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PERLEN: Peter Schaub: «Wir schreiben 2014 schwarze Zahlen»

Trotz eines dreistelligen Millionenabschreibers sieht der Verwaltungsratspräsident die Chemie- und Papierholding auf Kurs. Die Eignerfamilien stünden voll und ganz hinter dem Standort.
Interview Hans-Peter Hoeren
Die blossen Ausmasse der Papiermaschine PM 7 in Perlen sind gigantisch. 10 000 Tonnen schwer ist der Koloss, der eine 220 Meter lange Fabrikhalle ausfüllt. Seit 2010 ist die Maschine in Betrieb, dank ihr konnte die Produktion massiv gesteigert werden. (Bild Manuela Jans)

Die blossen Ausmasse der Papiermaschine PM 7 in Perlen sind gigantisch. 10 000 Tonnen schwer ist der Koloss, der eine 220 Meter lange Fabrikhalle ausfüllt. Seit 2010 ist die Maschine in Betrieb, dank ihr konnte die Produktion massiv gesteigert werden. (Bild Manuela Jans)

Peter Schaub, die Chemie- und Papierholding hat im vergangenen Jahr einen Rekordverlust von über 250 Millionen Franken geschrieben, die Papiersparte schreibt seit vier Jahren rote Zahlen. Wie gut können Sie aktuell noch schlafen?

Peter Schaub: Das Verwaltungsratspräsidium war in den vergangenen Jahren aufgrund des starken Frankens und des Preiszerfalls für Zeitungsdruck- und Magazinpapier sehr fordernd und es bleibt fordernd. Schlaflose Nächte hatte ich deshalb aber fast keine.

Die Papiersparte der CPH in Perlen hat vor fünf Jahren rund 470 Millionen CHF in eine neue Papiermaschine investiert. Damit sei das Überleben des Standortes Perlen hiess es damals Gilt das immer noch?

Schaub: Wir haben diese Investition nie angezweifelt. Unser Strategieentscheid erscheint uns nach wie vor grundsätzlich richtig. Letztlich haben sich Faktoren, die wir nicht beeinflussen können, sehr schnell zu unseren ungunsten verschoben. Wir konnten nicht wissen, ob und wie stark der Franken gegenüber dem Euro aufwertet oder wie radikal der Vormarsch der elektronischen Medien sein wird. Ohne die Investition in die neue Papiermaschine hätten wir die Papierproduktion in Perlen schliessen müssen, weil unsere Kostenstruktur nicht mehr konkurrenzfähig gewesen wäre. Jetzt verfügen wir über die modernste Maschine in Europa und streben die Kostenführerschaft in unseren Absatzmärkten an.

Was nützt die höchste Produktivität, wenn die Preise um ein Drittel einbrechen und der Markt von Jahr zu Jahr schrumpft?

Schaub: Alle grossen Papierhersteller in Europa haben im vergangenen Jahr wegen des Preisverfalls Verluste oder eine schwarze Null geschrieben. Die Rahmenbedingungen sind für alle gleich, aber wir haben aufgrund unser moderneren Maschine Kosten- und Effizienzvorteile. Wir haben mit unserer neuen Maschine PM 7 im vergangenen Jahr 24000 Tonnen mehr Zeitungsdruckpapier verkauft als im Vorjahr, und dies in einem schrumpfenden Markt. Das heisst unser Marktanteil in Europa und der Schweiz ist gewachsen und wir werden ihn weiter steigern. Das Effizienzpotenzial und die Produktionsgeschwindigkeit der Maschine sind längst nicht ausgereizt, das werden wir weiter steigern. Zudem sind wir geographisch gut positioniert. Wir werden unsere Maschinen nie abstellen. Stärker unter Druck sind die grossen Hersteller mit zum Teil älteren Maschinen. Sie sind gefordert und reagieren bereits mit Fusionen und Werksstilllegungen.

Wie lange können Sie sich denn noch rote Zahlen in der Papiersparte leisten?

Schaub: Wir sind mit unseren Papiermaschinen cash-positiv. Das heisst, wir verdienen Geld damit. Die CPH-Gruppe hat zudem mehr als die Hälfte der Investitionskosten selbst gestemmt. Wir haben trotz der hohen Wertberichtigung eine Eigenkapitalquote von über 60 Prozent. Wir sind somit gut aufgestellt, um den aktuell schwierigen Rahmenbedingungen zu trotzen und wir haben einen langen Schnauf.

