Weihnachten

Ökonomen sagen: Geschenke sind Geldverschwendung

Was wir verschenken, kommt beim Beschenkten meist schlechter an als gehofft. Allzu oft bekommt man das Falsche oder zumindest etwas, das man sich selbst nicht angeschafft hätte. Der Nutzen bleibt gering.

Marcel Speiser
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Schöne Bescherung: Selten liegt genau das Richtige unter dem Baum.Key

Schöne Bescherung: Selten liegt genau das Richtige unter dem Baum.Key

Ökonomen sind Miesepeter. Seit bald drei Jahren nun verderben sie uns mit rabenschwarzen Aussichten für die Wirtschaftsentwicklung die Laune, beschwören den Untergang von einst als solide geltenden Staaten und stimmen uns auf magere Jahre ein. Wir müssen den Gürtel enger schnallen, Rentenkürzungen in Kauf nehmen, mehr Steuern zahlen – und vor allem sparen, sparen, sparen.

Als ob die ganze Konjunktur-Schwarzmalerei fürs vorweihnachtliche Gemüt nicht schon schlimm genug wäre, wollen uns die Ökonomen jetzt auch noch die Freude an der Bescherung vergällen.

Gut gemeint, schlecht ausgesucht

Geschenke, hält die Wirtschaftswissenschaft nüchtern fest, sind zu einem guten Teil Geldverschwendung. Dies ganz einfach deshalb, weil die Geschenke im Regelfall zwar gut gemeint, aber schlecht ausgesucht sind. Allzu oft bekommt man das Falsche oder zumindest etwas, das man sich selbst nicht angeschafft hätte. Damit kosten Geschenke die Schenkenden zwar viel, stiften beim Beschenkten aber keinen oder einen bloss geringen Nutzen. Die Differenz ist Wertvernichtung. Also das Gegenteil vom dem, was in der Wirtschaft angestrebt wird.

Joel Waldvogel, Ökonomieprofessor an der US-Eliteuniversität Yale, hat sogar eine Vorstellung davon, wie gross die jährliche Wertvernichtung durch Weihnachtsgeschenke ist. Seine Schätzung: rund 25 Milliarden Dollar. Das ist ein Viertel der Summe, die weltweit für Geschenke ausgegeben wird. Zudem entspricht die Summe rund 5 Prozent der gesamten Schweizer Wirtschaftsleistung.

Welchen Ausweg sehen die Ökonomen aus dem so genannten «Weihnachtsproblem»? Wenn wir für unsere Lieben regelmässig die falschen Geschenke aussuchen, wären doch Gutscheine eine gute Idee? Schliesslich können sich die Beschenkten ihre Wünsche dann selbst erfüllen.

Gutscheine: Ein gutes Geschäft für Unternehmen

Leider aber sind Gutscheine nur für die Unternehmen, welche sie ausgeben, ein gutes Geschäft. Denn die Wirtschaftswissenschaft hat ermittelt, dass nur neun von zehn Geschenkgutscheinen auch wirklich eingelöst werden, bevor sie verfallen. Uneingelöste Gutscheine sind für die Firmen also Umsatz ohne Gegenleistung, Gewinn ohne Kosten. Und für die Beschenkten sind sie wertlos. Ergo wäre das Verschenken von Bargeld die ökonomisch beste Geschenkidee. Sie erlaubt den Beglückten die völlig freie Befriedigung der eigenen Bedürfnisse. Zudem messen wir den Dingen, die wir uns selbst kaufen, einen im Schnitt 20 Prozent höheren Wert bei, als den Dingen, die wir von Anderen bekommen. Ein Ökonom sieht darin eine fantastische Wertvermehrung.

Nur: Haben Sie schon einmal versucht, Geld zu verschenken? Dann darf man Ihnen zur Ihrem Mut gratulieren! «Schatz, hier ist ein Hunderter, kauf dir doch was Schönes.» Das kommt bei der Liebsten wohl ähnlich schlecht an wie ein Staubsauger.