Kommentar
Päckli-Flut: Respekt und faire Arbeitsbedingungen für Pöstler

Roman Schenkel
Roman Schenkel
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Schwer beladen: Im Lockdown hielten Pöstler die Wirtschaft im Fluss.

Schwer beladen: Im Lockdown hielten Pöstler die Wirtschaft im Fluss.

Sandra Ardizzone / LTA

Jede Krise kennt Gewinner. Der Onlinehandel hat wegen Corona viel Schub bekommen. Essen, Kleider oder aktuell Weihnachtsgeschenke, alles wird im Netz gefischt und landet wenige Tage später vor der Haustür. Zur Freude der Onlinehändler hat die Pandemie diesen Strukturwandel stark beschleunigt – zumal viele Kunden diese Einkaufsform überhaupt erst richtig entdeckt haben.

Mit Folgen für die Logistik: Bereits Ende November hat die Post über 11 Millionen Pakete mehr zugestellt als im ganzen Vorjahr. Und dabei ist der mengenstarke Jahresschlussspurt noch nicht einberechnet. Eine Million Pakete verarbeitet die Post aktuell pro Tag, mit einem Kraftakt können dies die Pöstler gerade noch stemmen.

Die Arbeitsbelastung im liberalisierten Paketmarkt ist allerdings hoch, das zeigt eine gewerkschaftliche Umfrage bei Postangestellten. Die Zahl der zu verarbeitenden Pakete pro Person etwa hat während Corona stark zugenommen. Gleichzeitig sind die Löhne tief. Und viel Verständnis können die Postangestellten auch nicht erwarten, sollten Pakete zu spät bei den Bestellern eintreffen.

Und so ist es wie beim Spitalpersonal, den Kassierinnen im Supermarkt oder den Buschauffeuren: Logistikmitarbeitende sind systemrelevant. Dafür verdienen sie nicht nur Respekt oder lauwarmen Applaus, sondern vor allem eins: anständige Arbeitsbedingungen. Sonst sind sie die Verlierer der Krise.