Hätten Sie sich angesichts des starken Frankens nicht manchmal doch insgeheim gewünscht, Sie hätten das Geld in der Eurozone oder in Deutschland investiert?

Schaub: Nein, eine Verlagerung der Produktion nach Deutschland wäre viel zu teuer. Die ganze Infrastruktur, aber auch das Knowhow und die qualifizierten Mitarbeitenden sind in Perlen.

Dennoch fällt auf, 70 Prozent Ihrer Kosten fallen in der teuren Schweiz an, dort erzielen Sie aber nur 15 Prozent Ihrer Einnahmen.

Schaub: Eine Verlagerung einer solch grossen Papierfabrik ist nicht möglich. Man kann die ganze Infrastruktur nicht verpflanzen und auch unsere beiden Papiermaschinen nicht. Diese werden immer in Perlen bleiben.

Die CPH und die dazugehörigen Unternehmen gehören seit Generationen alteingesessenen Zürcher Familien. Durch die Investition und die Verluste wurden über 600 Millionen CHF ausgegeben. Bekommt da niemand kalte Füsse und sorgt sich um sein Vermögen? Schaub: Die Papierfabrik ist 140 Jahre alt und die Chemiefabrik in Uetikon besteht bereits seit über 190 Jahren. Die Familienaktionäre denken sehr langfristig und erleben es als sinnstiftend Industriebetriebe und Hunderte Arbeitsplätze in der Schweiz zu sichern. Wir stehen voll hinter der Investition in die neue Papiermaschine und hinter dem Schweizer Werkplatz. Wir empfinden es als Privileg, in der Schweiz Industriebetriebe betreiben zu können. Ein grösseres Statement zum Standort Schweiz und zum Standort Perlen als unsere Investition über 470 Millionen CHF in die neue Maschine mitten in der Euro- und Finanzkrise 2008 ist kaum möglich.

Das ist unbestritten. Aber regen sich da bei den Eignern überhaupt keine Zweifel, ob diese Investition wirklich Früchte trägt?

Schaub: Auch Unternehmer kennen die Zukunft nicht und sicher bedeutet der Vormarsch der elektronischen Medien einen Rückgang an Zeitungsdruck- und Magazinpapier. Aber in einem schrumpfenden Markt ist die Kostenführerschaft umso wichtiger. Und diese kann nur mit entschlossenen und bedeutenden Investitionen erlangt werden. Darüber habe ich keine Zweifel.

Perlen ist der letzte verbliebene grosse Papierhersteller in der Zentralschweiz, Cham Paper hat die Produktion nach Italien verlegen. Bis zum Schluss hat man dort beteuert, man werde am Standort Cham festhalten. Wo liegen die Unterschiede zwischen Cham Paper und Perlen?

Schaub: Die Situation ist nicht vergleichbar. Cham Paper hat grosse Produktionswerke in Italien. Wir sind mit unserer Papierproduktion ausschliesslich in der Schweiz, unsere Infrastruktur ist in Perlen. Die Grösse unseres Standortes im Rontal hat uns zudem die Möglichkeit gegeben, unsere neue PM7 direkt im bestehenden Areal zu realisieren.- Wir haben massiv in die Zukunft investiert haben, um den Standort zu sichern. Wir werden diese Investition rentabilisieren und nicht aufgeben.

Bis wann soll die neue Papiermaschine denn profitabel arbeiten können?

Schaub: Wie gesagt sind unsere Papiermaschinen bereits cash-positiv, erwirtschaften also Geld. Mit den vorgenommenen ausserordentlichen Abschreibungen sowie dem Wechsel in den freien Strommarkt, glauben wir, dass wir bereits im 2014 auch in der Papiersparte wieder schwarze Zahlen schreiben werden. Ab 2015 wird zudem die Zusammenarbeit mit der Renergia weitere ökonomische und ökologische Verbesserungen bringen.

A wann rechnen Sie damit, die Kapitalkosten verdienen zu können?

