Pandemie macht Swatch schwer zu schaffen: der Uhrenhersteller schreibt erstmals rote Zahlen

Das Coronavirus hat dem Bieler Weltunternehmen mächtig zugesetzt. Der Umsatz bricht im ersten Halbjahr um 43 Prozent ein. Hinzu kommt ein erstmaliger Verlust von 308 Millionen Franken.

Daniel Zulauf
Drucken
Teilen
Swatch-Chef Nick Hayek hätte sich nie vorstellen können, dass er seine Betriebe per Regierungsbeschluss schliessen muss.

Swatch-Chef Nick Hayek hätte sich nie vorstellen können, dass er seine Betriebe per Regierungsbeschluss schliessen muss.

Alex Spichale

«Ich bin eigentlich ein kreativer Typ und habe normalerweise viel Fantasie. Aber ich habe nie gedacht, dass wir in einer freien Welt per Regierungsbeschluss gezwungen werden könnten unsere Betriebe zu schliessen.» In einer Videobotschaft aus dem Bieler Hauptsitz zeigte Swatch-Chef Nick Hayek heute Morgen die Verwüstungen, welche die Pandemie im ersten Halbjahr beim weltgrössten Uhrenherstellers verursacht hat.

In Zahlen ausgedrückt heisst das: 1,9 Milliarden Franken weniger Umsatz (-43 Prozent), 723 Millionen Franken weniger Gewinn, ein erstmaliger Verlust von 308 Millionen Franken und ein Wertverlust des Konzerns an der Börse im Umfang von über 3,5 Milliarden Franken. Das Coronavirus hat dem Bieler Weltunternehmen in der Tat mächtig zugesetzt. Über 80 Prozent aller Geschäfte, in denen die Firma ihre Zeitmesser verkauft hätten, mussten in den vergangenen Monaten mindestens vorübergehend geschlossen werden. Aktuell sind von den über 2000 eigenen Läden des Konzerns noch deren 260 zu. Darunter befinden sich gemäss Hayek auch viele «cK»-Stores, die möglicherweise nie mehr aufmachen werden. Die Swatch Group hatte bereits im Oktober das Ende der Zusammenarbeit mit dem Modelabel Calvin Klein angekündigt.

Eindrückliche Zahlen zeigte Hayek zum Umsatzverlauf in dem für die Swatch Group wichtigsten Einzelmarkt China. Nach zweistelligen Wachstumsraten im Jahr 2019 brachen die Verkäufe in den eigenen Läden im Zug des Lockdowns im Februar fast vollständig ein (-83 Prozent). Ebenso spektakuläre verlief aber auch die Gegenbewegung nach der Öffnung. Seit Mai nehmen die Direktverkäufe im Reich der Mitte um 60 Prozent bis mehr als 70 Prozent zu – im Vergleich zu durchaus wachstumsstarken Vorjahresmonaten, nota bene.

Starke Erholung im zweiten Halbjahr erwartet

Deutlich langsamer erholen sich dagegen die Verkäufe im Grosshandel. Die von der Swatch Group zu beliefernden Uhrenhändler sitzen offensichtlich noch immer auf erheblichen Lagerbeständen. Daher nehmen die Bestellungen erst seit Juni wieder zaghaft zu. Andere Märkte wie die USA oder Europa befinden sich im Vergleich zu China noch einige Monaten im Rückstand, sodass die Erholung der Verkäufe bei der Swatch Group im Verlauf der nächsten Monaten an Dynamik gewinnen sollte.

Das Unternehmen rechnet mit einem «starken» zweiten Semester und «mit einem positiven Betriebsergebnis fürs Gesamtjahr». Um dieses Ziel zu erreichen muss der Konzern in den sechs Monaten bis zum Jahresende betrieblich mindestens 327 Millionen Franken verdienen. Das scheint mit Blick auf das zweite Halbjahr 2019 (476 Millionen Franken) kein allzu schwieriges Unterfangen darzustellen. Doch dieser Eindruck täuscht. Die Swatch Group wird auch im zweiten Semester weit weg von ihrem normalen Umsatzniveau bleiben, was in der Produktion selbstredend deutlich höhere Stückkosten bedeutet.

Mehr zum Thema