SBB: Pendler müssen bis 2020 stehen
Pendler müssen noch bis 2020 stehen

Die SBB sind Opfer ihres eigenen Erfolgs. Die Züge sind in Stosszeiten randvoll. Die Probleme sind längst erkannt, doch die Umsetzung dauert zu lange.

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Aargauer Zeitung

Irina Kisseloff
Überfüllte Züge, zu wenig Sitzplätze: Das tägliche Leid der Pendler nimmt noch lange kein Ende. Zwar hat gestern das Bundesamt für Verkehr (BAV) zusammen mit den SBB über Projekte informiert, die dereinst die Kapazitäten erhöhen sollen. Doch die Realisierung dieser Projekte liegt noch in sehr ferner Zukunft.

Dabei läuft alles nach Plan. Die baulichen Massnahmen unter dem Titel «Zukünftige Entwicklung der Bahninfrastruktur», kurz ZEB, sollen bis 2025 umgesetzt werden. Baubeginn ist in fünf Jahren. Die Ziele: bessere Anschlüsse, ein dichteres Angebot und Fahrzeitverkürzungen. 5,4 Milliarden Franken stehen dafür zur Verfügung. So hat es das Parlament beschlossen.

Das Problem ist: Das Passagieraufkommen auf dem SBB-Netz hat schon heute die kühnsten Prognosen für die nächsten Jahre übertroffen. Da hilft es auch nicht wirklich, dass nun in einer ersten Phase ZEB-Projekte vorgezogen werden, die die Sitzplatzkapazität erhöhen, während die Reisezeitverkürzungen erst in einer zweiten Phase realisiert werden.

Denn wie gesagt: Die grösseren Kapazitäten werden erst 2025 zur Verfügung stehen. «Das ist zu spät», sagt SBB-Chef Andreas Meyer. Etwas Abhilfe schaffen könnten Vorfinanzierungen durch die Kantone. Dann liessen sich die ersten Verbesserungen allenfalls schon fünf Jahre früher, also 2020, in Betrieb nehmen. Dafür brauchten die SBB möglichst schnell 1,5 bis 2 Milliarden Franken. Positive Signale aus den Kantonen seien zwar vorhanden, sagt SBB-Mediensprecher Reto Kormann: «Doch das Geld ist noch nirgends in Sicht.»

Neue Doppelstöcker erst ab 2013

Vorderhand sind bei den SBB nur punktuelle Verbesserungen möglich, zum Beispiel morgens und abends jeweils ein zusätzlicher Zug. Die Lage etwas entschärfen werden ab 2013 auch 59 neue Doppelstockzüge - vorausgesetzt, dass das Passagieraufkommen die zusätzlichen Kapazitäten nicht übersteigt.

«Die SBB sind derzeit an der grössten Rollmaterialbeschaffung in ihrer Geschichte», sagt Kormann. Ein Doppelstockzug hat 40 Prozent mehr Sitzplätze als ein «normaler» Zug. 2 Milliarden Franken werden in die neuen Züge investiert.

Die Überlastung des Bahnnetzes kann aber erst mit den baulichen Massnahmen im Rahmen von ZEB angegangen werden. Der langsame und der schnelle Verkehr sowie der Personen- und der Güterverkehr müssen streckenweise getrennt werden. So genannte «Entflechtungen» sind im Raum Bern, bei Liestal und zwischen Zürich und Winterthur geplant.

Sie werden ermöglichen, dass die Züge zu Stosszeiten auf der Strecke Zürich-Bern annähernd im Viertelstundentakt verkehren. Zwischen Zürich und St.Gallen sollen es künftig vier Züge pro Stunde sein, wovon deren zwei zwischen Winterthur und St.Gallen nicht anhalten. Und am Wochenende und zu Spitzenzeiten wird es zwischen Zürich und Lugano einen Halbstundentakt geben. Die heutigen Pendler müssen sich aber noch mindestens 10 Jahre gedulden.