Pflegezentren als Investment: Zuger Investmentgesellschaft Capvis geht neue Wege

Die Baarer Beteiligungsgesellschaft Capvis wächst stark. Nun hat sie die Pflegeheimgruppe Tertianum gekauft.

Maurizio Minetti
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Gehört zur nun verkauften Tertianum-Gruppe: Die Residenz Bellerive in Luzern.

Gehört zur nun verkauften Tertianum-Gruppe: Die Residenz Bellerive in Luzern.

Bild: Boris Bürgisser (16. Dezember 2019)

Der jüngste Deal hat für Aufsehen gesorgt. Am Freitag hat die Oltner Immobiliengesellschaft Swiss Prime Site bekanntgegeben, dass sie die Alters- und Pflegeheimgruppe Tertianum an die Baarer Beteiligungsgesellschaft Capvis verkauft. Zu den über 80 Wohn- und Pflegezentren sowie Residenzen von Tertianum gehören auch die Residenz Belle­rive und das Wohn- und Pflegezentrum Sternmatt in Luzern.

Den Kaufpreis gaben Swiss Prime Site und Capvis nicht bekannt; gemäss Schätzungen dürfte gut eine halbe Milliarde Franken geflossen sein.

Komax an die Börse gebracht

Für Capvis ist das eine bedeutende Transaktion, denn die Zuger Investmentfirma war bislang nicht im Pflegesektor aktiv. Capvis ist darauf spezialisiert, Mehrheitsbeteiligungen an nicht börsenkotierten Technologie- und Serviceunternehmen zu kaufen und diese nach einer Zeitspanne von rund fünf Jahren wieder gewinnbringend zu verkaufen oder an die Börse zu bringen. Einen Börsengang der Tertianum-­Gruppe schliesst Capvis-CEO Daniel Flaig im Gespräch mit unserer Zeitung denn auch explizit nicht aus.

«Mit dem Kauf von Tertianum unterstreichen wir die Stellung als grösste Schweizer ­Private-Equity-Gesellschaft für Direktinvestments», sagt Flaig. Der aktuelle Capvis-Fonds hat einen Wert von 1,2 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der erste Capvis-Fonds im Jahr der Firmengründung 1990 war 84 Millionen Franken schwer. Seit der Jahrtausendwende hat Capvis nur noch Euro-Fonds aufgelegt, weil sich die Firmen, die Capvis übernommen und wieder verkauft hat, vorwiegend im Euro-Raum bewegen. «Wir haben in den letzten 25 Jahren zehn Firmen an die Börse gebracht, davon acht aus der Schweiz», sagt CEO Flaig. Eine dieser Firmen war der Kabelmaschinenhersteller Komax aus Dierikon. Zu den Capvis-Investoren gehören vorwiegend institutionelle Anleger wie Pensionskassen und Versicherungen.

Aus dem Bankverein entstanden

Capvis hiess bis vor zwanzig Jahren SBC Equity Partners. Die Abkürzung stand für Swiss Banking Corporation, womit die englische Übersetzung des Schweizerischen Bankvereins gemeint war. Aus der Vorgängerbank der heutigen UBS war SBC nämlich Mitte der Neunzigerjahre entstanden. Von 1995 bis zur Fusion von UBS und Bankverein im Jahr 1998 war SBC die Organisation des Bankenvereins für Private-Equity-­Investitionen in Europa. Nach der Fusion wurde aus dem Team die Capvis Equity Partners mit Sitz in Opfikon. Erst vor sechs Jahren hat die Gesellschaft den Hauptsitz nach Baar verlegt, wo heute rund 40 Personen arbeiten. Für Baar entschied man sich, weil sich dort – neben Pfäffikon im Kanton Schwyz– ein Zentrum der Schweizer Private-­Equity-Branche etabliert habe, sagt Flaig.

Tatsächlich befindet sich auf der gleich gegenüberliegenden Strassenseite der Hauptsitz der Partners Group, die allerdings um einiges grösser als Capvis ist und das ganze Spektrum von Privatmarktanlagen anbietet (Aktien, Infrastrukturen, Immobilien). Als Konkurrenten sehen sich die beiden Unternehmen nicht, wie Flaig sagt: «Wir haben schon mehrmals zusammen Transaktionen durchgeführt.» So hat Capvis den Ostschweizer Vakuumventile-Hersteller VAT Group zusammen mit Partners Group im Februar 2014 übernommen und im April 2016 an die Börse gebracht.

Investmentgesellschaften wie Capvis operieren meistens im Hintergrund, um für ihre Investoren Mehrwert zu schaffen. So gehört das Baarer Unternehmen heute zu 100 Prozent neun Partnern. Partners Group wagte vor 13 Jahren trotzdem den Börsengang – und entpuppte sich in der Folge als Börsenüberflieger. Wäre ein Börsengang von Capvis ebenfalls denkbar? Flaig sagt, solche Pläne bestünden derzeit nicht, ergänzt aber: «Was in Zukunft sein wird, kann ich noch nicht sagen.»