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Pensionskasse: Junge müssen selber vorsorgen – und warum ältere Angestellte noch schlechter dastehen

Wenn die Jungen im Alter ähnlich viel Rente erhalten wollen wie die Pensionäre heute, müssen sie schon sehr früh recht viel sparen. Noch schlechter stehen viele ältere Angestellte da. Für sie ist die Zeit zum Sparen knapp.
Rainer Rickenbach
Schwierige Lage für junge Arbeitnehmer: Blick auf das Fliessband der Fritz Studer AG. (Bild: C. Beutler/Keystone, Steffisburg, 16. April 2019)

Schwierige Lage für junge Arbeitnehmer: Blick auf das Fliessband der Fritz Studer AG. (Bild: C. Beutler/Keystone, Steffisburg, 16. April 2019)

Das waren noch Zeiten. Als vor der Finanzkrise die Zinsen noch kräftig sprudelten, waren die Pensionskassen in der Lage, ihre Versicherten mit grosszügigen Altersrenten in den Ruhestand zu schicken. Hatten damals Neurentner in ihrem Berufsleben zum Beispiel 500000 Franken in der zweiten Säule zusammengespart, schauten Monatsrenten von bis zu 2900 Franken heraus.

Über zehn Jahre und eine historische Tiefzinsphase später erhält eine Neurentnerin oder ein Neurentner für die gleiche Sparsumme heute im Mittel noch 2400 Franken. Die Tendenz ist weiter sinkend: Gemäss Prognose der Swisscanto Vorsorge AG sinkt das Rentenniveau der zweiten Säule in den nächsten zwei Jahrzehnten auf ein Niveau, das bei einer halben Million Alterskapital noch gut 2000 Franken monatlich abwirft. Das ist fast ein Drittel weniger als noch vor der Finanzkrise und erlaubt zusammen mit AHV (momentane Maximalrente: 2370 Franken) nach Begleichung der Wohnkosten und Krankenkassenprämien keine grossen Sprünge. Für Ehepaare sieht es nicht besser aus.

So wird die Rente berechnet

Der Umwandlungssatz ist zusammen mit dem angesparten Kapital massgebend für die Höhe der Altersrente. Je höher diese Prozentzahl liegt, desto mehr Rente zahlt die Pensionskasse aus. Ein Beispiel: Liegt der Satz bei 5,8 Prozent, so erhalten Rentner pro 100000 Franken Sparkapital im Jahr 5800 Franken ausbezahlt. Bei einer Sparsumme von 500000 sind es folglich fünfmal mehr, nämlich 29000 Franken. Der bei Beginn des Ruhestands geltende Umwandlungssatz ändert sich nachher nicht mehr. Das garantiert die Rentensicherheit. Für angehende Rentner gibt es keine solche Sicherheit. Mit jeder Senkung des Umwandlungssatzes (Grafik) verschlechtern sich ihre Rentenaussichten. Hatte ein Arbeitnehmer vor zehn Jahren 500000 Franken bei der Pensionskasse angespart, erhielt er dafür im Mittel 33700 Franken pro Jahr. Heute ist es rund ein Fünftel weniger (siehe Grafik). Technisch ist der Ablauf so: Die Pensionskassen senken den technischen Zinssatz für die angehenden Rentnerjahrgänge, mit dem später die Sparkapitalien der Ruheständler verzinst werden. (rr)

Kommt hinzu: Längst nicht jeder Arbeitnehmende ist in der Lage, eine halbe Million bei der Pensionskasse zusammenzusparen. Und was Swisscanto für die beiden nächsten Jahrzehnte voraussagt, ist für nicht wenige Neurentner bereits in den nächsten zwei, drei Jahren Tatsache. Nämlich dann, wenn der für die Rentenhöhe massgebende Umwandlungssatz auf 4,9 Prozent sinkt (siehe Grafik oben). Ursachen für den Rentensinkflug sind die historisch tiefen Zinsen und die steigende Lebenserwartung. Beide Entwicklungen dürften sich in den nächsten Jahren fortsetzen.

Wie Junge steuerbegünstigt sparen können

Was also können die Jungen tun, damit sie im Alter nicht bis zum Umfallen schuften müssen, um sich einen angemessenen Ruhestand leisten zu können? Die Antwort: mehr sparen. «Sie sollten konsequent in die dritte Säule 3a einzahlen», empfiehlt zum Beispiel Tim Zemp, Bereichsleiter beim VZ Vermögenszentrum in Luzern. Zinseinnahmen gibt es zwar auch dafür kaum. Doch mit der freiwilligen dritten Säule lassen sich Steuern sparen, und bei Sparprozessen über Jahrzehnte sorgen Aktienfonds für nicht zu unterschätzende Wertvermehrungen. Dieses Jahr können Pensionskassenversicherte maximal 6826 Franken steuerfrei in die dritte Säule einzahlen. Es lohnt sich aber auch schon bei kleineren Beträgen.

