozent aller Unternehmer Umsatzeinbussen erlitten. Dies geht aus einer Umfrage hervor, die unter der Federführung des Gewerbeverbandes Obwalden gemeinsam mit dem Volkswirtschaftsdepartement durchgeführt wurde. Verglichen wurden die Umsatzeinbussen von April 2020 und April 2019. Die grössten Einbussen mussten Unternehmen aus der Beherbergung und Hotellerie, aus der Gastronomie und aus dem Transportwesen verzeichnen.

Die häufigsten wirtschaftlichen Sofortmassnahmen waren die Anmeldung von Kurzarbeit und der Stopp von Investitionen sowie die Beschaffung von flüssigen Mitteln. 25 Prozent der Unternehmen haben einen Überbrückungskredit des Bundes beantragt. Rund 20 Prozent stellten einen Antrag auf Entschädigung bei Erwerbsausfällen von Selbstständigerwerbenden. Fast 60 Prozent der befragten Betriebe haben Kurzarbeit angemeldet.

Rücklaufquote bei Umfrage beträgt 21 Prozent

Obwaldner Volkswirtschaftsdirektor Daniel Wyler

Obwaldner Volkswirtschaftsdirektor Daniel Wyler

Corinne Glanzmann

Angesprochen auf die Umfrage meint der Obwaldner Volkswirtschaftsdirektor Daniel Wyler: «Mich beeindruckt, wie schnell und flexibel die Betriebe auf die Krise reagiert haben.» Diesen Eindruck hat auch Emmanuel Hofer, Geschäftsführer beim Gewerbeverband Obwalden:«Die Wirtschaft ist robust. Wichtig war für uns, dass Bund und Kanton frühzeitig finanzielle Hilfe signalisiert haben. Der Austausch mit der Politik ist unkompliziert und unbürokratisch.»

304 der rund 1500 angeschriebenen Obwaldner Unternehmen haben die Umfrage ausgefüllt. Das entspricht einer Rücklaufquote von gerade mal 21 Prozent. Bei einer ähnlichen Umfrage im Kanton Nidwalden lag die Rücklaufquote bei 65 Prozent. «Wir haben nicht die gleichen Ressourcen wie Nidwalden. Viele Gewerbler haben momentan zudem wohl Dringenderes zu tun, als eine Umfrage auszufüllen», lautet die Erklärung des Volkswirtschaftsdirektors.

Die Umfrage zeigt auch, dass knapp 30 Prozent der befragten Unternehmen keine speziellen Massnahmen eingeleitet haben. Betreffend Mitarbeiterentlassung sehen 75 Prozent der Betriebe aktuell keinen Handlungsbedarf. Die Zahl der arbeitslosen Personen hat von 1,1 auf 1,4 Prozent zugenommen (schweizweit war die Zunahme von 2,9 auf 3,3 Prozent markanter). Daniel Wyler schätzte zuletzt, dass die Arbeitslosenquote auf 2 oder gar 2,5 Prozent steigen könnte (siehe Ausgabe vom 16. Mai). Obwalden hat im gesamtschweizerischen Quervergleich die tiefste Arbeitslosenquote. Die Umfrage hat auch ergeben, dass 75 Prozent der Betriebe die eigene Existenz aufgrund der Covid-19-Pandemie nicht als gefährdet ansehen.

Weitere Umfrage in der Tourismusbranche

Alarmierend ist die Situation in der Gastronomie. Bei 95 Prozent der Betriebe, die an der Umfrage teilnahmen, liegen die Einbussen zwischen 50 und 100 Prozent. In der Hotellerie ist dies bei 94 Prozent der Fall.     Diese Woche wird eine weitere Online-Umfrage in der Tourismusbranche durchgeführt. Dabei sollen spezifische Fragen zur wirtschaftlichen Situation und zu nötigen Massnahmen gestellt werden. Der Volkswirtschaftsdirektor nimmt die Gastroszene, Hotellerie und den Tourismusbereich in die Pflicht. Wyler sagt:

«Ich erwarte Vorschläge, wie es in diesem Bereich weitergehen kann. Man kann nicht nur nach Geld verlangen. Gefragt ist auch hier Innovationsgeist.»

Der Blick ins Jahr 2021 mache ihm schon ein wenig Bauchweh. Laut Emmanuel Hofer konnten viele Unternehmen die Auswirkungen dank noch laufender Aufträge abfedern. Bis anhin seien wenige Kredite beansprucht worden. «Die erste Phase haben wir im Grossen und Ganzen gut überstanden, doch jetzt gilt es, die langfristige Entwicklung gut im Auge zu behalten», sagt der Geschäftsführer des Gewerbeverbandes Obwalden.