Ölpreis auf Tiefstand – Sollen Hausbesitzer nun ihren Heizöltank füllen?

Der Ölpreis erreichte diese Woche den tiefsten Stand seit 17 Jahren. Nun könnte es wieder aufwärts gehen. Viele Privatpersonen füllen nun ihre Heizöltanks. Der Benzinpreis dürfte weiter sinken.

Stefan Ehrbar
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Der Ölpreis ist zurzeit so tief wie seit 2002 nicht mehr. Nun kaufen viele Hausbesitzer Heizöl ein.

Der Ölpreis ist zurzeit so tief wie seit 2002 nicht mehr. Nun kaufen viele Hausbesitzer Heizöl ein.

Keystone

Eine solche Talfahrt erlebte der Ölpreis in den letzten Jahren nicht mehr. Innert zwölf Monaten sank der Preis der Nordsee-Sorte Brent um 63 Prozent, jener der US-Sorte WTI gar um 65 Prozent. Am Mittwoch kostete ein Barrel Brent-Öl noch 25,29 US-Dollar und damit so wenig wie seit 2003 nicht mehr, die Sorte WTI wurde gar für unter 25 US-Dollar pro Barrel gehandelt und war damit so günstig wie zuletzt 2002. 

Der Preiszerfall hat mehrere Gründe. Einerseits trifft das Corona-Virus die Weltwirtschaft hart. Viele Industrie-Firmen drosseln ihre Produktion, Airlines stellen einen Grossteil ihrer Flüge ein, die Börsen weltweit leiden an den Folgen der Pandemie. Die Nachfrage nach Öl ist stark gesunken. Gleichzeitig führen Saudi-Arabien und Russland einen Preiskrieg.

Eigentlich wollte die Organisation der erdölexportierenden Staaten (Opec) die Fördermenge reduzieren, nachdem die Folgen der Corona-Krise offenbar wurden. Doch Russland, das nicht Opec-Mitglied ist, torpedierte diese Pläne.

«Der Zeitpunkt ist günstig»

Deshalb schwenkte auch Saudi-Arabien um und hat die Fördermenge erhöht. Gleichzeitig wurden die Preise gesenkt. So stösst ein grösseres Angebot auf eine immer tiefere Nachfrage. Nun könnte sich die Entwicklung allerdings wieder umkehren.

Durch den Preiskrieg dürften die teuer produzierenden Schieferölproduzenten aus den USA aus dem Markt gedrängt und das Überangebot etwas reduziert werden. Andererseits nehmen viele Firmen in China den Betrieb langsam wieder auf. Die Nachfrage könnte also wieder steigen.

Sollten Hausbesitzer die tiefen Preise nun noch nutzen, um ihre Heizöl-Tanks zu füllen? Ueli Bamert, Geschäftsführer des Branchenverbands Swissoil, hält den Zeitpunkt für günstig. «Der Preis ist niedrig und die Versorgungslage trotz der geltenden Notstandsverordnung gut», sagt er. Es gebe keine Einschränkungen. Ein Heizöl-Tank lasse sich zudem ohne physischen Kontakt füllen, das sei also auch in Zeiten des Corona-Virus sicher machbar.

Wie stark sinken die Benzinpreise?

Er denke, dass viele Hausbesitzer nun zukaufen, so Bamert. «Die Leute sind sehr preissensitiv. Ist der Heizölpreis so tief wie jetzt, wird gekauft.» Hinzu komme: Viele seien zurzeit zuhause und obwohl der Winter durch sei, folgten nun noch einmal etwas kältere Tage.

Auf den Benzinpreis dürfte die aktuelle Situation hingegen einen weniger grossen Einfluss haben. «Mehr als die Hälfte des Benzinpreises besteht aus staatlichen Abgaben», so Bamert. «Sinkt der Ölpreis auf dem Weltmarkt, fällt das weniger stark ins Gewicht und wenn, dann erst mit einer gewissen Verzögerung.» Auch der deutsche Automobil-Club ADAC teilte mit, die Benzinpreise dürften zwar sinken, eine Aussage zur Höhe des Effekts sei aber kaum möglich.

Horten von Benzin ist gefährlich

Am Montag kostete ein Liter Bleifrei 95 an Schweizer Tankstellen laut Angaben der Plattform GlobalPetrolPrices durchschnittlich 1.45 Franken pro Liter. Damit ist der Preis so tief wie zuletzt im Sommer 2017, wie Zahlen von Shell und des Verbands Avenergy Suisse zeigen.

Die weitere Entwicklung des Benzinpreis sei kaum vorhersehbar, sagt Ueli Bamert von Swissoil. Entscheidend dürfte sein, ob sich Russland und Saudi-Arabien in nächster Zeit auf ein neues Abkommen und eine Förderbremse einigen können. Daneben werden auch Konjunkturprogramme und Hilfspakete sowie Entscheide der Zentralbanken eine Rolle spielen. 

Angesichts der unklaren Aussichten Benzin zu horten, ist allerdings keine kluge Idee. So warnt der ADAC davor. Es könnten schnell entzündliche Dämpfe aus Reservebehältern entweichen: «Das kann lebensgefährlich sein».