PERLEN: Die Papierfabrik verlängert die Arbeitswoche

Die Chemie+Papier Holding (CPH) schreibt rote Zahlen und muss die Kosten senken. Die Angestellten im Papierbereich arbeiten nun eine Stunde länger pro Woche.

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Blick in die Papierproduktion der Chemie + Papier Holding in Perlen. In dieser Abteilung wird künftig eine Stunde pro Woche länger gearbeitet. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Blick in die Papierproduktion der Chemie + Papier Holding in Perlen. In dieser Abteilung wird künftig eine Stunde pro Woche länger gearbeitet. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Roman Schenkel

Um 15 Prozent haben sich die Produkte der Papierfabrik Perlen am 15. Januar 2015 gegenüber ihrer ausländischen Konkurrenz verteuert. Die Folgen der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank für die Chemie +Papier Holding (CPH) haben sich schon bei den Halbjahreszahlen im vergangenen Juli gezeigt. Der Umsatz des exportstarken Unternehmens – rund zwei Drittel ihres Umsatzes macht die CPH im Euroraum – schrumpfte um 18 Prozent. Beim Betriebsergebnis schaute Mitte Jahr ein Verlust von 18,5 Millionen Franken heraus.

Laut CPH-Sprecher Christian Weber blieb die Situation auch in der zweiten Jahreshälfte angespannt. «In der Papierproduktion haben wir im abgelaufenen Jahr einen grossen Verlust geschrieben», sagt Weber auf Anfrage. Im europäischen Papiergeschäft herrsche ein starker Verdrängungswettbewerb, der über die Papierpreise ausgefochten werde. Die Papierhersteller müssen sich in einem Umfeld zurechtfinden, das von Überkapazitäten geprägt ist. Dabei spielen die Produktionskosten eine zentrale Rolle. «Der Entscheid der Nationalbank hat unsere Wettbewerbssituation stark beeinträchtigt, da sich dadurch unsere Herstellungskosten im internationalen Vergleich verteuerten», sagt Weber.

360 Mitarbeitende betroffen

Die Maschinen seien 2015 zwar weiterhin gut ausgelastet gewesen, und Perlen habe 2015 leicht höhere Papiermengen verkauft als im Vorjahr. «Aufgrund der schwächeren Marge verdienten wir aber deutlich weniger», so der CPH-Sprecher. Um wieder in die Gewinnzone zu gelangen, hat das Unternehmen «ein Dutzend» Massnahmen getroffen, um die Kosten zu senken. «Eine davon ist die Erhöhung der Arbeitszeit», sagt Weber. Seit Jahresbeginn arbeiten die Angestellten bei Perlen Papier 43 statt 42 Stunden. «Wir haben bereits 2013 und 2014 zu dieser temporären Massnahme gegriffen und sie in den letzten Monaten erneut geprüft», meint Weber. Nachdem sich die Währungssituation noch nicht verbessert hat, wurde sie nun erneut eingeführt.

Betroffen sind insgesamt rund 360 Mitarbeitende. «Dadurch können wir die Aufträge etwas günstiger abwickeln», sagt Weber. Beim Kader wurde die Arbeitszeit um zwei Stunden erhöht. Im Bereich Perlen Packaging sind die Arbeitszeiten jedoch unverändert.

2015 haben laut dem Branchenverband Swissmem rund siebzig Unternehmen aus der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie die Arbeitszeiten erhöht. In der Zentralschweiz waren dies unter anderem Ruag, Swiss Steel und V-Zug. Maxon Motor hat die Arbeitszeiterhöhung bereits wieder aufgehoben. Auch Siemens Building Technologies will Mitte 2016 die Wochenarbeitszeit wieder von 43 auf 40 Stunden senken.

Kein Stellenabbau geplant

Weitere Massnahmen im Personalbereich seien bei CPH derzeit nicht geplant, sagt Weber. Es laufe kein Personalabbauprogramm. «Wir überprüfen aber laufend die Möglichkeiten, durch natürliche Fluktuationen oder Frühpensionierungen Prozesse zu optimieren», so Weber. In Perlen wird im Schichtbetrieb rund um die Uhr produziert. Die Arbeitszeitverlängerung gilt für unbestimmte Dauer; sollte sich die Ertragslage im Papierbereich verbessern, werde die Arbeitszeit wieder «normalisiert».

Die Herstellung von Zeitungs- und Pressemagazinpapier macht rund zwei Drittel des Gruppenumsatzes der Chemie+Papier Holding aus. Besser als im traditionellen Kerngeschäft lief es im vergangenen Jahr in den anderen Unternehmensbereichen Chemie und Verpackung. Die Zahlen für 2015 veröffentlicht CPH im kommenden Monat.

Renergia liefert Dampf

Um die Kosten zu optimieren, bezieht die CPH zudem seit kurzem die zur Trocknung der Papierbahnen benötigte Wärme in Form von Dampf von der benachbarten Kehrichtverbrennungsanlage Renergia. Dadurch können fossile Treibstoffe ersetzt und der CO2-Ausstoss um rund 60 000 Tonnen reduziert werden. Weiter hat sich das Unternehmen bemüht, das Altpapier günstiger zu beschaffen.