Peter Pfister verkauft Surseer IT-Firma an das Management

Die ehemalige Bison IT Services, die seit Anfang Jahr BitHawk heisst, gehört neu dem Management rund um CEO Oliver Schalch.

Maurizio Minetti
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Blick ins Treppenhaus von BitHawk in Sursee. (Bild: PD)

Blick ins Treppenhaus von BitHawk in Sursee. (Bild: PD)

Der Surseer Informatik-Dienstleister BitHawk hat seit Ende September neue Besitzer. «Im Rahmen einer nachhaltigen Nachfolgeregelung gab es ein Management-Buy-out an die bestehende und langjährige Geschäftsleitung», bestätigt ein Firmensprecher auf Anfrage. CEO Oliver Schalch, Operativchef Sven Jost, Finanzchef Christian Nguyen und Digitalchef Terrence Schweizer besitzen neu 100 Prozent der Aktien. Die vier sitzen auch im neuen Verwaltungsrat, der von Andreas Glanzmann präsidiert wird. Glanzmann ist Rechtsanwalt beim Luzerner Wirtschaftsprüfer Balmer-Etienne. Über den Kaufpreis für das Unternehmen, das bis Anfang dieses Jahres Bison IT Services hiess, wurde Stillschweigen vereinbart.

Peter Pfister. (Bild: PD)

Peter Pfister. (Bild: PD)

Verkäufer ist Peter Pfister. Der 62-jährige Nebiker ist eine bekannte Figur in der Schweiz: Er hat die Fluggesellschaft Helvetic Airways mitgegründet, die vor 13 Jahren an den Schwyzer Financier Martin Ebner verkauft wurde. Ausserdem gründete er den KMU-Software-Hersteller Simultan in Altishofen. Diese Firma verkaufte Pfister vor 14 Jahren an den britischen Softwarekonzern Sage, der heute seinen Hauptsitz in Root hat. Peter Pfister ist der Bruder des ehemaligen Luzerner FDP-Regierungsrats Max Pfister.

Mitbesitzer steht vor Gericht

Besitzer von BitHawk beziehungsweise Bison IT Services wurde Pfister vor neuneinhalb Jahren. Die Geschichte dahinter ist turbulent: Im April 2010 kündigten die meisten Angestellten des Surseer IT-Dienstleisters Comparex Schweiz auf einen Schlag und wechselten daraufhin zum Surseer Softwarehersteller Bison, der damals Minderheitsaktionär von Comparex Schweiz war. Umstritten ist, wie freiwillig diese Massenkündigung war. CEO von Comparex Schweiz war damals Oliver Schalch. Bei Bison führte Rudolf Fehlmann die Geschäfte. 

Die Fenaco-Tochter Bison konnte die Angestellten von Comparex Schweiz aber nicht aufnehmen, darum gründeten die Verantwortlichen die Firma Bison IT Services und übertrugen sie Peter Pfister, der bis zum jetzigen Verkauf 100 Prozent der Anteile hielt. Die CEO-Funktion übernahm Oliver Schalch.

Die Vorgänge im April 2010 bei Comparex Schweiz lösten diverse Rechtsverfahren aus, die zum Teil noch andauern. Oliver Schalch und Rudolf Fehlmann wurden im September 2016 vom Luzerner Kriminalgericht der ungetreuen Geschäftsbesorgung schuldig gesprochen. Beide Urteile sind allerdings noch nicht rechtskräftig; Schalch und Fehlmann haben Berufung vor Kantonsgericht eingelegt. Dort sind die beiden Fälle aktuell noch hängig, wie es auf Anfrage heisst. 

Rund 200 Beschäftigte

Wie der BitHawk-Sprecher sagt, habe das Management-Buy-out bei BitHawk nichts mit dem laufenden Verfahren gegen CEO Oliver Schalch zu tun. Begründet wird der Verkauf damit, dass sich Peter Pfister «bewusst und aus persönlichen Gründen» zurückziehen wolle. «Die Möglichkeit, die Firma an ein etabliertes, langjähriges Management zu verkaufen, betrachtet er als Chance, die Firma optimal in die Zukunft zu führen», heisst es aus Sursee. Rudolf Fehlmann habe den Verwaltungsrat von BitHawk verlassen, sagt der Sprecher.

BitHawk AG beschäftigt heute rund 200 Mitarbeitende, davon rund 150 am Hauptsitz in Sursee.

Neuer Name für Bison IT Services

Der Surseer IT-Dienstleister betont seine Unabhängigkeit von der Bison-Gruppe. Ab Januar 2019 heisst die Firma BitHawk.
Maurizio Minetti

LUZERN: Belegschaft abgeworben: Zwei Geschäftsführer verurteilt

Zwei ehemalige Geschäftsführer von Luzerner IT-Unternehmen sind vom Kriminalgericht wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung zu Freiheitsstrafen von 28 Monaten verurteilt worden. Die beiden hatten demnach 2010 mit unlauteren Methoden eine ganze Belegschaft abgeworben.