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PFLEGE: Private Helfer wollen Gleichheit

Die Spitex boomt. Private Anbieter von Pflegeleistungen fühlen sich gegenüber der öffentlichen Spitex benachteiligt. Dies könnte sich bald ändern.
Spitex-Dienstleistungen sind gefragt. Im Bild: Die Pflegeassistentin Doris Ottiger misst am Wohnsitz einer Patientin in Root den Blutdruck. (Bild: Manuela Jans-Koch / Neue LZ)

Spitex-Dienstleistungen sind gefragt. Im Bild: Die Pflegeassistentin Doris Ottiger misst am Wohnsitz einer Patientin in Root den Blutdruck. (Bild: Manuela Jans-Koch / Neue LZ)

Bernard Marks

Ortstermin gestern Nachmittag in Luzern. Im Grossen Stadtrat antwortet die Regierung auf die Interpellation des Luzerner SVP-Präsidenten Peter With. Dieser hatte erhebliche Unterschiede bei der Finanzierung der Spitex-Einrichtungen festgestellt. Die Stadt räumte gestern Unterschiede bei der Gestaltung der Leistungsvereinbarungen ein und will diese in bestimmten Teilen neu ordnen. Der Entscheid könnte Strahlkraft für die gesamte Schweiz haben.

Was genau das Problem ist, beschreibt Pascale Ceresola. Sie ist Geschäftsführerin der «Gepflegt Spitex Luzern». «Die Nachfrage nach Pflegeleistungen ist enorm», sagt sie. Vor rund zwei Jahren hat sie sich deshalb selbstständig gemacht. Mit Erfolg: Heute beschäftigt die eidgenössisch diplomierte Hebamme und Brustkrebsberaterin zwölf Mitarbeiter. Im Vergleich zur öffentlichen Spitex gibt es aber für die privaten Organisationen wie die «Gepflegt Spitex Luzern» einen Wettbewerbsnachteil. Für bestimmte Leistungen bekommen private Spitex-Firmen keine Entschädigung vom Staat.

Ein Beispiel: Für einen Hausbesuch zur Haushaltshilfe bezahlt der Klient um die 35 Franken an die öffentliche Spitex. Die meisten privaten Organisationen verrechnen um die 45 Franken. Bei den privaten Spitex-Organisationen ist der Tarif teurer, da sie keine Restfinanzierung erhalten. Die öffentlichen Anbieter bekommen aber von den Gemeinden Restkosten von zirka 55 Franken erstattet.

Rasantes Wachstum

Private Spitex-Organisationen wie die «Gepflegt Spitex Luzern» verzeichneten in jüngster Vergangenheit ein starkes Wachstum. Wurden im Jahr 2012 knapp 114 000 Stunden von 13 privaten Luzerner Spitex-Organisationen geleistet, waren es ein Jahr später über 137 000 Stunden von 18 Anbietern (wir berichteten). Auch die Zunahme an Vollzeitstellen in der Schweiz verdeutlicht das rasante Tempo des Wachstums hierzulande. Nach Angabe des Verbandes privater Spitex-Anbieter (ASPS) nahmen seit dem Jahr 2011 die Vollzeitstellen privater Spitex-Anbieter von 1758 auf über 3500 zu (siehe Grafik). Zum Vergleich: Gemeinnützige Spitex-Organisationen beschäftigten schweizweit 33 545 Personen und versorgten 179 920 Kunden mit Pflegeleistungen. «Es braucht neben öffentlichen private Spitex-Unternehmen auf dem Markt. Die sind kreativ, stehen im Wettbewerb mit den öffentlichen und müssen schneller reagieren», sagt Markus Reck. Er ist Vorstandsmitglied beim ASPS. Rund 150 Betriebe privater Unternehmen, Stiftungen und Vereine sind darin organisiert.

Markus Reck beobachtet einen Wandel in der Gesellschaft, insbesondere bei den älteren Menschen. «Viele Menschen über 65 setzen sich nach der Pensionierung Ziele für das Alter. Das ändert sich auch nicht ab 70 oder 80. Man ist länger aktiver», sagt Reck. Heute bleiben Menschen bis ins hohe Alter daheim, auch wenn sie in gewissen Bereichen des Alltags Hilfestellung benötigen. Deshalb ist das Spitex-Angebot so wichtig geworden. «Und die Nachfrage wird aufgrund der demografischen Entwicklung in Zukunft weiter zunehmen», sagt Reck weiter. Trotz des Wachstums herrsche keine Goldgräberstimmung in der Spitex-Branche. «Aber es gibt viele gesetzliche Auflagen und Personalzwänge», sagt Reck. Auch auf die Kosten müsse man achten.

Gemeinnützige sehen Konkurrenz

Die gemeinnützigen Spitex-Organisationen sehen in den privaten auch eine Konkurrenz. «Die privaten Spitex-Betriebe decken heute Nischen ab, sie müssen nach Geschäftsfeldern suchen, da ist es ein Vorteil, wenn man flexibler ist», sagt Reck. Schliesslich ändern sich die Wünsche der Kunden und die gesellschaftlichen Bedürfnisse, sie werden individueller und die Menschen anspruchsvoller. «Dem sollte auch das Spitex-Angebot entsprechen», sagt Reck. Konkurrenz herrsche vorwiegend auch deshalb, weil sich private Spitex-Organisationen die Klienten aussuchen könnten. «Wir lehnen zwar keine Patienten ab, doch wir müssen auf unsere Kosten achten. Wenn sich ein Besuch bei einem Patienten nicht lohnt, müssen wir absagen», sagt Marcel Durst, ASPS-Geschäftsführer. In der Tat haben private Anbieter keine Versorgungspflicht. Sie können somit auch Einsätze ablehnen, die sich nicht rechnen – etwa eine 30-minütige Fahrt zu einem Patienten, der abgelegen wohnt und lediglich das Richten der Medikamente benötigt, was 10 Minuten dauert. «Wir können oder müssen aber auch absagen, weil wir keinen Leistungsvertrag haben, welcher die Finanzierung durch den Staat garantiert», sagt Marcel Durst.

Die Vergabe von Leistungsverträgen ist sehr unterschiedlich geregelt. In 17 Kantonen sind die Gemeinden für die Vergabe zuständig, in den restlichen neun der Kanton. Obwohl private Anbieter auf einen hohen Marktanteil bei der häuslichen Pflege kommen – in Kantonen wie Genf und Tessin haben private Spitex-Anbieter bereits einen Marktanteil von 30 bis 35 Prozent – bekommen sie trotzdem von behördlicher Seite in gewissen Bereichen keinen Leistungsauftrag. Ein Missstand, der laut Durst behoben gehört. Er fordert deshalb gleich lange Spiesse für alle Spitex-Angebote. «Wir werden in Zukunft alle Kräfte benötigen, um die Versorgung der betagten Bevölkerung aufgrund der demografischen Entwicklung sicherzustellen», sagt Peter With. Der gestrige Schritt der Luzerner Regierung könnte ein Anfang für mehr Gerechtigkeit im Schweizer Spitex-Wesen gewesen sein.

Bild: Grafik: Oliver Marx / Neue LZ

Bild: Grafik: Oliver Marx / Neue LZ

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