Kolumne
Pensionskassen: Die Eigenverantwortung wird noch wichtiger werden

Pensionskassen stehen vor grossen Problemen - und damit auch Jugendliche, die keinen Sparplan haben.

Maurice Pedergnana
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Maurice Pedergnana.

Maurice Pedergnana.

Die Aktienmärkte nähern sich wieder ihren Höchstwerten. Die optimistischen Signale, welche diesen Aufschwung nähren, sind unübersehbar. Aber in diversen Industrien verharren die Einkaufsmanagerindizes auf einem ernüchternden Niveau. Doch die wirtschaftliche Delle wird bald vorüber sein, und die Aktienmärkte sind in diesem Sinne ausgezeichnete, konjunkturell verlässliche Vorlaufindikatoren. Vielleicht sind inzwischen jedoch manche Marktbewertungen den real verbesserten Aussichten enteilt.

Von den Finanzmärkten erreichen uns auch weiterhin pessimistische Signale. Diese sind vor allem auf den Anleihenmärkten zu beobachten. Aus der Sorge, grosse Kapitalverluste zu erleiden, werden kleinere, garantierte Verluste in Kauf genommen. In der vergangenen Woche hat beispielsweise die Stadt Biel eine achtjährige Anleihe mit 0,0 Prozent Rendite problemlos platzieren können. Noch einfacher war es für die Pfandbriefbank. Innert weniger Minuten war die fünfjährige Anleihe verkauft – notabene mit einer Verzinsung von –0,3 Prozent! Praktisch geht das so: Man zahlt also heute 10 150 Franken ein und bekommt dafür in fünf Jahren 10 000 Franken zurück.

Wieso investiert eine typische Pensionskasse nach diesem Muster? Weil sie aus konjunkturellen Gründen befürchtet, dass die Phase der Negativzinsen noch einige Jahre anhalten wird. Derzeit werden grösseren Bankkunden Negativzinsen von –0,8 Prozent belastet. Das heisst, dass aus 10150 Franken innerhalb von nur fünf Jahren 9750 Franken werden. Allein deshalb erscheint die Anleihe der Pfandbriefbank vergleichsweise «attraktiv».

Für die typische Pensionskasse ist das strukturelle Problem jedoch viel grösser. Sie sind aufgrund ihrer vergangenen Anlagejahre nicht sonderlich gut aufgestellt. Der Deckungsgrad beträgt oftmals gerade 100 Prozent, Wertschwan­kungsreserven sind kaum vorhanden. Deshalb bleiben sie immer noch grösstenteils in Anleihen investiert und nur zu einem verhältnismässig geringen Teil in Aktien. Mir ist eine milliardengrosse Kasse bekannt, die 25 Prozent in Aktien und 75 Prozent in Anleihen investiert. Versicherungstechnisch muss die Kasse jedes Jahr 2,5 Prozent Rendite erzielen, wenn der Deckungsgrad unverändert bleiben soll.

Nun hat die Kasse erneut bestätigt, das Schwergewicht auf sichere Anleihen zu setzen. Über die nächsten acht Jahre resultiert auf diesem Teil garantiert eine Nullrendite. Somit müssen die Aktien den positiven Renditebeitrag leisten. Beim obigen Verhältnis müssten die Aktien in jedem einzelnen der kommenden acht Jahre allerdings 10 Prozent Rendite (!) erzielen – nur damit der Deckungsgrad nicht fällt. Um Wertschwankungsreserven substanziell zu äufnen, müsste die Rendite auf Aktien noch wesentlich höher ausfallen. Das scheint nicht realistisch.

Deshalb wird es in den kommenden Jahren mehr und mehr Pensionskassen geben, die ihre Leistungen werden reduzieren müssen. Umso wichtiger ist, dass jüngere Menschen sich nicht allzu sehr auf ihre Rentenansprüche verlassen und sich einen eigenen Sparplan zurechtlegen. Allerdings sollte dieser umso mehr Aktien beinhalten, je entfernter der Pensionierungszeitpunkt ist.