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PARADISE PAPERS: Offshore-Aktivitäten von Glencore: Public Eye fordert Untersuchung

Im Zuge der Veröffentlichung der Paradise Papers ist auch der Rohstoffkonzern Glencore ein Thema. Dieser soll durch Korruption an günstige Lizenzen gekommen sein. Der Konzern dementiert dies. Doch nun werden Konsequenzen gefordert.
Christopher Gilb
Das Kobalt- und Kupferbergwerk im kongolesischen Kolwezi, das zu Glencores Katanga Mining gehört. (Bild: Simon Dawson/Getty (1. August 2012))

Das Kobalt- und Kupferbergwerk im kongolesischen Kolwezi, das zu Glencores Katanga Mining gehört. (Bild: Simon Dawson/Getty (1. August 2012))

Christopher Gilb

Der Rohstoff-Multi Glencore mit Sitz in Baar kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen raus. Erst diesen Sommer stellten Nichtregierungsorganisationen (NGO) einen sogenannten Schattenbericht vor, in dem sie Glencore diverse Umweltverstösse vorwerfen. Dann erschien der Film «Trading Paradise», in dem ebenfalls die Nachhaltigkeit der Aktivitäten Glencores in Frage gestellt wird –und jetzt die Paradise Papers.

Von den 1,4 Terabyte Daten der Kanzlei Appleby auf den Bermudas, die auf Offshore-Geschäfte spezialisiert ist, die das Recherchenetzwerk ICIJ auswertete, betreffen allein 30 000 Dokumente Glencore. Laut «Tages-Anzeiger» habe Appleby direkt gegenüber der Damentoilette eigens ein Zimmer eingerichtet, das man den «Glencore Room» nennt. Ein Grossteil der Enthüllungen betrifft die Aktivitäten Glencores im Kongo. Deren Schürf-Firma Katanga soll dort wertvolle Kupfer- und Kobalt-Minenlizenzen über den international der Korruption verdächtigten israelischen Mittler Dan Gertler auffällig günstig erworben haben. Damit seien dem armen Land Hunderte Millionen Dollar entgangen. Zudem macht sich, wie der Wirtschaftsrechtsexperte David Zollinger im «Tages-Anzeiger» feststellte, nach Schweizer Recht strafbar, wer jemandem für eine Bestechung Vermögenswerte zur Verfügung stellt – selbst wenn er keinen direkten Auftrag dafür gibt. Auf Anfrage dazu schreibt die Bundesanwaltschaft, dass man von der Berichterstattung über die Paradise Papers Kenntnis genommen habe und als Strafverfolgungsbehörde des Bundes die Entwicklung insbesondere im Hinblick auf mögliche Delikte, die allenfalls in die eigenen Zuständigkeitsbereiche fallen könnten, beobachte.

Politische Reaktion gefordert

Die NGO Public Eye, die sich schon länger mit Glencore beschäftigt, fordert gar eine politische Reaktion in der Schweiz. «Es braucht eine Untersuchung in Bezug auf die Verbindungen zwischen Glencore und Gertler», sagt der Pressesprecher Oliver Classen. «Vor allem, nachdem Gertler in den USA unter Korruptionsverdacht steht.» Letztes Jahr bekannte sich gemäss der ­Rechercheure die Tochterfirma eines US-Hedgefonds in einem Deal mit der Staatsanwaltschaft der Korruption schuldig. Darin sei die Rede von einem involvierten israelischen Geschäftsmann. Zwar wird dessen Name nicht genannt, jedoch die Firma, die er kontrolliert. Sie gehört Gertler. Dieser weist alle Anschuldigungen bezüglich Korruption zurück. Überrascht, so Classen, hätten ihn höchstens die Dimension der Offshore-Aktivitäten Glencores. «Es ist aber bekannt, das Glencore vor solchen Hochrisiko-Deals nicht zurückschreckt.» Auch die SP Schweiz hat auf die Enthüllungen reagiert. «Die Recherchen zu den Paradise Papers zeichnen ein erschreckendes Bild von Korruption, Steuerhinterziehung und Ausbeutung. Einmal mehr ist die Schweiz mittendrin, als Firmensitz und Drehscheibe im Rohstoffhandel», schreibt sie. Auch in Zug geben die Enthüllungen zu reden: Die Partei Alternative – die Grünen Zug zeigt sich in einer Mitteilung entsetzt, aber nicht überrascht. «Zuger Rohstoff-Multis beuten die Dritte Welt aus – unter anderem über Steuerschlupflöcher. Allerdings ist dabei zu betonen, dass Zug selber ein solches ist.» Helfen würde aus ihrer Sicht die Konzernverantwortungs-Initiative. Auch eine Interpellation an den Zuger Regierungsrat zum Thema hat die Partei bereits eingereicht. Sie will unter anderem wissen, was die Haltung des Regierungsrates zu den Paradise Papers und deren Zuger Zusammenhänge ist.

Zuger Regierungsrat sieht Bahamas in der Pflicht

Einen Reputationsschaden für den Kanton Zug erwartet der zuständige Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel aufgrund der Faktenlage derzeit jedenfalls keinen. Es handle sich um Verdächtigungen, und die Behörden des Kantons Zug würden nicht zu den verdächtigten Personen gehören, sagt er auf Anfrage. «Ich erwarte, dass auf den Bahamas – immerhin ein Übersee-Gebiet von Grossbritannien – die entsprechenden Gesetze durchgesetzt und nötigenfalls die entsprechenden Verfahren durchgeführt werden. Erst dann zeigt sich, ob und wo Handlungsbedarf besteht.» Von der Gemeinde Baar ist nichts zu hören. Gemeindepräsident Andreas Hotz ist diese Woche abwesend und sein Vize Paul Langenegger sagt, noch nichts vom Thema zu wissen, aber auch zu solchen Fragen keine Stellung zu nehmen.

Gestern verschickte dann auch Glencore eine Stellungnahme. Laut Glencore trifft es zu, dass die staatliche Minenfirma für die Lizenzen zwischen 200 und 585 Millionen Dollar verlangte. Doch Katanga habe «erfolgreich» auf der Zahlung von 140 Millionen Dollar insistiert. Diese Summe ist laut Glencore aber vereinbart worden, bevor Gertler seine Vermittlungsaufgabe übernommen habe.

Ebenfalls kritisch wurde über einen 45-Millionen-Dollar-Kredit der Glencore Finance in Bermuda an eine Firma von Gertler berichtet – kurz nachdem der Preis gedrückt wurde. Dieser sei zu geschäftsüblichen Bedingungen gesprochen worden und mit professionellem Abstand verhandelt worden, heisst es in der Glencore-Stellungnahme dazu. Glencore habe seine auf den Bermudas ansässigen Gesellschaften mit Ausnahme von drei Gesellschaften unlängst in den Hauptsitz in der Schweiz oder ins Vereinigte Königreich verlegt.

Könnten diese Enthüllungen einen Einfluss auf den Börsenkurs Glencores haben? Einen solchen erwartet Analyst Daniel Benz von der Zürcher Kantonalbank nicht. «Einen solchen gibt es erst auf Fakten.» Es werde jetzt erst einmal abgewartet, wie es weiter gehe.

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