PERSPEKTIVEN: Wachstumszahlen und Glück

Die Zentralschweizer Wirtschaft soll im kommenden Jahr um 1,2 Prozent wachsen. Nur: Macht das die Einwohner auch um 1,2 Prozent glücklicher?

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Erklärte gestern im KKL Aspekte der Glücksforschung: die Politphilosophin Katja Gentinetta. (Bild: Manuela Jans-Koch / Neue LZ)

Erklärte gestern im KKL Aspekte der Glücksforschung: die Politphilosophin Katja Gentinetta. (Bild: Manuela Jans-Koch / Neue LZ)

Rainer Rickenbach

1600 Besucherinnen und Besucher nahmen gestern Abend am «Perspektiven»-Anlass im Luzerner KKL teil. Als erster Referent betrat der Konjunkturforscher Martin Eichler vom BAK Basel die Bühne. Er verhiess der Zentralschweiz für dieses Jahr ein Wachstum des Bruttoinlandproduktes von 0,8 Prozent, im kommenden Jahr sollen es 1,2 Prozent werden (Ausgabe vom 23. Oktober). Danach findet die Wirtschaft mit einem Plus von rund 2 Prozent wieder auf den Wachstumspfad zurück, auf dem sie vor der Aufhebung des fixen Euro-Unterkurses unterwegs war.

Die Glückssachverständigen

Abseits der Prognosezahlen bewegte sich Katja Gentinetta, die nach Eichler den Zuhörern Einblick in die Glücksforschung gab – und das «Bruttoinlandglück». «Wir brauchen im Gegensatz zu den Konjunkturfachleuten keine Prognosen abzugeben. Man liegt dann auch nicht daneben», sagte sie schmunzelnd zur Einführung.

Die Philosophin und SRF-Moderatorin zeigte anhand von verschiedenen Glückindexen, wie sehr die Haltung der Forscher die Ergebnisse prägen. Für liberal geprägte Glückssachverständige spielt die Freiheit eine zentrale Rolle, Denkfabriken mit Betonung des Sozialen messen den Vermögensunterschieden einen hohen Stellenwert bei, und umweltbewusste Forscher nehmen den ökologischen Fussabdruck zu einem wichtigen Massstab. Was den Wohlstand angeht, herrscht unter den Glücksforschern insofern Einigkeit, als ein steigendes Einkommen vor allem bei Wenigverdienern Gefühle des Wohlbefindens auslöst. Ab einer gewissen Höhe verliert das Einkommen aber an Bedeutung. Der amerikanische Psychologe und Nobelpreisträger Daniel Kahnemann legte diese Grenze für die USA bei 75 000 Dollar fest. «Soll man ab dieser Schwelle vom Staat Glück erwarten? Wohl eher nicht», stellte Gentinetta eine rhetorische Frage, die sie gleich selber beantwortete.

Die Pfeiler des Aristoteles

Die TV-Moderatorin kam bei ihren Ausführungen immer wieder auf den altgriechischen Philosophen Aristoteles zurück. Für ihn ruhte Glück auf den Pfeilern Tapferkeit, Klugheit, Mässigung und Gerechtigkeit. «Die Wahrheit liegt zwischen den Extremen. Bei Klugheit etwa auf dem Mittelweg zwischen Ignoranz und übertriebener Wissenschaftlichkeit», erklärte Gentinetta. Den Übergang zum anschliessenden Schlusswort fand sie im Begriff Mässigung, die sie den Besuchern zum Apéro nach der Veranstaltung ans Herz legte.