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PENSIONSKASSEN: Grosse Kassen senken Neurenten

Die ­Vorsorgeeinrichtungen haben zurzeit genügend Kapital ­angehäuft. Doch das täuscht über ihre Probleme hinweg. Nun handelt eine weitere grosse Pensionskasse.
Rainer Rickenbach
Schöne Aussichten: Die Sparsummen der Rentner werden heute mit 2,8 Prozent verzinst. (Bild: Keystone / Gaetan Bally)

Schöne Aussichten: Die Sparsummen der Rentner werden heute mit 2,8 Prozent verzinst. (Bild: Keystone / Gaetan Bally)

Rainer Rickenbach

Auf den ersten Blick machen die Zahlen einen ordentlichen Eindruck. Die privatrechtlichen Pensionskassen präsentieren gemäss dem aktuellsten Kassen-Monitoring von Swisscanto einen durchschnittlichen Deckungsgrad von 110,8 Prozent. Was bedeutet: Für schlechtere Zeiten verfügen sie über ein Reservepolster von fast 11 Prozent. Selbst die öffentlich-rechtlichen Kassen, die eine Vollkapitalisierung anstreben, stehen mit einem Deckungsgrad von 100,7 Prozent bedeutend besser da als auch schon.

Ein Fünftel weniger für Neurentner

Der Deckungsgrad dient als Anhaltspunkt, ob die Vorsorgeeinrichtungen der zweiten Säule heute in der Lage sind, ihren gegenwärtigen und künftigen Rentenverpflichtungen nachzukommen. Es war der Aktienboom der zurückliegenden paar Jahre, der dafür gesorgt hat, dass dies trotz mickrigen und heute sogar negativen Zinsen der Fall ist.

Warum also kürzen grosse Pensionskassen laufend die Renten für künftige Pensionierte? Jüngstes Beispiel ist die Zürcher BVK, die diese Woche bekannt gab, dass die heute 58-Jährigen und jüngere Kantonsangestellte beim Wechsel in den dritten Lebensabschnitt gut einen Fünftel weniger von ihrer Pensionskasse zu erwarten haben. Die BVK senkt die Renditeerwartungen (den technischen Zinssatz) und die Quote, die für die Rentenhöhe massgebend ist (Umwandlungssatz). Mit dem Umwandlungssatz knacken die Zürcher in zwei Jahren sogar die 5-Prozent-Grenze. ­Heute erhält ein Neurentner bei der BVK 6,2 Prozent seiner Sparsumme als Pensionsrente überwiesen. In ein paar ­Jahren werden es bloss noch 4,82 Prozent sein.

Ein Beispiel: Hat ein BVK-Versicherter eine halbe Million Franken auf seinem Pensionskassen-Sparkonto, erhält er dafür heute bei Rentenantritt mit 65 jedes Jahr 31 000 Franken. Mit dem tieferen Umwandlungssatz werden es in ein paar Jahren mit der gleichen Sparsumme nur noch 24 100 Franken sein.

Unrealistische Zinsvorgaben

Die SBB, die Publica der Bundes­angestellten oder die Axa-Winterthur-Versicherung mit ihren zahlreichen KMU-Kunden sind bereits ähnlich ­heftig zurückgerudert wie die BVK. Sie senkten den Umwandlungssatz etappenweise auf fünf Prozent oder knapp mehr und verlangen zum Ausgleich höhere Beiträge. Für die Übergangsjahrgänge gibt es immerhin Abfederungen, meist in Form eines einmaligen Kapital-Zustupfs. Die Rentner sind davon nicht betroffen.

«Die Deckungsgrade mögen ein schönes Bild abgeben. Doch die Herausforderung liegt bei den bestehenden Rentenverpflichtungen. Sie basieren auf zu hohen Umwandlungssätzen», sagt Stephan Wyss, Leiter Personalvorsorge bei Swisscanto. Gleichzeitig machen die historisch tiefen Zinsen und die steigende Lebenserwartung den Kassen zu schaffen.

