Expertenbericht
Ölpest: BP wusste von Mängeln am Bohrloch

Der Bescheid ist vernichtend: Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko vom April hätte verhindert werden können. Denn der Zulieferbetrieb Halliburton wusste bereits vor der Explosion der Bohrplattform , dass der verwendete Beton problembehaftet war.

Renzo Ruf
Merken
Drucken
Teilen
Bohrinsel im Golf von Mexiko (Archiv)

Bohrinsel im Golf von Mexiko (Archiv)

Keystone

Das hat die Kommission festgestellt, die von Präsident Barack Obama zur Aufklärung der Katastrophe eingesetzt wurde.

Dieses Zwischenergebnis wird die Debatte um die Frage anheizen, wer die Schuld an der grössten Ölpest vor der US-Küste trägt – im Fadenkreuz der Ermittler befinden sich drei global tätige Konzerne, die alle mit Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe rechnen müssen. Die Bohrplattform befand sich im Besitz der Schweizer Firma Transocean, während BP der rechtmässige (Mehrheits-)Eigentümer der Erdölvorräte unter dem Meeresboden ist. Halliburton schliesslich war von BP damit beauftragt worden, das inzwischen abgedichtete Bohrloch zu erstellen.

Die Ermittler sagen, dass Halliburton die Zementmischung im Frühling 2010 viermal auf ihre Stabilität getestet habe – und dreimal war das Resultat dieser Tests negativ. Im März informierte Halliburton den Auftraggeber BP über die Probleme, ohne allerdings die Signifikanz des Tests herauszustreichen. Keines der beiden Unternehmen zog daraufhin entsprechende Konsequenzen, wie die Ermittler festgestellt haben. Aufgrund des problembehafteten Zements konnte im April Öl und Gas in die Quelle eindringen; am 20. April explodierte die Plattform. Elf Menschen starben, und monatelang floss Öl in den Golf von Mexiko.

BP bezieht keine Stellung

In einer Stellungnahme wies Halliburton die Untersuchungsresultate zurück. Der Zulieferbetrieb sagt, dass die Ermittler von falschen Voraussetzungen ausgegangen seien und beim Versuch, die Zusammensetzung der Zementmischung zu rekonstruieren, Fehler begangen hätten. Halliburton sagt, dass eine fehlerhafte Konstruktion des Bohrlochs und schlampiges Verhalten von BP-Angestellten zur Katastrophe geführt habe. BP lehnte eine Stellungnahme ab.

Beobachter nannten die Untersuchungsergebnisse vernichtend für Halliburton. «Es sind solche Beweismittel, die deutlich zeigen, dass jemand wusste, dass ein schwerwiegendes Problem besteht», sagte ein Anwalt aus New Orleans, der BP, Halliburton und Transocean eingeklagt hat. An der Börse brach der Aktienkurs von Halliburton ein.