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PARIS/BAAR: Saint-Gobain-Chef geht in die Offensive

Im Sika-Streit meldet sich Saint-Gobain-Chef Pierre-André de Chalendar mit einem offenen Brief. Darin unterstreicht er seine früher gemachten Versprechen.
Ernst Meier
Pierre-André de Chalendar beim Treffen mit unserer Zeitung im Februar diese Jahres in Lucens. (Bild Eveline Beerkircher)

Pierre-André de Chalendar beim Treffen mit unserer Zeitung im Februar diese Jahres in Lucens. (Bild Eveline Beerkircher)

«Die Zukunft von Sika ist innerhalb der Saint-Gobain-Familie in besten Händen.» Mit diesem Satz schliesst Pierre-André de Chalendar seinen offenen Brief an «Aktionäre, Mitarbeitende, Kunden, Lieferanten und weitere Interessenvertreter von Sika». Nachdem an der GV vom 14. April der Verwaltungsrat die Stimmenmehrheit der Erbenfamilie von den ursprünglich gut 53 auf unter 5 Prozent beschränkte, bleibt die geplante Übernahme von Sika durch Saint-Gobain blockiert. Gibt keine der zerstrittenen Parteien nach, bleibt nichts anderes übrig, als ein rechtskräftiges Urteil zur Sache abzuwarten. Das kann laut Experten noch zwei Jahre dauern.

Kein Angebot an andere Aktionäre

Jetzt geht Saint-Gobain-CEO und Verwaltungsratspräsident de Chalendar in die Offensive. Mit seinem offenen Brief wolle er die Umstände und seine Absichten «als zukünftiger Sika-Aktionär besser verständlich machen», schreibt er: «Seit 1937 ist Saint-Gobain in der Schweiz auf Wachstumskurs.» Pierre-André de Chalendar erwähnt die hiesigen Unternehmen Vetrotech, Sanitas Troesch, Rigips, Weber-Marmoran und Isover, die «alle Mitglieder der Saint-Gobain-Familie sind und in der Schweiz rund 2000 Mitarbeiter beschäftigen». Sika sei ein erstklassiges Unternehmen, dessen Wachstumsstrategie mit Saint-Gobain noch erfolgreicher werden könne.

Den Angestellten versichert der Franzose: «Es ist unsere klare Absicht, weder Entlassungen von Sika-Mitarbeitenden noch irgendwelche Restrukturierungen aufgrund unseres Kaufs vorzunehmen.» Sika soll weiterhin als eigenständiges Unternehmen an der Schweiz Börse kotiert bleiben. «Wir haben auch keinerlei Absichten, die ausstehenden Sika-Aktien zu erwerben.» Den Publikumsaktionären sichert de Chalendar zu, «dass Geschäfte zwischen Saint-Gobain und Sika auf einer fairen Grundlage abgewickelt werden und der Zustimmung des Sika-Verwaltungsrates unterstehen». Dieser werde «eine starke unabhängige Vertretung aufweisen», schreibt der Franzose weiter. Er betont, dass die Transaktion langfristig zum Vorteil von allen Beteiligten sei.

Das drei A4-Seiten umfassende Dokument aus Paris ist nicht der erste offene Brief im Sika-Streit. Am 20. März haben sich bereits 14 National- und Ständeräte in einem gemeinsamen Schreiben an Pierre-André de Chalendar und die Erbenfamilie Burkard gewandt. Eine Woche später gab es einen Brief, verfasst von mehreren grossen Baustoffhändlern an die drei Parteien Burkard, Sika und Saint-Gobain. Die schriftlichen Schlichtungsversuche lösten bei den Angesprochenen jeweils nicht viel mehr als ein Schulterzucken aus. Auch der Vorschlag eines «runden Tisches» führte die Streitparteien nicht zusammen. Niemand will von der eigenen Position abrücken.

Keine neuen Fakten

Pierre-André de Chalendar, der ursprünglich Mitte 2015 den Sika-Kauf abschliessen wollte, verstärkt nun die eigene Offensive deutlich. So hat das französische Unternehmen ein Gutachten erstellen lassen. Dieses soll die industrielle Logik der Übernahme aufzeigen (siehe unsere Ausgabe vom 2. Mai). Im juristischen Streit um die Stimmrechte und die Kontrolle im Sika-Verwaltungsrat bleibt de Chalendar nur die Rolle des Zuschauers. Die Burkards sind gezwungen, gerichtlich abzuklären, ob es zulässig ist, dass sie ihre in der Familiengesellschaft Schenker-Winkler-Holding gehaltenen Stimmrechtsaktien mit allen Rechten und Pflichten an Saint-Gobain abtreten können. Derzeit beschäftigt sich das Obergericht Zug mit der Rechtsfrage. Gleichzeitig hat die Familie die GV-Entscheide, die am 14. April ohne ihre Stimmenmehrheit zu Stande kamen, angefochten.

Der offene Brief aus Paris beinhaltet keine neuen Fakten. Entsprechend äusserte sich der Saint-Gobain-Chef bereits im Interview mit unserer Zeitung vom 21. Februar. Zusammen mit dem vorletzte Woche präsentierten Parteigutachten zeigt es aber: Pierre-André de Chalendar will nicht einfach zusehen, was zwischen Sika, den Burkards und den Gerichten passiert. Dem Saint-Gobain-Chef eilt es.

Ernst Meier

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