Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SBB plant Umzug ihrer Werkstatt im Tessin: Fulvio Pelli mobilisiert gegen das Vorhaben

Der einstige FDP-Präsident Fulvio Pelli ruft dazu auf, ein allfälliges Referendum gegen den ausgewählten Standort für die SBB-Werkstätten im Südkanton zu unterstützen.
Gerhard Lob, Bellinzona
Die SBB-Werkshallen im Tessin werden zum Politikum. (Bild: Gabriele Putzu/Keystone Bellinzona, 3. Februar 2017)

Die SBB-Werkshallen im Tessin werden zum Politikum. (Bild: Gabriele Putzu/Keystone Bellinzona, 3. Februar 2017)

Der Tonfall im Streit um den neuen Standort der SBB-Werkstätten im Tessin wird schärfer. Und national bekannte Politiker machen gegen die Strategie der Bundesbahnen mobil. Bei einem Treffen von Gemeindevertretern der Region Tre Valli – Leventina, Blenio, Riviera – rief der ehemalige FDP-Präsident Fulvio Pelli diese Woche dazu auf, ein Referendum zu unterstützen, falls der Grosse Rat einen Kredit von 100 Millionen Franken für den Standort Castione sprechen sollte.

Der Standort Castione – nur wenige Kilometer nördlich von Bellinzona – ist von den SBB in einem Evaluationsverfahren als ideal erachtet worden. Bis 2026 soll dort das neue und moderne Industriewerk entstehen, um Triebzüge zu warten. An der Operation zur Verlegung des Werks mit Gesamtinvestitionen von 360 Millionen Franken sollen sich die Stadt Bellinzona mit 20 und der Kanton Tessin mit 100 Millionen Franken beteiligen. Dafür erhalten sie einen Teil des Areals. Der Gemeinderat von Bellinzona hat den Kredit bereits gesprochen. Im Grossen Rat wird der Kreditantrag momentan von der vorberatenden Kommission beraten. Die SBB hatten die Option zur Nutzung des Geländes der ehemaligen Stahlfabrik Monteforno bei Bodio geprüft, doch der Standort war nur auf dem zweiten Rang gelandet. Die Anrainergemeinden wollen dies nicht schlucken, zumal das Monteforno-Gelände schon für industrielle Tätigkeiten vorgesehen ist und über einen Gleisanschluss verfügt. In Castione hingegen müssen unter anderem fast 80000 Quadratmeter Agrarfläche enteignet und umgezont werden. Da es sich um wertvolle Fruchtfolgeflächen handelt, hat der kantonale Bauernverband (UCT) bereits mit dem Referendum gedroht.

Eine Never-Ending-Story hat kein Happy End

Anwalt Pelli, der als juristischer Berater für die Gemeinden der unteren Leventina tätig ist, spricht von einem skandalösen Entscheid, weil er Randregionen ausschliesse. «Hinter der Option Castione gibt es einen klaren politischen Willen, das nördliche Tessin von der wirtschaftlichen Entwicklung abzukoppeln und ganz auf das goldene Dreieck Bellinzona-Locarno- Lugano zu setzen», sagte Pelli bei der Versammlung. Dies sei inakzeptabel. Kritik mussten die SBB auch von CVP-Nationalrat Fabio Regazzi einstecken, der die SBB-Strategie eine «Provokation» nannte. Regazzi, Mitglied der nationalrätlichen Verkehrskommission, warf den SBB zudem «mangelnde Transparenz» vor.

Die SBB hatten ihre Wahl stets verteidigt und jüngst ein ausführliches und detailliertes Argumentarium vorgelegt, warum Castione die beste Option sei. Für den Standort Monteforno fielen 46 Millionen Franken an Mehrkosten an. Dabei falle unter anderem die Überführung der S-Bahn-Züge Tilo vom Knotenpunkt Castione bis ins 23 Kilometer nördlich gelegenere Bodio ins Gewicht.

Genau zehn Jahre nach dem historischen Streik in den SBB-Werkstätten von Bellinzona lauert folglich in er Südschweiz neues Ungemach für SBB-Chef Andreas Meyer. Im August sagte er wörtlich: «Wir müssen aufpassen, dass sich keine Never-Ending-Story entwickelt, denn dann könnte es kein Happy End geben.» Sollte das Projekt nicht innert angemessener Zeit umgesetzt werden können, müssten die SBB auch Standorte ennet des Gotthards prüfen. Politiker wie Pelli und Regazzi vertreten die Meinung, sich vom SBB-Chef nicht einschüchtern zu lassen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.