Die meisten Banken bieten spezielle Sparprogramme für junge Erwerbstätige an. Das Start-up Viac hat mit seiner 3a-App ebenfalls junge Sparer im Visier und ist mit seinem kostengünstigen und unkomplizierten Modell recht erfolgreich unterwegs. «Falls die jüngeren Arbeitnehmenden in der Lage sind, noch mehr zu sparen, können sie freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse prüfen oder zusätzliche Reserven mit einem günstigen Sparplan aufbauen», rät Zemp. Freiwillige Einkäufe in die Vorsorgeeinrichtung lassen sich in der Steuererklärung ebenfalls vom Einkommen abziehen.

Reto Siegrist, Geschäftsführer der Swisscanto Vorsorge AG, schlägt den jungen Erwachsenen vor, sich über ihre Pensionskasse schlau zu machen und deren Sparmöglichkeiten auszuschöpfen. Etwa was die Beiträge vor dem Alter 25 oder die Höhe der Sparbeiträge angeht. «Es ist empfehlenswert, die Wahlsparpläne zu nutzen», sagt Siegrist. Viele Pensionskassen bieten zwei oder drei Sparpläne an: Nebst dem üblichen eine Art Superiorlösung, in die man über die normalen Beiträge hinaus steuerfrei mehr einzahlen kann. Auch die zusätzlichen Sparbeiträge werden direkt vom Gehalt abgezogen. Sparempfehlungen hören sich für 20- bis 40-Jährige nicht wirklich sexy an. Doch das sinkende Rentenniveau bei den Pensionskassen ist für ihren Schutz gedacht. Denn würden die Vorsorgeeinrichtungen einfach weiterfahren wie vor der Finanzkrise und üppigere Renten entrichten, käme in Zeiten der Negativzinsen heute kaum mehr etwas von der Rendite bei den Berufstätigen an – die Gewinne müssten fast ausschliesslich in die Finanzierung der Renten fliessen.

Diese systemfremde Umverteilung ist ohnehin schon seit Jahren im Gang. «Ein tiefer Umwandlungssatz hilft klar, die Umverteilung von Beitragszahlern zu Rentnern zu vermindern. Im vergangenen Jahr belief sie sich auch so noch auf rund fünf Milliarden Franken», sagt Siegrist. Es war ein schlechtes Anlagejahr mit Renditeverlusten. Da eine tiefere Verzinsung des Pensioniertenkapitals wegen der Rentensicherheit tabu ist, schmolzen die Schwankungsreserven der Kassen.

Ältere Arbeitnehmende sind in der Zwickmühle

Den Jüngeren bleibt immerhin reichlich Zeit, Geld für das Alter beiseite zu legen. Dümmer ergeht es den heute 55- bis 65-Jährigen. Die meisten von ihnen verfolgten in den zurückliegenden acht Jahren besorgt, wie ihre Pensionskassen via überobligatorischen Bereich Schritt für Schritt die Umwandlungssätze senkten und von ihren künftigen Renten ein beachtlicher Teil dahinschmolz. «Leidtragende ist die Generation vor der Pensionierung. Sie hat keine Zeit mehr, diese Senkung abzufedern», sagt Zemp vom Vermögenszentrum. Zwar helfen ihnen viele Arbeitgeber mit einmaligen Kapitaleinlagen. Doch diese reichen nicht, um den Verlust auszugleichen.

Sowohl Zemp als auch Siegrist warnen indes davor, aus Enttäuschung über den Rentensinkflug und mit Blick auf verlockende Steuerersparnisse leichtfertig das ganze Kapital zu beziehen. Denn wie sollen die Neurentner ihr Geld anlegen? Ohne grosse Risiken gibt es zurzeit kaum Möglichkeiten, mehr Renditen als über die Pensionskassen zu erzielen. «Die Entscheidung sollte man nicht allein von der Steuerersparnis abhängig machen. Wichtig sind auch etwa die Budgetsicherheit oder die Absicherung der Hinterbliebenen im Todesfall», sagt Zemp. Siegrist ergänzt: «Die Kapitalanlage muss individuell auf die persönlichen Bedürfnisse angepasst sein. Wer das Geld beispielsweise schon in den ersten Jahren nach der Pensionierung für den Lebensunterhalt benötigt, sollte keine hohen Risiken eingehen.»

Immerhin hatten die älteren Berufstätigen vor der Finanzkrise lange Zeit von hohen Zinsen profitiert. Kommt hinzu, dass die erfreuliche, versicherungstechnisch aber schwierige wachsende Lebenserwartung für einen Teil von ihnen wenigstens einen Vorteil mit sich bringt: In der Schweiz werden jährlich schätzungsweise mehr als 60 Milliarden Franken vererbt. Und weil die Erblasser oft betagt sind, erben vor allem ältere Berufstätige. Das Problem dabei: Längst nicht alle gehören zu den Nutzniessern.

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