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PANAMA PAPERS: Die Rache des Jérôme Kerviel

Die französische Grossbank Société Générale gerät in den Sog der Panama Papers. In der Schweiz verfolgt man den Fall sehr genau.
Stefan Brändle, Paris
Der ehemalige Börsenhändler Jérôme Kerviel könnte von den Panama-Papers-Enthüllungen profitieren. Die Aufnahme zeigt ihn bei seiner Entlassung aus dem Gefängnis im Jahr 2014. (Bild: Keystone/Christophe Ena)

Der ehemalige Börsenhändler Jérôme Kerviel könnte von den Panama-Papers-Enthüllungen profitieren. Die Aufnahme zeigt ihn bei seiner Entlassung aus dem Gefängnis im Jahr 2014. (Bild: Keystone/Christophe Ena)

Stefan Brändle, Paris

Er wünsche der Société Générale eine «ganz schöne Woche», twitterte Jérôme Kerviel am Montag, als die ersten Details der Panama Papers bekannt wurden. Der Kommentar war sehr sarkastisch gemeint: Der ehemalige Börsenhändler der SocGen ahnte schon, was auf die Pariser Grossbank zukommen würde.

979 Offshore-Firmen

Wie die Pariser Zeitung «Le Monde» berichtete, gehört die Société Générale zu den fünf westlichen Banken, die am intensivsten Kontakt mit der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca pflegten: Die Pariser Grossbank soll über diese Adresse 979 Firmen gegründet haben – und von den Geschäftspartnern in Panama City richtiggehend «gehätschelt» worden sein, wie das Pariser Blatt schreibt.

Bloss taucht dieses Offshore-Geschäft laut «Le Monde» «in keiner Firmenmitteilung, keinem Jahresbericht» auf. Was noch gravierender scheint: Bei einer Senatsanhörung im Jahr 2012 hatte SocGen-Vorsteher Frédéric Oudéa ausgesagt, sein Unternehmen betreibe in Panama und ähnlichen Finanzzentren keine Niederlassung, ja «keine Aktivitäten».

Bankdirektor unter Druck

In Paris werfen nun mehrere Politiker und Medien dem SocGen-Chef vor, er habe die Parlamentskommission angelogen. Die Bank stellt das in Abrede. Oudéa erklärte etwas umständlich, er könne seine Kunden nicht daran hindern, in Panama Briefkastenfirmen zu eröffnen; derzeit existierten aber nur noch «einige Dutzend», und die lauteten nicht auf den Namen der Société Générale.

Kerviel erklärte hingegen in einem Interview, seine Trading-Abteilung habe über die Luxemburger Niederlassung der Société-Générale-Bank and -Trust selber Panama-Geschäfte abgewickelt. Über Twitter fragte er maliziös: «Meineid vor einer Untersuchungskommission des Senats – wie geht das übrigens, Frédéric Oudéa?» Die Frage verhallte nicht ungehört. Die Senatskommission will den Bankdirektor nun erneut vorladen und prüft, ob Oudéa wegen Meineids belangt werden sollte – darauf gibt es in Frankreich bis zu drei Jahre Gefängnis.

Ungleiche Ellen

Die Bank bleibt aber dabei, sie habe in «totaler Transparenz» gehandelt. Sie geht in den Gegenangriff über und kündigt Verleumdungsklage gegen Kerviel, dessen Anwalt und andere Personen an. Das ist möglicherweise genau das, was Kerviel anstrebt. Der bretonische Ex-Trader war 2010 selber zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt worden: Er hatte für die SocGen durch teilweise verdeckte Operationen 4,9 Milliarden Euro in den Sand gesetzt. Bis heute ist umstritten, wie weit die Bank darüber im Bild war. Kerviels Anwalt behauptet, er habe neue Zeugen gefunden, die bestätigen, dass die Hierarchie von den Machenschaften seines Klienten «gewusst» habe. Er strengt daher einen neuen Prozess an. Im März hat das angerufene Gericht den mit Spannung erwarteten Entscheid vertagt.

Kerviel hat natürlich alles Interesse, dass sein Arbeitgeber der Lüge bezichtigt wird – und dass ein Gericht diesen Vorwurf abklären muss. Aus diesem Grund befleissigt er sich keinerlei Zurückhaltung und bezeichnet seine frühere Bank sogar als «Wiederholungstäterin», die bei weitem nicht nur in Panama Offshore-Geschäfte betreibe, auch wenn sie das bestreite.

Sehr genau werden die Enthüllungen rund um die SocGen in Zürich verfolgt: Bei der UBS wundert man sich seit langem, dass sie von der französischen Justiz wegen Beihilfe zur Steuerflucht sehr hart angepackt wird, während Pariser Geldinstitute unbehelligt bleiben. Wenn die Angaben der Panama Papers zutreffen, hatte die HSBC 2300 Offshore-Firmen gegründet, die UBS 1100 und die SocGen 979. Angesichts dieser Zahlen fragen sich heute auch Pariser Medien, warum die französischen Untersuchungsrichter nur gegen HSBC und UBS ermitteln.

Strafanzeige gegen unbekannt

Siemenssda. Nach den Enthüllungen über Briefkastenfirmen im Ausland hat der deutsche Konzern Siemens Strafanzeige gegen unbekannt bei der Münchner Staatsanwaltschaft gestellt. Es gehe darum, dem Unternehmen bisher nicht bekannte Sachverhalte aufzuklären, erklärte Siemens gestern. Hintergrund sind Berichte über in Panama gegründete Briefkastenfirmen, über die etwa Politiker Geld versteckt haben sollen. Demnach soll sich auch ein Zusammenhang mit dem Schmiergeldskandal bei Siemens ergeben haben. Bei Siemens waren über ein System schwarzer Kassen rund 1,3 Milliarden Euro an Schmiergeld geflossen, das zur Erlangung von Aufträgen im Ausland eingesetzt worden sein soll. Der Skandal war 2006 aufgeflogen.

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