Schaub: Das kann aktuell niemand genau voraussagen. Das hängt von mehreren Faktoren ab, die wir nicht beeinflussen können, unter anderem vom starken Schweizer Franken. Legt man die Währungskurse von 2008 zu Grunde, hätten wir im vergangenen Jahr rund 150 Millionen Franken zusätzlichen Ertrag geschrieben. Ganz entscheidend ist aber auch das Tempo der Konsolidierung in der europäischen Papierbranche. Die Überkapazitäten sind nach wie vor hoch. In den vergangenen Jahren ist die Nachfrage nach Zeitungsdruckpapier in Europa von 9 auf 7 Millionen Tonnen gesunken. Immer noch wird zu viel Papier produziert, die Preise in Schweizer Franken sind deshalb um rund ein Drittel eingebrochen. Wir gehen davon aus, dass dieser Preisdruck und der Verdrängungswettbewerb anhalten werden.

Und dennoch gehen Sie auf der Gruppenebene im kommenden Jahr von einem Gewinn aus?

Schaub: Wir haben im vergangenen Jahr eine ausserordentliche Abschreibung von rund 250 Millionen Franken vorgenommen. Dies wird allein im laufenden Jahr das Betriebsergebnis um 20 Millionen Franken entlasten. 2014 wird die CPH als Gruppe wieder einen positiven Betriebs- und Reingewinn ausweisen.

Das heisst, Sie rechnen auch in der Papiersparte 2014 mit einem Gewinn?

Schaub: Die Voraussetzungen dafür stehen gut.

Sie haben in den vergangenen Jahren bedeutende zweistellige Millionenbeträge durch Effizienzsteigerungen Erzielt, die Papierproduktion um 60 Prozent gesteigert. Doch unterm Strich blieb der Umsatz gleich und es resultierten Verluste. Wie frustrierend war das und wie vermittelt man den Mitarbeitern, dass die Strategie des Unternehmens dennoch langfristig aufgehen wird?

Schaub: Das Unternehmen und die Mitarbeitenden haben in den vergangenen Jahren enorme Anstrengungen vollbracht und jedes Jahr mehrere Millionen Franken durch Effizienzprogramme eingespart. Diese Anstrengungen haben sich aber bisher noch nicht im Ergebnis wiedergespiegelt,. Wir sind aber überzeugt, dass wir die Früchte dieser Anstrengungen noch sehen werden.

Wie sicher sind die Arbeitsplätze in der Papierproduktion?

Schaub: Wir produzieren in Perlen 60 Prozent mehr Papier als vor der PM7. Aktuell arbeiten in der Papiersparte 365 Mitarbeiter, mit diesen wurde die Produktionskapazität der Maschinen von 320 000 auf 520 000 Tonnen gesteigert. Wir brauchen unsere Mitarbeitenden und deren Knowhow.

Verstehen die Mitarbeiter die langfristig angelegte Strategie des Unternehmens und glauben sie an den Erfolg?

Schaub: Ich glaube, dass unsere Mitarbeitenden die Strategie nachvollziehen können. In der Papierbranche gelten wir zudem als attraktiver und zukunftsgerichteter Arbeitgeber, weil wir die modernste Papiermaschine in Europa haben. Unsere Arbeitsplätze haben Zukunft, weil wir die Chance haben, in einem schrumpfenden Markt die Kostenführerschaft zu gewinnen.

Der Markt für Zeitungs- und Magazinpapier schrumpft von Jahr zu Jahr. Wann ist der Boden erreicht, was macht Sie so sicher, dass für Ihre Papiermaschinen die Nachfrage immer ausreichen wird?

Schaub: Wir gehen davon aus, dass der Schrumpfungsprozess bei der Nachfrage nach holzhaltigem Papier noch einige Jahre anhalten wird. Aber in den USA zum Beispiel ist der Konsolidierungsprozess in der Branche schon viel weiter. Dort verdienen die verbliebenen Unternehmen mittlerweile wieder gutes Geld.

Letztlich hängt Ihre Branche ja auch von der Zukunft der Zeitungen ab. Wie fällt Ihre Prognose aus?

