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PFÄFFIKON: Rückschlag für Charles Vögele im Kampf um die Trendwende

Charles Vögele muss einen erneuten Rückschlag hinnehmen. Nach einem Aufwärtstrend im Jahr zuvor hat die Modehandels-Gruppe 2015 wieder tiefrote Zahlen geschrieben. Das Unternehmen soll darum jetzt noch schlanker und flexibler werden.
CEO Markus Vögeli präsentierte am Dienstag in Pfäffikon tiefrote Zahlen. (Bild: Keystone / Markus Bieri)

CEO Markus Vögeli präsentierte am Dienstag in Pfäffikon tiefrote Zahlen. (Bild: Keystone / Markus Bieri)

Für das Modehaus Charles Vögele war 2015 eine Enttäuschung. Das Jahr habe zwar gut begonnen, sagte Charles Vögele-Chef Markus Voegeli an der Bilanzmedienkonferenz in Pfäffikon am Dienstag. «Zwei ausserordentliche Ereignisse haben uns dann jedoch die Suppe versalzen.»

So sei zum Frankenschock Anfang Jahr in der zweiten Jahreshälfte noch das sehr milde Wetter im Herbst dazugekommen, die die Kundschaft vom Kauf von Winterkleidern abhielt. Das hat auf den Umsatz gedrückt und liess das Modehaus tief in die Verlustzone abstürzen.

So sank der Nettoumsatz 2015 gegenüber dem Vorjahr um 11 Prozent auf 803 Millionen Franken. Der Jahresverlust erhöhte sich von 11 Millionen Franken im Vorjahr auf 62 Millionen Franken. Damit erleidet das angeschlagene Modehaus einen herben Rückschlag.

Denn im Vorjahr schien es noch so, als ob Charles Vögele die Trendwende geschafft habe. Der seit 2007 anhaltende Umsatzschwund schien gestoppt. Das Modehaus meldete auch erstmals seit 2010 wieder einen Betriebsgewinn (EBIT).

Jetzt jedoch muss Charles Vögele nochmals über die Bücher, wie Voegeli sagte. An der Strategie werde dabei zwar festgehalten. «Wir müssen sie jedoch mit noch mehr Druck umsetzen und sie ergänzen.»

Mit Schnell-Kollektionen zurück zum Erfolg

Die bereits eingeleitete Strategie sieht vor, dass das Modehaus attraktiver, flexibler und schlanker werden soll. Beim Ziel der Steigerung der Attraktivität sieht sich Charles Vögele bereits auf der Zielgeraden.

So sei die Modernisierung der Kollektionsausrichtung umgesetzt, sagte Voegeli. Ebenso habe das Modehaus erfolgreich den Online-Shop neu lanciert und die Neugestaltung der Läden verlaufe nach Plan. Bereits seien 274 der total 761 Filialen umgebaut.

Stärker auf das Gaspedal drücken will der Modehaus-Chef dagegen bei der Flexibilität. Dies soll sich unter anderem in einer deutlich kürzeren Reaktionszeit auf Trends und Kundenwünsche auswirken. So hat Charles Vögele im letzten Jahr die erste «Fast Track-Kollektionen» lanciert.

Diese Kollektion für Damen benötigt von der Entwicklung bis zum Verkauf nicht mehr acht bis neun Monate wie bisher, sondern nur noch wenige Monate. Im letzten Jahr hing die schnellste Kollektion bereits nach drei Monaten in den Läden.

Möglich macht das eine alle Schritte umfassende Organisationsstruktur sowie eine Produktion in Europa. Das ist laut Voegeli zwar teurer als die Herstellung in Asien. Weil Charles Vögele so näher am Markt produzieren könne und es darum weniger Fehleinkäufe gebe, lohne sich das trotzdem. Insgesamt sollen jährlich zehn solcher Fast Track-Kollektionen in die Läden kommen.

Weitere Sparrunde am Hauptsitz wird geprüft

Den Hebel ansetzen will Voegeli aber auch bei den Kosten. «Es braucht von der Planung der Kollektion bis zur Belieferung der Läden schneller und schlankere Prozesse», sagte er. Das wird früher oder später auch den Abbau von Personal bedeuten. Bereits vor einem Jahr hat die Modegruppe am Hauptsitz in Pfäffikon 50 Stellen abgebaut. Jetzt prüft das Unternehmen weitere «Verschlankungsmöglichkeiten», wie es Voegeli nennt. Entscheide dazu seien jedoch noch keine gefallen.

Überlegungen anstellen muss sich das Unternehmen jedoch auch, wie es mit dem Eigenkapital weitergehen soll. Die Verluste der letzten Jahre haben das Eigenkapital von über einer halben Milliarde Franken Ende 2008 auf jetzt noch 88 Millionen Franken absinken lassen.

«Wir sind uns bewusst, wo das Eigenkapital steht», sagte dazu Voegeli. In Anbetracht der beträchlichen stillen Reserven und des Immobilienbesitzes des Unternehmens sehe die Situation jedoch dramatischer aus, als sie tatsächlich sei.

Zudem habe der grösste Aktionär, die Elarof Trust, ihre Unterstützung im Transformationsprozesses zugesagt, sagte Verwaltungsratspräsident Max Katz. Von einem Endspiel, wie von einigen behauptet, könne darum bei Charles Vögele keine Rede sein.

Weiteres anspruchsvolles Jahr

Für das laufende Jahr gibt sich die Unternehmensleitung vorsichtig optimistisch. Auch 2016 werde zwar für die Textilbranche ein anspruchsvolles Jahr, sagte Voegeli. Mit der Verschärfung des Transformationsprogamms sei Charles Vögele jedoch gut aufgestellt.

Bereits 2016 soll darum das operative Ergebnis vor Abschreibungen und Wertberichtigungen (EBITDA) positiv ausfallen. Im vergangenen Jahr resultierte hier noch ein Verlust von 9,1 Millionen Franken. 2018 soll dann auch das Betriebsergebnis (EBIT) wieder in den schwarzen Zahlen sein.

Weil Charles Vögele die bereits gedämpften Erwartungen deutlich verfehlt hat, stürzte die Aktie des Unternehmens an der Börse ab. Das Papier verlor bis 14.30 Uhr 7,9 Prozent seines Werts und kostete noch 6,17 Franken. Mitte Februar notierte die Aktie mit einem Kurs unter 5 Franken jedoch noch deutlich tiefer.

sda

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