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Zuger Onlinehändler Dodax steht vor dem Aus

Der Onlinemedienhändler Dodax muss in die Nachlassstundung. Gross geworden ist der Zuger Onlineshop dank dem Amazon-Marktplatz für Dritthändler.
Maurizio Minetti

«Beste Unterhaltung, toller Service und günstige Preise. Dodax ist Onlineshopping – nur besser!» So steht es auf dem Twitterprofil des Zuger Onlinehändlers Dodax, der vor allem Elektronikprodukte verkauft. Doch auf den Onlineprofilen von Dodax herrscht seit Wochen Funkstille. Seit Anfang Juni befindet sich der Händler in provisorischer Nachlassstundung, wie einem Blogeintrag des Zürcher E-Commerce-Kenners Thomas Lang zu entnehmen ist. Nach einer Nachlassstundung erfolgt üblicherweise der Konkurs, es sei denn, die Inhaber können das Unternehmen sanieren.

Was die Gründe für das bevorstehende Aus von Dodax sind, ist unbekannt. Auf E-Mails reagiert das Unternehmen nicht, der Kundenservice ist verwaist, geschäftliche Telefonnummern sucht man auf der Website vergebens. Auch der zuständige Sachwalter war gestern nicht erreichbar. In der E-Commerce-Branche ist zu erfahren, dass Dodax oder Teile davon vor wenigen Tagen an die österreichische My-World-Unternehmensgruppe verkauft worden sein soll. Eine Bestätigung dafür gibt es allerdings nicht.

Dodax, die früher auch unter dem Namen Seleso bekannt war, beschäftigt laut älteren Angaben 120 Angestellte in der Schweiz, Deutschland und Polen und hat 2015 einen Umsatz von rund 50 Millionen Franken erwirtschaftet. Erst Ende 2016 hatte Dodax nach dem Vorbild von Amazon einen eigenen Marktplatz für Drittanbieter lanciert. Im gleichen Jahr war auch Siroop mit einem ähnlichen Vorhaben gestartet – das Gemeinschaftsunternehmen von Coop und Swisscom musste vor kurzem aber schliessen.

Der Trick mit der Freigrenze

Gross geworden ist Dodax dank dem Amazon-Marktplatz für Dritthändler. Dort ist das im Jahr 2009 von zwei Österreichern gegründete Unternehmen einer der Topverkäufer. Möglich macht dies die Nutzung der Freigrenze für Nicht-EU-Länder. Diese erlaubt es, Sendungen unter dem Wert von 22 Euro mehrwertsteuerbefreit nach Deutschland zu importieren. Die Schweiz als Nicht-EU-Mitglied gilt als Drittland im Sinne dieser Regelung. Ein Schweizer Händler wie Dodax kann Kunden in Deutschland Filme, Musik oder Videospiele ohne Mehrwertsteuer verkaufen. Deutsche Händler können da preislich nicht mithalten.

Neben Dodax gibt es mehrere Schweizer Händler, die diesen Trick für sich nutzen. Darunter befinden sich mit Zoreno und Nagiry zwei weitere Zuger Onlinehändler. Diese hierzulande unbekannten Shops gehören zu den Top 50 der erfolgreichsten Onlinehändler, die ihre Produkte auf Amazon Deutschland verkaufen. Für E-Commerce-Experte Thomas Lang ist dieses Geschäftsmodell aber vom Untergang bedroht. «Erstens, weil die Nachfrage in diesen Sortimenten besonders stark wegen der Digitalisierung und des veränderten Konsumverhaltens (Streaming, Flat Rates usw.) unter Druck ist», schrieb er vor einem Jahr im Blog seines Beratungsunternehmens Carpathia.

Zweitens machen auch die Behörden Druck. Sie haben weniger die Schweizer Händler im Visier als vielmehr die grossen chinesischen Onlineriesen, die über Amazon und Ebay in der EU ein grosses Geschäft machen.

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