Pferdefleischskandal
«Pferdefleisch ist zarter und qualitativ besser als Rindfleisch»

Ein Lebensmittelskandal um als Rindfleisch deklariertes Pferdefleisch erschüttert Europa. Pferdemetzger Hans-Ruedi Bossert aus Wohlen erklärt, woher die Abscheu gegen Pferdefleisch kommt. Und weshalb Pferdefleisch gesünder und billiger als Rind ist.

Doris Kleck
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Pferdefleisch in Tiefkühlprodukten erregt in Grossbritannien die Gemüter.

Pferdefleisch in Tiefkühlprodukten erregt in Grossbritannien die Gemüter.

KEYSTONE

Herr Bossert, kann ein Laie Rind- und Pferdefleisch unterscheiden?

Hans-Ruedi Bossert: Jein. Es kommt sehr darauf an, wie das Fleisch zubereitet und wie stark es gewürzt ist. Bei einem Stroganoff beispielsweise, erkennt nicht mal ein Metzger ob es sich um Rind- oder Pferdefleisch handelt.

Weshalb verabscheuen viele Menschen Pferdefleisch?

Viele Leute haben ein ethisches Problem mit Pferdefleisch – das rührt von der Kindheit her. Sie sagen: Ein Pferd ist doch ein schönes Tier. Ich antworte dann: Es gibt auch viele andere schöne Tiere, die wir essen. Andere Leute sagen wiederum, sie mögen das Pferdefleisch nicht, weil es süsslich ist. Doch das stimmt nicht. Ich denke es ist eine Kopfsache. Denn das Pferd ist ein sehr sauberes Tier und isst nur Kräuter. Pferdefleisch ist zarter als Rindfleisch und qualitativ höher stehend.

Welche Vorteile hat Pferdefleisch sonst noch?

Pferdefleisch ist mager und praktisch fettfrei. Wegen des hohen Eisengehalts ist zudem der Nährwert hoch. Pferdefleisch ist gesünder als Rindfleisch...

... und dennoch günstiger.

Ja. Nur Schweinefleisch ist billiger als Pferdfleisch. Doch im Sommer, wenn, die Nachfrage nach Schwein hoch ist, ist der Unterschied klein.

Ist die Nachfrage nach Pferdfleisch konstant?

Bei mir ist die Nachfrage eher steigend. Ich habe meine Pferdemetzgerei seit 20 Jahren. Jetzt kauft bereits die zweite Generation, also die Kinder meiner ersten Kunden, bei mir ein. Gibt es einen Skandal wie die Rinderseuche BSE sind die Leute offener und probieren auch mal Pferdefleisch.

Weshalb haben Sie vor 20 Jahren eine Pferdemetzgerei eröffnet?

Weil es ein Nischenprodukt ist und ich das Pferdefleisch sehr gerne habe. Vorher war ich Chefmetzger in der Migros. Lange hatte ich mich nach einem kleinen Geschäft umgeschaut. Denn ich mache alles alleine und bin ein typischer Einmannbetrieb. Nur für die Festtage helfen ein paar Frauen aus.

Woher beziehen Sie Ihr Pferdefleisch?

Praktisch alles aus den USA und Kanada – es ist das Beste.

Weshalb nicht aus der Schweiz?

Es gibt in der Schweiz viel zu wenig Pferdefleisch um die Nachfrage abzudecken. Pferde sind für Landwirte nicht interessant. Ein Pferd schlachtet man mit drei bis vier Jahren, ein Rind bereits nach 10 Monaten. Kraftmittel um das Wachstum zu fördern nützt beim Pferd nichts. Zudem brauchen Pferde Auslauf.

Gibt es denn Pferde, die nur zur Fleischproduktion gezüchtet werden?

Nein, die meisten Pferde kommen aus dem Sport. Das sind zum Beispiel Fohlen, welche für den Sport oder die Zucht nicht geeignet sind.

In der Romandie isst man viel mehr Pferdefleisch als in der Deutschschweiz, weshalb?

Ich weiss es nicht. Aber es stimmt: In der Romandie gibt es praktisch in jeder Gemeine eine Pferdemetzgerei. Im Bernbiet oder der Ostschweiz ist Pferdefleisch ebenfalls verbreitet. In Deutschland hingegen gibt es praktisch keine Pferdemetzgereien.

Was ist Ihr Lieblingsfleisch?

Pferd und Bison – Hauptsache möglichst viel.

Was empfehlen Sie jemandem, der zum ersten Mal Pferdfleisch ausprobieren will?

Ein Fondue chinoise oder Bourguignon.

Da merkt man doch vor lauter Saucen den Fleischgeschmack gar nicht.

Eben, das ist wie beim Gewürz. Doch beim Fondue kann man das Fleisch auch ohne Saucen essen.