OSWALD: «Suppen sind beliebt wie nie»

Seit diesem März ist Beat Welti Chef des Steinhauser Nahrungsmittelkonzerns. Trotz E-Commerce und Firmenshop setzt er weiterhin auf klassische Hausbesuche.

Interview Ernst Meier
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Der Konsumgüterspezialist Beat Welti führt seit März dieses Jahres das Nahrungsmittelunternehmen Oswald. (Bild Maria Schmid)

Der Konsumgüterspezialist Beat Welti führt seit März dieses Jahres das Nahrungsmittelunternehmen Oswald. (Bild Maria Schmid)

Beat Welti, Gewürze, Bouillon und Suppen sind Ihr Kerngeschäft. Wie oft essen Sie selber Suppe?

Beat Welti: Ich geniesse sehr gerne eine feine Suppe – sei es eine klare Bouillon mit Einlage oder eine feine Cremesuppe.

Suppe gehörte früher zu jedem Mittagsmenü. Dem Gast gab es «Boden», der Koch konnte «Reste verwerten». Heute beinhalten Menüs immer seltener eine Tagessuppe.

Welti: Es trifft zu, dass vielerorts keine Mittagssuppe mehr serviert wird. Vor allem in städtischen Gebieten hat die Suppe als Vorspeise an Bedeutung verloren. Allgemein sind Suppen heute aber so beliebt wie nie – auch in den Städten.

Wie erklären Sie diesen Widerspruch?

Welti: Die Suppe hat mittlerweile eine andere Bedeutung als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Statt Vorspeise isst man sie immer mehr als Hauptmahlzeit – zum Beispiel mit einem Brötchen. Das hat damit zu tun, dass sich immer mehr Menschen unterwegs oder im Büro verpflegen. Die Suppe ist eine beliebte Take-away-Mahlzeit. Der Trend ist international. In Weltmetropolen wie London, Paris oder New York gibt es immer mehr Salat- und Suppen-Bars.

Wie entwickelt sich der Suppenmarkt?

Welti: Der Verkauf von Fertig- und Halbfertigsuppen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Auch 2013 hält der Trend an. Der Gesamtmarkt wächst heuer um 3,5 Prozent. Oswald wächst dabei stärker als der Markt.

Welche Suppen essen Herr und Frau Schweizer am liebsten?

Welti: Reichhaltige pürierte Gemüsesuppen wie Kürbis- oder Spargelcremesuppe liegen im Trend. Auch fettfreie Bouillons sind sehr beliebt. Weniger gefragt sind Klassiker wie Ochsenschwanzsuppe.

Oswald-Gewürze und -Suppen gibt es seit über 60 Jahren. Nach wie vor kann man diese nur direkt bei Oswald beziehen. Wann kann ich sie in der Migros und im Coop kaufen?

Welti: Das wird wohl auch in den nächsten 60 Jahren nicht möglich sein. (lacht) Unsere Produkte sind von hoher Qualität; wir verwenden nur auserlesene Rohstoffe, die wir hier in Steinhausen verarbeiten. Wir haben über 200 Verkaufsberater und decken so die ganze Schweiz bis in entlegene Täler im Bündnerland oder im Wallis ab. Es gibt sogar Verkaufsberater, die im Winter auf Ski ihre Kunden besuchen, weil diese so abgelegen wohnen. Der Service wäre bei einem Verkauf im Detailhandel nicht möglich.

Dank Online-Shop kann man auch übers Internet bestellen und die Ware mit der Post heimliefern lassen. Konkurrenziert das nicht Ihre auf Provisionsbasis angestellten Verkäufer?

Welti: E-Commerce ist auch für Oswald ein wichtiger Verkaufskanal. Ich rechne damit, dass die Bestellungen via Online-Shop zunehmen werden. Das Internet eignet sich für Nachbestellungen, die man rund um die Uhr tätigen kann. Hingegen erhält der Kunde keine fachmännische persönliche Beratung. Wir reduzieren deshalb unser Beraterteam nicht. Unsere Aussendienstmitarbeiter – viele von ihnen sind gelernte Köche oder Metzger – verkaufen nicht einfach Oswald-Produkte; sie beraten ausführlich und können wertvolle Zubereitungstipps abgeben.

Welches sind denn Ihre Kunden?

Welti: Familien, aber auch Restaurants, die auf hohe Qualität sowie Swissness setzen, gehören zu unserem Hauptkundenstamm. Wir haben einen hohen Anteil an Hausfrauen, die regelmässig Produkte beziehen. Kochen wird als Hobby bei Männern immer beliebter. Entsprechend nimmt die Zahl der männlichen Kun­den zu.

Oswald gehört seit 13 Jahren zum Nahrungsmittel-Multi Unilever. Wie unabhängig von der Zentrale können Sie entscheiden?

Welti: Mit Unilever haben wir ein starkes und professionelles Mutterhaus im Rücken, das uns bestens unterstützt. Bei der Geschäftstätigkeit lässt man uns grösstmögliche Selbstständigkeit. Oswald entwickelt sich erfreulich weiter und baut stetig seine Stellung aus.