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PAKETE: Gelber Riese kurbelt Online-Handel an

Die Post schliesst ihre Lücken beim Paketverkehr zwischen den Internetanbietern und deren Kunden. Dafür stehen 35 Roboter im Einsatz.
Rainer Rickenbach
Bestellen und daraufhin das Produkt bei einem der Post-Automaten abholen. Mit diesem Konzept will der Gelbe Riese die Lücke im Online-Handel schliessen. (Bild: Keystone/Alessandro della Valle)

Bestellen und daraufhin das Produkt bei einem der Post-Automaten abholen. Mit diesem Konzept will der Gelbe Riese die Lücke im Online-Handel schliessen. (Bild: Keystone/Alessandro della Valle)

So einfach und schnell schwebt der Post das Internetgeschäft der Zukunft vor: Eine modebewusste Frau stösst morgens beim Arbeitsweg auf ihrem Smartphone auf ein schickes Paar Schuhe zu einem Discountpreis – angeboten von einem mittelgrossen Schuhhändler in der Schweiz. Sie lässt sich nicht zweimal bitten. Sie fädelt den Kauf per Fingerdruck auf der Handyoberfläche ein und informiert den Anbieter auch gleich, an welchem Päckli-Automaten sie die gediegenen Treter auf dem Heimweg noch am gleichen Abend abzuholen gedenkt.

Acht mittelgrosse Unternehmen machen einen solchen Spontankauf in Zusammenarbeit mit der Schweizer Post bereits möglich – unsere Pendlerin hätte also für das eine oder andere Produkt bereits die Möglichkeit, innert weniger Stunden zu ihrem neuen Schuhwerk zu kommen. Doch so richtig ins Rollen gerät das E-Commerce-Geschäft der Post erst in den nächsten Monaten, denn sie baut ihre junge Online-Handel-Geschäftssparte Yellow Cube aus.

Angebot für die KMU

Die Schlüsselrolle in diesem Geschäft fällt dem neuen Yellow-Cube-Logistikzentrum in Oftringen zu (Kasten). «Damit erleichtert die Post den kleineren und mittleren Unternehmen den Eintritt in den Online-Handel und vereinfacht deren tägliche Arbeit», sagte Post-Konzern-Chefin Susanne Ruoff am Mittwoch bei der Präsentation der technologisch eingerichteten Logistikanlage.

Zwar betritt das Unternehmen mit dem Online-Geschäft kein Neuland. Teilbereiche wie das Marketing, den Versand oder die Zahlungsabwicklung bietet es bereits seit einiger Zeit an. Neu kommen dank Oftringen die Warenlagerung sowie das Verpacken der Kundenware hinzu. So hat die Post den ganzen Ablauf unter Kontrolle, den ein Mausklick auslöst bis zum Moment, in dem der Konsument die bestellte Ware entgegennimmt. Sogar Retournierungen erledigt die Post. Etwa, wenn falsche Waren oder unpassende Kleidergrössen beim Empfänger ankamen.

Yellow Cube sei in der Lage, den KMU individuelle Lösungen anzubieten, stellt Ruoff in Aussicht. Individuell sind auch die Preise – darüber gibt es bei der Post nur vage Auskünfte. So viel steht indes fest: Es gibt einen Preis pro Paket, seine Höhe richtet sich nach den Kundenansprüchen. Umso lieber stellen die Postmanager in den Vordergrund, wie die Kundenunternehmen an Lager- und Verpackungskosten sparen, wenn sie sich mit Yellow Cube einlassen.

Der Post geht es natürlich auch darum, mit dem neuen Logistikzentrum eine Wertschöpfungskette im Bereich ihrer Kernkompetenzen zu schliessen, die stark boomt (siehe Box) und als Folge davon hart umkämpft ist. Würde die Post dieses Geschäft verschlafen, müsste sie bald betrübt mitverfolgen, wie die Deutsche-Post-Tochter DHL, die pfiffigen St. Galler von MS Direct Marketing oder weitere kleinere Player sie im Geschäft mit den KMU ausmanövrieren. Die Ostschweizer bieten das Online-Warengeschäft schon heute von A bis Z an. Und bei den Grossen wie Amazon oder Ebay gibt es für die Schweizer Post kaum Aufträge zu holen – sie haben ihre eigenen Vertriebskanäle und arbeiten mit internationalen Distanzhändlern.

Paketautomaten für 24 Stunden

Bei der Post ist man indes zuversichtlich, die führende Stellung im Online-Handel ausbauen zu können. Sie besitzt in dieser Sparte einen Inland-Marktanteil von 70 Prozent. «Die ersten Rückmeldungen von interessierten KMU-Vertretern waren ausgezeichnet», sagt Dieter Bamberger, Leiter von Postlogistics.

Nur: Selbst die raffinierteste Logistik und ein Heer von Robotern sind nutzlos, wenn die Kunden die bestellte Ware zur versprochenen Zeit nicht über kurze Wegen abholen können. Darum hat die Post vor, das ganze Land mit mehreren hundert Paketautomaten zu überziehen, wo die Kunden ihre Ware rund um die Uhr abholen können. 15 sind schon in Betrieb, bis Ende Jahr sollen es 40 sein. Konzernchefin Ruoff: «Die Postautomaten sollen überall dort stehen, wo viele Leute unterwegs sind: an Bahnhöfen, in Einkaufszentren oder auch zentral gelegenen Poststellen.» In der Zentralschweiz gibt es erst einen Yellow-Cube-Paketautomaten, er steht seit wenigen Wochen in Kriens. Dieter Bamberger, Leiter von Postlogistics: «Ich rechne damit, dass wir in diesem Jahr in der Zentralschweiz etwa zehn Paketautomaten aufstellen.» Es handelt sich dabei um schliessfachähnliche Abholstellen mit Fächern in unterschiedlichem Ausmass für grössere und kleinere Pakete.

In Poststellen, SBB-Bahnhöfen oder Tankstellen hat die Post bereits 700 Pick-Post-Abholstellen eingerichtet. An vielen dieser Abholstellen lässt sich die Ware nur während der Öffnungszeiten abholen.

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