Offshore
Geldverstecken à l'américaine: Wie Barack Obama den Schweizer Banken eins auswischte – und die USA noch heute davon profitieren

Die Vereinigten Staaten von Amerika beherbergen zahlreiche Steuerparadiese. Wer um den Fiskus einen Bogen machen will, gibt laut einer neuen Studie den USA sogar den Vorzug gegenüber Panama.

Daniel Zulauf
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Konkurrenten im so genannten Offshore-Banking: Die Schweiz und die USA.

Konkurrenten im so genannten Offshore-Banking: Die Schweiz und die USA.

Keystone

Pandora Papers hin oder her: Viele superreiche Privatinvestoren lassen ihr Geld immer noch gern ausserhalb ihres Domizillandes verwalten. Eine neue Untersuchung des Beratungsunternehmens Deloitte Schweiz schätzt das Volumen des globalen «Offshore»-Vermögensverwaltungsmarktes auf rund 11,2 Billionen Dollar. Das entspricht rund fünf Prozent aller privaten Finanzvermögen im Jahr 2020. Allerdings: Vor zehn Jahren hatte der Anteil der Offshore verwalteten Gelder noch neun Prozent betragen.

Dafür gibt es eine Reihe von guten Gründen. Seit der Finanzkrise haben sich viele Länder die Steuertransparenz auf die Fahne geschrieben. Auch die Schweiz, der immer noch weltgrösste Standort für Offshore-Vermögensanlagen mit einem von Deloitte geschätzten Marktanteil von 23,7 Prozent, partizipiert seit 2017 am Internationalen Informationsaustausch in Steuersachen. Dazu haben sich über 100 Länder und Jurisdiktionen verpflichtet – mit Ausnahme der USA, die ihren eigenen Standard umsetzt.

USA tauschen keine Steuerdaten

Der Foreign Account Tax Compliance Act - kurz Fatca - zielt allein auf die amerikanischen Bürger, deren Steuerpflicht im Heimatland weltweit durchgesetzt wird. Aber Amerika tauscht keine Steuerdaten mit anderen Ländern. Das hat Folgen, die in der Deloitte-Statistik nicht zu übersehen sind.

Während der globale Offshore-Vermögensverwaltungsmarkt von 2017 bis 2020 um durchschnittlich 4,8 Prozent pro Jahr gewachsen ist, expandierte er in den USA um 8,6 Prozent. Die fehlende Gegenseitigkeit beim Austausch von Steuerdaten sei «ein wichtiger Treiber für das starke Wachstum des amerikanischen Marktes», sagte Studienleiter Patrik Spiller, leitender Unternehmensberater für Vermögensverwaltungsbanken bei Deloitte Schweiz.

Grossbritannien verliert an Bedeutung

Pikanterweise gehörten die USA unter dem seinerzeitigen Präsidenten Barack Obama zu den stärksten Befürwortern von mehr globaler Steuertransparenz innerhalb der G-20-Länder. Während die Schweiz ihre globale Position im Offshore-Geschäft mit einem Wachstum von 6,7 Prozent in der von Deloitte betrachteten Dreijahresperiode noch gut verteidigen konnte, musste Grossbritannien, der zweitgrösste globale Offshore-Markt mit einem Wachstum von nur noch 3,7 Prozent einen markanten Bedeutungsverlust hinnehmen.

Panama und die klassischen Steuerparadiese in der Karibik sind sogar absolut gesehen um durchschnittlich fast zehn Prozent pro Jahr geschrumpft, was ebenfalls mit dem Informationsaustausch, aber sicher auch mit den gehäuften Daten-Leaks («Panama Papers», «Paradise Papers» und jetzt «Pandora Papers») zu erklären ist. Eine ähnlich hohe Wachstumsrate wie die USA erreichte nur Luxemburg. «Das Grossherzogtum hat davon profitiert, dass im Zug des Brexit einige Banken ihr europäisches Vermögensverwaltungsgeschäft dort zentralisiert haben», erklärt Spiller auf Anfrage dieser Zeitung.

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