PARMALAT-PROZESS: Keine Geldwäscherei: Milchweisse Weste für italienischen Banker

Im Zusammenhang mit dem Parmalat-Crash musste sich ein italienischer Manager und Ex-Banker vor dem Bundesstrafgericht für Geldwäscherei in grossem Stil verantworten.

Gerhard Lob, Bellinzona
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Der freigesprochene Luca S. (Mitte) verlässt mit seinen Verteidigern das Bundesstrafgericht. (Bild: Keystone/Tatiana Scolari)

Der freigesprochene Luca S. (Mitte) verlässt mit seinen Verteidigern das Bundesstrafgericht. (Bild: Keystone/Tatiana Scolari)

Gerhard Lob, Bellinzona

wirtschaft@luzernerzeitung.ch

Freudestrahlend verliess Luca S. gestern in Begleitung seiner drei Anwälte das Bundesstrafgericht in Bellinzona. Am Nachmittag war der ehemalige Manager der Mailänder Filiale der Bank of America von gravierenden Vorwürfen wie qualifizierter Geldwäscherei, mehrfacher aktiver Bestechung und Betrug freigesprochen worden. Im Zusammenhang mit einer älteren Anklage aus einem Rückweisungsurteil des Bundesgerichts erhielt der 53-jährige Italiener einzig für Anstiftung zur Urkundenfälschung eine Geldstrafe von 30 Tagsätzen à 90 Franken, bedingt ausgesetzt auf zwei Jahre.

Im Gegenzug anerkannte das Gericht eine Entschädigung von 21000 Franken als Genugtuung für den erlittenen Schaden. «Ich bin froh, vor allem, wenn ich bedenke, was man 14 Jahre lang mit mir gemacht hat», sagte Luca S. sichtlich erleichtert nach dem Urteil. Er war unter anderem aufgrund eines internationalen Haftbefehls in Slowenien verhaftet und an die Schweiz ausgeliefert worden. Er verbrachte fast fünf Monate in Untersuchungshaft, zuerst in Bern, dann in Lugano.

Seine Unschuld hatte er stets beteuert. Doch die Bundesanwaltschaft (BA) war überzeugt, dass der in Mailand beheimatete Italiener von 2000 bis 2004 in der Schweiz, insbesondere in den Kantonen Tessin und Graubünden, aber auch im Fürstentum Liechtenstein, nicht weniger als 85 Millionen Franken gewaschen hat. Die Gelder rührten laut BA von Unterschlagungen her, die mit anderen Personen zum Schaden des 2003 Konkurs gegangenen italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat begangen wurden. Die BA beantragte bei der Hauptverhandlung im vergangenen Dezember vier Jahre Gefängnis.

Kein bandenmässiges Verhalten festgestellt

Anders das Gericht unter Vorsitz von Giuseppe Muschietti. Zum einen liess sich der Vorwurf der qualifizierten Geldwäscherei nicht aufrechterhalten, weil kein bandenmässiges Verhalten festgestellt werden konnte. Die aufgelisteten Geldwäschereifälle waren somit verjährt. Zum anderen hätte Luca S. in keiner Weise annehmen können, dass die von ihm verwalteten beziehungsweise investierten Gelder aus krimineller Herkunft stammten.

Für die BA ist dieses Urteil mit Sicherheit bitter. Die 88 Seiten umfassende Anklageschrift hatte vor Gericht keinen Bestand. Der zuständige Bundesstaatsanwalt Stefano Herold erklärte gestern, eine Beschwerde vor Bundesgericht sei wahrscheinlich. Blockiert bleiben damit vorerst auch 10 Millionen Franken, die beschlagnahmt worden waren. Erst wenn das Urteil rechtskräftig ist, können die Gelder freigegeben werden. Für Manager Luca S. ist der ­Leidensweg noch nicht ausgestanden. Er muss sich auch in Parma wegen einer angeblichen Mitschuld am betrügerischen Konkurs von Parmalat verantworten.