PERLEN: CPH schafft Stellen im Ausland

Chemie & Paper Holding in Perlen fuhr im vergangenen Jahr einen Verlust von 7,7 Millionen Franken ein. Immerhin gelang es ihr, das Defizit zu verringern. Eine Trendwende im schwierigen Papiergeschäft zeichnet sich noch nicht ab.

Rainer Rickenbach
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Papierrollen in Perlen stehen zum Abtransport bereit. Bild: Dominik Wunderli (Perlen, 12. April 2016)

Papierrollen in Perlen stehen zum Abtransport bereit. Bild: Dominik Wunderli (Perlen, 12. April 2016)

Rainer Rickenbach

rainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

Die Chemie & Paper-Gruppe (CPH) in Perlen verändert sich. Sie werde internationaler, sagte Verwaltungsratspräsident Peter Schaub gestern an der Bilanzmedienkonferenz in Perlen. «Doch wir stehen mit der Neuausrichtung erst am Anfang. Ihre Umsetzung braucht Zeit», so Schaub.

Die Übergangsphase verläuft holprig. Auch im vergangenen Jahr schauten unter dem Strich rote Zahlen heraus, der Verlust summiert sich auf 7,7 Millionen Franken. Immerhin fiel das Minus deutlich geringer als im Vorjahr aus, als die Gruppe rote Zahlen in der Höhe von 33,1 Millionen Franken schrieb. Und auf Stufe Betriebsgewinn schauen wieder schwarze Zahlen heraus.

Papierbranche: Wettbewerb geht über den Preis

Es ist das Papiergeschäft der CPH, das schon seit Jahren schwächelt. Die Luzerner sind die Nummer eins in ihrem Marktgebiet Schweiz mit benachbartem Ausland und verfügen auf dem europäischen Festland über den modernsten Maschinenpark. Doch Zeitungs- und Magazinpapier verkauft sich weltweit schlecht. Die Nachfrage in Europa ging im vergangenen Jahr beim Zeitungspapier um weitere 3,4 Prozent und beim margenträchtigeren Magazinpapier gar um 8,5 Prozent zurück. Egal, ob Preise, Herstellungsvolumen oder Nachfrage: Fast alle Kurven zeigen seit 2009 steil nach unten. «In Europa wird der ganze Wettbewerb über den Preis ausgetragen», sagte CEO Peter Schildknecht. Kein Wunder, stagniert in der CPH-Papiersparte der Umsatz im negativen Bereich, beim Betriebsergebnis schaute ein Verlust von 5,8 Millionen Franken (Vorjahr: 21,8 Millionen) heraus.

Die Unternehmensführung setzt ihren Kurs fort, die Produktionskosten zu drosseln. Das ist ihr bisher gut gelungen: Vor acht Jahren kostete die Herstellung einer Tonne Papier rund 690 Franken, im vergangenen Jahr waren es noch 450 Franken. Dazu beigetragen haben seit der Aufgabe der Euro-Untergrenze vor zwei Jahren die 346 Mitarbeitenden in der Schweiz, die zusätzliche Arbeitsstunden pro Woche leisten, und die dank des Wärmeverbunds mit der neuen Kehrichtverbrennungsanlage gesunkenen Energiekosten. Weitere Möglichkeiten für Einsparungen ortet CEO Schildknecht beim Altpapier. Ein Ende der Preiszerfalls zeichnet sich in Europa noch nicht ab. Anders in Japan und in den USA: Dort sind inzwischen so viele Papierhersteller vom Markt verschwunden, dass die Abwärtsspirale zumindest zum Stillstand gekommen ist.

Keine sinnvolle Option ist für CPH ein Zusammengehen mit einem anderen Papierhersteller. «Das würde nichts bringen, weil sich daraus keine Synergien ergeben. Die andere Firma hätte ohnehin die älteren Maschinen», sagt Schildknecht.

Auf die Papiersparte entfallen 57 Prozent des Gruppenumsatzes. Die Wachstumshoffnungen setzt Schildknecht indes auf die beiden prosperierenden Bereiche Chemie und Verpackung. «Sie legten bereits zu. Vor drei Jahren brachten es Chemie und Verpackung auf 36 Prozent des Umsatzes , im vergangenen Jahr waren es 43 Prozent», so Schildknecht.

In der Schweiz wird nur noch investiert, um die Produktivität zu steigern. Der Produktionsausbau findet im Ausland und in den Sparten Chemie sowie Verpackung statt, damit die CPH-Gruppe näher bei den boomenden Märkten ist (China) oder von tiefen Produktionskosten profitiert (Bosnien). Kommt hinzu, dass im Ausland der starke Franken das Geschäft nicht beeinträchtigt. Für das Werk auf dem Balkan ist der Spatenstich für kommende Woche terminiert. Dort wird nach der Eröffnung Molekularsiebpulver für den Bereich Chemie hergestellt. Zu dieser Sparte zählen auch die Standorte in Rüti und Lianyungang in China. Im Bereich Verpackung gehört seit dem vergangenen Jahr eine Fabrik in der Nähe von Schanghai zur Gruppe, die mit 35 Mitarbeitenden Folien für Pharmakunden in Asien herstellt.

Trotz der roten Zahlen erhöht CPH die Dividende um 5 Rappen auf 1.65 Franken pro Aktie. Der Aktienkurs gab gestern leicht um 0,68 Prozent nach.