Öffentlicher Verkehr

Hündeler sind wegen Abschaffung des Hunde-GA wütend – Elmar Ledergerber ruft zum Widerstand gegen «Abzockerei» auf

Der öffentliche Verkehr schafft das Hunde-GA ab. Die Nachfolgelösung ist nur vordergründig billiger, kritisieren Hundebesitzer. Sie rufen unter prominenter Führung zum Widerstand auf.

Stefan Ehrbar
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Das Hunde-GA wird abgeschafft. Der ehemalige Zürcher Stadtpräsident Elmar Ledergerber kritisiert das neue Regime scharf. (Bildmontage)

Das Hunde-GA wird abgeschafft. Der ehemalige Zürcher Stadtpräsident Elmar Ledergerber kritisiert das neue Regime scharf. (Bildmontage)

Keystone/CH Media

Elmar Ledergerber ist wütend. «Die SBB strengen sich seit Jahren an, ihren guten Ruf loszuwerden», wetterte er diese Woche auf Radio 1. «Jetzt sind die Hündeler dran.» Der Ärger des früheren Zürcher Stadtpräsidenten liegt in einem Sortimentswechsel begründet: Das bisherige Hunde-GA wird ab Ende Jahr zu einem Hundepass umfunktioniert. Statt 800 Franken kostet es neu noch 350 Franken – mit einer gewichtigen Einschränkung: War das Hunde-GA übertragbar und konnte von mehreren Personen genutzt werden, die mit demselben Hund unterwegs waren, müssen neu alle Personen, die den Hund mitnehmen, einen eigenen Hundepass kaufen.

«Es reicht nicht, wenn ich so einen Hundepass habe», sagte Ledergeber. «Auch meine Frau braucht einen, und auch mein Sohn, und wenn meine liebe Nachbarin den Hund ausführt, muss die auch einen Hundepass haben. Das ist die Höhe. Das ist kein Hundepass, sondern eine Abzockerei der Hündeler auf eine sehr unsympathische Art.» Der Titel des Briefes, mit dem die Änderung angekündigt wurde, sei irreführend: «Freie Fahrt für Ihren Hund», heisse es dort. «Ich lasse mir das nicht gefallen», schloss der SP-Politiker seine Wutrede. «Hündeler aller Kantone, vereinigt euch, das lassen wir uns nicht gefallen!».

Ledergerber führt Aufstand an

Ledergerber ist nicht der einzige Kritiker des neuen Regimes: Schon über 2600 Unterzeichnende einer Petition auf dem Portal Campax fordern eine Beibehaltung des Hunde-GA. «Hunde werden nicht nur von Singles gehalten, sondern auch von Familien, Paaren oder Wohngemeinschaften», heisst es zur Begründung. «Für einen Hund müssten also mehrere Abos gelöst werden – obwohl der Hund nur einmal Zug fahren kann.» Hundehalter würden erneut zur Kasse gebeten – jetzt sogar mehrfach: «Das soll verhindert werden!».

Hässig: Elmar Ledergerber.

Hässig: Elmar Ledergerber.

Keystone

Eine Familie mit vier Personen und zwei Hunden müsse mit dem neuen System acht Hundepässe kaufen, rechnet ein betroffener Hundebesitzer vor. Statt 1600 Franken würde das Ausgaben von 2800 Franken im Jahr nach sich ziehen – eine Preissteigerung von 75 Prozent. «Die vermeintliche Vergünstigung soll wohl zur Verarmung führen», schreibt eine andere Hundebesitzerin.« Und das für Tiere die schlussendlich eh unter den Sitz müssen.»

Branche kann Kritik nicht verstehen

Für die Änderung des Sortiments sind allerdings nicht die SBB alleine zuständig, sondern der Branchenverband Alliance SwissPass. In ihm sind 250 Betriebe des öffentlichen Verkehrs zusammengeschlossen. Sprecher Thomas Ammann sagt, die Alliance SwissPass könne die Kritik der Hündeler nicht nachvollziehen. «Für sehr viele Hundebesitzer wird der öffentliche Verkehr mit den Änderungen im Hundesegment günstiger.»

Erst wenn drei oder mehr Personen regelmässig mit demselben Hund unterwegs seien, werde es teurer. «Dafür steht mit den vergünstigten Hunde-Tageskarten jedoch ebenfalls ein attraktives Angebot zur Verfügung», sagt Ammann. Der Preis dieser Tageskarten wird von 35 auf 25 Franken reduziert. Zudem sei der Hundepass neu auf dem SwissPass hinterlegt. Man müsse also nicht mehr eine separate Karte mitführen.

Kein Kontakt mit Hundeverbänden

Die Alliance SwissPass befinde sich in stetem Austausch mit Interessengruppen und nehme Kritik und Anregungen gerne entgegen. Sie überprüfe das Sortiment laufend und passe es den Bedürfnissen der Kunden an. Anpassungen am Hunde-Sortiment seien aktuell aber nicht vorgesehen, sagt Ammann – und auch in Kontakt mit Hundeverbänden stehe man nicht konkret.

Das sei schade, sagt Heinrich Brunner, Präsident des Zürcher Hundeverbandes. «Wir wurden leider weder von den SBB noch von der Alliance SwissPass kontaktiert. Wir würden uns wünschen, dass Organisationen künftig vermehrt mit uns oder den anderen Fachverbänden Kontakt aufnehmen würden.» Sein Verband repräsentiere die Anliegen und Bedürfnisse der Hundehalter und könne ein wertvoller Ansprechpartner sein.

Ein einheitlicher Hundepass auf dem Swisspass sei zwar zu begrüssen, sagt Brunner. «Allerdings wäre es wünschenswert gewesen, wenn das neue Angebot auf mindestens zwei Personen zugelassen wäre. In der heutigen Zeit werden Hunde oft durch mehrere Personen betreut. Wir hätten zumindest ein Hunde-GA auf dem Swisspass pro Familie begrüsst und empfohlen», sagt Brunner. «Grundsätzlich sehen wir es aber als sehr positiv, dass die Kosten reduziert und das Handling vereinfacht wurde.»