Zinsen: Die Sparsummen der Rentner werden heute mit 2,8 Prozent verzinst. Diejenigen der jüngeren, arbeitenden Versicherten mit 1,75 Prozent. So ist es vom Bundesrat vorgegeben. Nur: In Zeiten von Negativzinsen ist es für die Kassen schlicht unmöglich, die dafür nötigen Renditen zu erwirtschaften.

Umverteilung: Das Zins-Ungleichgewicht bringt eine unerwünschte Umverteilung mit sich. Die heute Pensionierten gingen unter besseren finanziellen Voraussetzungen in Rente. Um das Rentenniveau für sie halten zu können, entgeht den jüngeren, arbeitenden Versicherten ein Teil der Rendite, der ihnen zusteht. Die Zürcher BVK hat ausgerechnet, dass sich bei ihren 114 000 Ver­sicherten im vergangenen Jahr rund 450 Millionen Franken auf diese Weise von Jung zu Alt verschoben. Axa-­Winterthur schätzt die Summe auf 3,5 Milliarden Franken, die schweizweit systemwidrig den arbeitenden Beitragszahlern entgeht. Anders als bei der AHV soll in einer Pensionskasse aber jeder für sich selbst sparen können.

Lebenserwartung: Die erfreulich steigende Lebenserwartung bringt die Versicherungsmathematiker der Vorsorgeeinrichtungen ins Schwitzen. Denn die Sparsumme muss längere Zeit für die Renten reichen. Heute beziehen die Pensionierten im Durchschnitt über 20 ­Jahre lang Rente. Bei der Einführung der BVG-Pflicht 1985 waren es rund fünf Jahre weniger. Erschwerend kommt hinzu, dass die geburtenstarken Jahrgänge sich nun aus dem Arbeitsleben verabschieden. Für die Kassen bedeutet das: eine schnell steigende Zahl von Rentenempfängern.

Um all das zu stemmen, müssten die Pensionskassen reichlich Renditen machen mit ihren Anlagen. Doch die Renditeaussichten sind getrübt, und die Zinswende lässt auf sich warten.

«Die Kassen sind heute von den ­Finanzmärkten abhängig. Sie brauchen höhere Zinsen und etwas Inflation», sagt Stephan Wyss von Swisscanto. Die Krienser Beratungsfirma S&P Life and Pension AG hat beobachtet, dass die Kassen sich gezwungen sehen, ihr Vermögen breiter abgestützt anzulegen als bis anhin. «Nebst der Erhöhung der alternativen Anlagen setzen viele Pensionskassen trotz der hohen Preise auf Immobilien», sagt S&P-Geschäftsführer André Wyss (Kasten).

Die Immobilien sind gesucht

Die Börse ist unstet, alternative Anlagen sind mit Risiken behaftet und Obligationen bringen so gut wie nichts ein. «Derzeit ist es kaum möglich, mit risikoarmen Anlagen positive Renditen zu erzielen», schreibt die Beratungsfirma KPMG.

Mietwohnungen in den Städten

Ein Rettungsanker für die Pensionskassen im momentan trostlosen Anlageumfeld bieten die Immobilien. Sie garantieren stete Mieteinnahmen, und auch Immobilienaktien sind einträglicher als andere Aktien. Nach den Obligationen und Aktien sind die Immobilien denn auch die Nummer drei der Anlagekategorien, in welchen die Vorsorgeeinrichtungen präsent sind.
Gemäss KPMG entfallen 60 Prozent der Kasseninvestitionen auf Wohnliegenschaften. Mehr als drei Viertel stehen in den grossen Städten und kleineren Zentrumsorten und den dazu gehörenden Agglomerationen. Die Kassen investieren fast ausschliesslich in Schweizer Immobilien.
Wer heute in Häuser und Grundstücke investiert, muss freilich tief in die Tasche greifen. «Fakt ist, dass die Immobilienobjekte teuer sind. Trotzdem beobachten wir, dass viele institutionelle Anleger ihre Immobilienquote erhöhen», sagt André Wyss, Geschäftsführer der Krienser Beratungsfirma S&P Life and Pension AG. Mit Renditen von 4 bis 6 Prozent seien diese Immobilieninvestitionen ergiebig und konstant.

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