Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

PENSIONSKASSEN: Kleine Kassen haben höhere Kosten

Der Verband Asip hausiert mit Zahlen, die zeigen, wie günstig die Kosten für die Vermögens­verwaltung sind. Die Zahlen haben aber einen Haken.
Rainer Rickenbach
Die Kosten für die Verwaltung der Pensionskassengelder geben bei den Rentnern und in der Politik immer wieder zu reden. (Bild: Keystone)

Die Kosten für die Verwaltung der Pensionskassengelder geben bei den Rentnern und in der Politik immer wieder zu reden. (Bild: Keystone)

Die Pensionskassen sahen sich vor vier Jahren heftiger Kritik ausgesetzt: Im Vorfeld der Abstimmung zur Senkung des Umwandlungssatzes* gingen die Gewerkschafter mit der Parole «Rentenklau» erfolgreich auf Stimmenjagd. Ihr Hauptvorwurf: Von den Milliarden Franken Spargeldern versickere viel zu viel bei den Vermögensverwaltungskosten. Banken und Versicherungen verdienten sich an den kollektiven Ersparnissen eine goldene Nase. Einnahmen, die den Kassenversicherten zustehen.

Kassen weisen mehr Kosten aus

Die Pensionskassenbranche hat solche Vorwürfe stets als Polemik abgetan. Nachdem das wuchtige Nein zur Abstimmungsvorlage für sie in ein politisches Debakel ausgeartet war, wies der Bundesrat die Pensionskassenbranche an, die Vermögensverwaltungskosten detaillierter aufzuzeigen. Seit dem vergangenen Jahr sind sie deshalb angewiesen, auch Kosten für indirekte Anlagen wie Fonds, Anlagestiftungen oder börsengehandelte Goldprodukte wie ETFs in den Jahresrechnungen auszuweisen.

Die neuen Kostenangaben nahm der Schweizerische Pensionskassenverband Asip zum Anlass, in einer Umfrage den Verwaltungsvermögenskosten auf den Grund zu gehen. Sein Ergebnis: Der Aufwand dafür liegt im Durchschnitt bei bescheidenen 0,43 Prozent oder 43 Rappen für 100 Franken Pensionskassenspargeld. Um es noch besser zu versinnbildlichen, liess sich der Verband einen Vergleich aus dem Haushaltsalltag einfallen: «Die Kosten sind vergleichsweise geringer als die Kosten für zwei Papiersäcke, um die Lebensmitteleinkäufe für 100 Franken nach Hause zu tragen.»

Wie auch immer: Die Kosten für die Vermögensverwaltung sind gemäss Asip weniger als halb so hoch wie diejenigen, die im Abstimmungskampf herumgeisterten. «Die Umfrage unter den Mitgliedern zeigt, dass die kollektive Altersvorsorge bezüglich Vermögensverwaltungskosten sehr vorteilhaft ist», folgert der Verband. An der Kurzumfrage von Asip nahmen 283 Pensionskassen in der ganzen Schweiz teil. Sie stehen für ein Sparvermögen von stolzen 420,5 Milliarden Franken – das sind mehr als die Hälfte der gesamten Kassengelder von rund 800 Milliarden Franken.

Die Kleinen sind im Nachteil

Genau da liegt der Haken der Botschaft des Verbandes: Befragt wurden offensichtlich fast ausschliesslich mittelgrosse bis grosse Pensionskassen. Für sie sind die Vermögensverwaltungskosten jedoch kein wesentliches Problem, weil sie sich auf viele Versicherte mit grossen Sparsummen verteilen. «Es ist zwar lobenswert, dass Asip die Vermögensverwaltungskosten transparent darstellt. Doch damit ist es nicht getan. Die Frage für mich lautet: Wie sieht es bei den anderen 2000 Kassen aus?», fragt Doris Bianchi, die beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund für Sozialversicherungen und Alterspolitik zuständig ist.

Im Pensionskassenverband Asip sind 1000 Vorsorgeeinrichtungen organisiert, die Schweizer Arbeitnehmenden sind aber in 2300 verschiedenen Stiftungen dabei: «Grosse Kassen ab einem Sparvermögen von ein paar hundert Millionen Franken sind natürlich leicht in der Lage, ihre Marktmacht bei den Banken auszuspielen und sich bei den Banken günstige Vermögensverwaltungskosten auszuhandeln», sagt Bianchi. Bei vielen kleinen und mittelgrossen KMU-Pensionskassen gingen aber nach wie vor 0,9 oder sogar 1 Prozent für die Bankdienstleistung drauf, ist sie überzeugt.

Je kleiner, desto teurer

Dass kleine Kassen mehr für die Vermögensverwaltung aufwenden müssen als grosse, steht auch für den Fachmann ausser Frage. «Wir haben die Durchschnittskosten nach Kassengrösse ausgerechnet», sagt Jürgen Mischkulnig, Direktor von Life and Pension beim unabhängigen Krienser Versicherungsbroker S & P. Das Ergebnis: Bei durch den Stiftungsrat oder die Vorsorgekommission von Unternehmens- oder Sammelstiftungen selbst verwalteten Spargeldern nehmen die Banken für die Vermögensverwaltung bis 20 Millionen Franken 0,8 bis 0,95 Prozent. Ab 20 Millionen Franken sind es im Schnitt 0,65 Prozent, ab 50 Millionen im Schnitt 0,55 Prozent. Mischkulnig sagt dazu: «Erst ab 100 Millionen Franken kommen wir in den Bereich der 0,43 Prozent, die der Pensionskassenverband Asip ermittelt hat.»

Das bedeutet indes nicht, dass alle Versicherten von kleinen Unternehmen bei den Finanzinstituten schlecht wegkommen: Gehören sie einer Sammelstiftung an, die es auf eine Sparsumme von über 100 Millionen Franken bringt, spielt sie in der günstigeren Liga mit. Etwa bei der Luzerner PKG, die mit über 4 Milliarden Franken Spargeld bei den Verhandlungen mit den Banken ihre Muskeln spielen lassen kann. Wenn nicht selber oder von Dritten bei den Banken verhandelt, haben Anschlüsse bei Sammelstiftungen oder Unternehmensstiftungen, welche ihr Vermögen selber anlegen, nichts von dieser Marktmacht.

Lebensversicherer: Besser als ihr Ruf

Wesentlich besser als ihr Ruf kommen bei Mischkulnigs Berechnungen die Lebensversicherer weg, die vor der Abstimmung besonders stark im Kreuzfeuer der Kritik standen. «Mit 0,38 bis 0,45 Prozent liegen sie im Bereich der Pensionskassen, die von Asip befragt wurden. Sie haben die Kosten in den letzten Jahren recht stark gesenkt», stellt Mischkulnig fest.

Hinweis

* Der Umwandlungssatz legt fest, wie viele Prozent ein Rentner monatlich aus seinem angesparten Vermögen erhält. Ein Beispiel: Hat ein Rentner 500 000 Franken angespart und liegt der Umwandlungssatz bei seiner Pensionskasse bei 6,2 Prozent, erhält er jährlich 31 000 Franken oder 2583 Franken monatlich von seiner Kasse ausbezahlt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.