Schaub: Werbung mit entsprechend grossen und farbigen Bildern auf Papier erzielt eine grössere Wirkung als elektronische Werbung. Zeitungen und Magazine, die periodisch erscheinen und auffällig gestaltete Inserate und Bilder veröffentlichen, haben sicher eine Zukunft, genauso wie auch lokale Tageszeitungen zur Informationsverbreitung. Es wird immer einen bedeutenden Anteil Leser geben, der in einer echten Zeitung blättern will und nicht am Bildschirm. Ich gehöre auch dazu.

Wie lange soll denn die PM 7 mindestens laufen?

Schaub: Mindestens 30 - 40 Jahre. Die PM 7 ist momentan die neuste Papiermaschine, die in Europa gebaut worden ist. Ob sich der Papiermarkt in Europa wieder merklich stabilisiert haben wird und wir anschliessend nochmals eine Maschine bauen, kann heute noch nicht abgeschätzt werden. Wir arbeiten bereits daran, die Abhängigkeit der CPH-Gruppe vom Papier zu reduzieren und setzen verstärkt auf den Ausbau hochwertiger Produkte im Bereich Verpackung und Chemie. Speziell der Verpackungsbereich, mit rund 150 Mitarbeitenden in Perlen, läuft aktuell sehr gut.

Als energieintensives Unternehmen ist der Strompreis für Sie von zentraler Bedeutung. Haben energieintensive Unternehmen in der Schweiz angesichts der bevorstehenden Energiewende eine Zukunft und sind die Spiesse mit dem Ausland aktuell gleich gross?

Schaub: Wir können den Strom am freien Markt kaufen, dadurch werden wir 2014 über 10 Millionen Franken einsparen. Hier können wir uns nicht beklagen. Was mich aber enorm stört sind die hohen zusätzlichen Kosten für die Übertragung des Stroms in den Netzen, welche durch die Reorganisation des Schweizerischen Strommarktes (Bildung der Swissgrid) neu entstanden sind. Diese sind mit gegen 3,5 Rappen pro Kilowattstunde deutlich zu hoch. Vor der Reorganisation waren diese Kosten im Strompreis inbegriffen. Für die energieintensive Industrie sind tiefere Übertragungskosten lebenswichtig, um im internationalen Konkurrenzkampf bestehen zu können.

Welche Stellschrauben sind für Sie sonst noch wichtig, um Kosten zu sparen?

Schaub: Neben den Energiekosten ist vor allem der Altpapierpreis entscheidend. Wir recyceln Altpapier. In der Schweiz werden pro Jahr rund 600000 Tonnen für unsere Papiersorten verwertbares Altpapier gesammelt, davon bräuchten wir etwa 480000 Tonnen. Momentan können wir aus dem Inland aber nur rund 235000 Tonnen beziehen, den Rest müssen wir zu höheren Kosten wieder importieren.

140 Jahren in Familienbesitz

Der Zürcher Rechtsanwalt Peter Schaub sitzt seit 1994 im Verwaltungsrat der Chemie- und Papierholding AG, seit 2010 ist er Verwaltungsratspräsident. Schaub (53) gehört zu einem der vier Stämme der Eignerfamilien. Er ist Teil der 7. Generation des Familienunternehmens, dessen Geschichte 1818 mit der Gründung der chemischen Fabrik in Uetikon begann. Die CPH gehört mehrheitlich den Nachfahren der Firmengründer. Grösste Aktionärin mit 49,9 Prozent ist die UBV Uetikon Betriebs- und Verwaltungs AG, die sich vollständig im Besitz der Familie befindet.

Springer gehört zu den Kunden

Die Papierfabrik wurde 1873 gegründet. Heute verfügt sie über zwei Maschinen, die PM 4 mit einer Produktionskapazität von 210 000 Tonen pro Jahr und die hochmoderne PM 7 mit einer Kapazität von 370 000 Tonnen pro Jahr. Über 80 Prozent des in Perlen produzierten Magazin- und Zeitungsdruckpapiers gehen in die Eurozone. Wichtige Kunden sind Ringier, Tamedia oder die NZZ in der Schweiz; aber auch Axel Springer, die «Süddeutsche Zeitung» oder der «Corriere della Sera». Die Papierfabrik ist der grösste Altpapierrecycler der Schweiz.

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