PERLEN: Der Papierfabrik droht ein Millionenabschreiber

Die Chemie- und Papierholding bleibt in den roten Zahlen. Wegen des Preiszerfalls wird zusätzlich eine Abschreibung von bis zu 270 Millionen Franken geprüft.

Hans-Peter Hoeren
Drucken
Teilen
Düstere Aussichten für die Chemie + Papier Holding in Perlen: Sie prüft einen horrenden Abschreiber. (Bild Pius Amrein)

Düstere Aussichten für die Chemie + Papier Holding in Perlen: Sie prüft einen horrenden Abschreiber. (Bild Pius Amrein)

Die CPH Chemie + Papier Holding erwartet für das vergangene Geschäftsjahr einen operativen Verlust von 27 bis 29 Millionen Franken. Im schlimmsten Fall könnte unter dem Strich aber sogar ein Verlust im dreistelligen Millionenbereich (auf Stufe Ebit) stehen. Der Hersteller von Chemikalien, Papier und Verpackungen prüft einen Abschreiber, der mit 240 bis 270 Millionen Franken zu Buche schlagen könnte. Ob es so weit kommt, wird an der Bilanzpräsentation Ende Februar bekannt gegeben.

Hintergrund der Ankündigung sind die Überkapazitäten und der daraus resultierende Verdrängungswettbewerb am Papiermarkt. Die CPH stellt in der Papierfabrik Perlen Zeitungsdruck- und Magazinpapier her. Seit 2011 sind die Preise dramatisch eingebrochen. «Wir gehen davon aus, dass diese Situation weiter bestehen wird, deshalb prüfen wir eine Neubewertung der Sachanlagen und Maschinen», erklärte CPH-CEO Peter Schildknecht gestern auf Anfrage. Eine ausserordentliche Abschreibung würde sich eins zu eins auf das Betriebsergebnis für 2013 (Ebit) auswirken.

Keine Auswirkungen auf Personal

Für die CPH wäre der Vorteil, dass sie in den folgenden Jahren entsprechend niedrigere Abschreibungsbeträge hätte, das würde das Betriebsergebnis der folgenden Jahre deutlich entlasten. «Auf das operative Geschäft hätte die Abschreibung keinen Einfluss, ebenso wenig auf die Zahl der Mitarbeiter. Das ist eine rein buchhalterische Angelegenheit», stellt Schildknecht klar. Auch nach einer Abschreibung in der erwogenen Höhe hätte das Unternehmen immer noch eine «sehr solide Eigenkapitalquote von 60 Prozent», sagt der CPH-CEO. Diese wäre immer noch deutlich höher als bei vielen der direkten europäischen Konkurrenten. Zudem sei der Cashflow der CPH positiv.

Der Umsatz des Unternehmens ging im vergangenen Jahr um 1,6 Prozent auf 481,1 Millionen Franken zurück, wie die CPH-Gruppe ebenfalls gestern mitteilte.

Die ebenfalls in Perlen domizilierte Verpackungssparte, die der Pharmabranche zuliefert, konnte dabei von einem verbesserten Umfeld profitieren. Sie steigerte den Umsatz 2013 um 9,3 Prozent auf 116,4 Millionen Franken. Der Umsatz der Chemiesparte sank hingegen um 11,8 Prozent auf 59,2 Millionen Franken, der Umsatz der Papierfabrik um 2,8 Prozent auf 305,5 Millionen Franken.

Papiersparte gewinnt Marktanteile

«Wir haben im vergangenen Jahr 200 000 Tonnen Papier mehr verkauft als noch vor fünf Jahren und dennoch nur den gleichen Umsatz erzielt wie 2008», verdeutlicht CPH-CEO Peter Schildknecht die Dramatik des Preiszerfalls. Gleichzeitig habe die Papiersparte ihre Effizienz und ihre Prozesse enorm verbessert. «Wir produzieren heute mit weniger Mitarbeitern als 2008 rund 60 Prozent mehr Papier», sagt Schildknecht. Das Unternehmen habe im vergangenen Jahr die Papierproduktion steigern und das gesamte Volumen komplett verkaufen können. Da der Papiermarkt geschrumpft ist, hat die CPH unter dem Strich sogar leicht Marktanteile gewonnen. In Europa liegt der Marktanteil aktuell bei 5 Prozent, in der Schweiz bei rund einem Drittel.