Einkaufstourismus

Parlamentarier wollen Shopping im Euroraum weniger attraktiv machen

Allein im Monat Dezember gehen den hiesigen Detailhändlern zwischen 400 und 600 Millionen Franken verloren, weil so viele Schweizer lieber ennet der Grenze shoppen.

Karen Schärer
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Einkaufstourismus in Deutschland

Einkaufstourismus in Deutschland

Keystone

Diese Schätzung äussert Thomas Rudolph, Professor an der Universität St.Gallen, gegenüber dem «Sonntag». Gesamthaft dürften durch den Einkaufstourismus im Jahr 2011 2 bis 3 Milliarden Franken in den Kassen ausländischer Einzelhändler landen. Damit haben die Umsätze im Ausland neue Rekordhöhen erreicht. Der tiefe Eurokurs, die Freigrenze von 300 Franken, die grosse Kapazität der Parkplätze bei deutschen Einkaufszentren: All dies macht Weihnachtsshopping im Ausland attraktiv. Zu attraktiv, finden Schweizer Politikerinnen und Politiker.

Als Direktor des Gewerbeverbands Basel-Stadt ist FDP-Nationalrat Peter Malama besonders sensibilisiert für das Thema. Höchstpersönlich verteilte er Flyer an Autofahrer, die vor dem Zoll Richtung Deutschland warten mussten. «Mit diesem sympathisch aufgemachten Flyer haben wir den Wirtschaftskreislauf aufgezeigt», sagt Malama. Ob die Kampagne Wirkung zeigte und die Einkaufstouristen beim nächsten Shoppingtrip in der Schweiz blieben, weiss Malama nicht.

Freigrenze von nur 100 Franken

Malama hofft auch auf Interventionen durch den Bund, um den Abfluss der Schweizer Franken ins Ausland zu bremsen. «Ich habe bei Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann die Forderung deponiert, die Freigrenze von heute 300 auf 100 Franken zu reduzieren», sagt Malama. Er ist der Ansicht, dass der Bundesrat eine Anpassung des Freibetrags auf dem Verordnungsweg erlassen könnte, also ohne das Parlament einzubeziehen.

«Bei einem Freibetrag von nur 100 Franken könnte man an der Grenze nicht mehr einfach durchfahren. Jeder müsste anhalten und Belege vorweisen», sagt Malama. Es brauche deshalb mehr Zöllner und mehr mobile Einheiten des Grenzwachtkorps, die an der grünen Grenze kontrollieren. Ähnlich argumentiert der Solothurner Pirmin Bischof (CVP), Mitglied der Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerats: «Seit der Reduktion der Grenzkontrollen wird lascher kontrolliert. Man muss die Kontrolltätigkeit im für den Einkaufstourismus wichtigen Monat Dezember so durchführen, dass das geltende Recht durchgesetzt wird.»

«Wir können nicht jeden kontrollieren»

Dass man die Grenzübergänge leicht unbehelligt passieren kann, berichtet auch Susanne Leutenegger Oberholzer (SP/BL), die in Augst 50 Meter neben der Grenze wohnt. Strengere Kontrollen sind auch für sie denkbar. Für sie ist aber zentral, dass es rasch zu einer Korrektur des Frankenkurses kommt. «Man muss den Druck auf die Nationalbank erhöhen», fordert sie. Gleichzeitig will sie gegen die Hochpreisinsel Schweiz kämpfen.
Wenige hundert Meter von der deutschen Grenze entfernt lebt auch der Schaffhauser SVP-Ständerat Hannes Germann. «Wir können nicht jeden kontrollieren und die Grenzen dichtmachen», sagt er. «Aber es kann doch nicht sein, dass der Schweizer Konsument, der in der Schweiz einkauft, gegenüber demjenigen diskriminiert wird, der im Ausland einkauft.» Germann fordert Massnahmen, damit die Mehrwertsteuer der Schweiz nicht verloren geht.