Börse
Pharma-Aktien sind keine Beruhigungspille mehr

Die unsichere Entwicklung in der Eurozone stellt die Pharma-Aktien als sicheren Hafen infrage. Die Konzerne selbst warnen, dass wegen der staatlichen Sparbudgets die Medikamentenpreise und damit ihre Gewinnmargen sinken könnten.

Isabel Strassheim
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Wer Pharmatitel kauft, packt nicht unbedingt Sicherheit in den Sack.

Wer Pharmatitel kauft, packt nicht unbedingt Sicherheit in den Sack.

Keystone

«Der Preisdruck ist vor allem in Europa seit letztem Jahr ein anhaltendes Thema», sagt Martin Vögtli, Pharmaexperte des Brokerhauses Helvea. Die Umsätze der Konzerne werden nämlich nicht nur von den Krankenkassen, sondern auch von den öffentlichen Haushalten getragen. Und hier setzt der Rotstift an.

Auch Sarasin-Analyst David Kägi ist sich der verschärften Bedingungen der Pharmabranche bewusst. Den «Preisdruck durch Austerität in Europa» reflektieren ihm zufolge die «historisch moderaten Bewertungen». Roche wie auch Novartis notieren aktuell deutlich unter ihren jeweiligen Sechsmonatshochs.

Und der Konsens für das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt für Roche mit dem 12-fachen sowie für Novartis mit dem 9-fachen des für 2013 geschätzten Gewinns historisch äusserst tief. Die Gewinnschätzungen der Analysten mögen also noch vielversprechend sein, aber an der Börse machen die Aktien trotzdem keine Freudensprünge.

Ähnlich wie der Franken am Devisenmarkt, galt die Pharma-Aktie an der Börse bislang als sicherer Hafen für Investoren. Denn der Bedarf nach Medikamenten war klassischerweise stabil und unterlag keinem Konjunkturzyklus. Weil es aktuell aber nicht mehr nur um die Konjunkturentwicklung geht, sondern um die massiven Staatsschulden, sind die defensiven Titel nun jedoch selbst in die Defensive geraten.

Angst vor Europa-Krise

Für die Bank Sarasin überwiegt aber noch der Schutzcharakter der Pharmatitel. Sie hat unlängst den Gesundheitssektor hochgestuft und Anlegern empfohlen, Roche oder Novartis zu kaufen. Pharmazeutika, Biotech und Life-Sciences-Titel brachten Sarasin zufolge in den letzten sechs Monate eine Rendite von 6,3 Prozent, im letzten Jahr allerdings lag die Rendite demnach bei minus 0,7 Prozent.

Zum Teil waren die Pharmatitel gefragt. Kepler-Analyst Vögtli verweist darauf, dass die strategischen Anlageexperten des Brokerhauses im vergangenen November den Gesundheitssektor auf «Übergewichten» gesetzt hatten. Der Grund für diese Heraufstufung lag im Wesentlichen in der akuten Gefahr, dass Europa in eine Rezession abgleiten könnte. Inzwischen haben sich die Zeichen für einen Abschwung noch verstärkt.

Vor allem aber macht die Staatsverschuldung der Branche zusätzlich zu ihren hausgemachten Problemen wie dem Ablauf wichtiger Patente zu schaffen. «Die Pharmabranche ist nicht mehr per definitionem eine Wachstumsbranche», sagt Senior-Portfoliomanager Oliver Kubli von Adamant. Diesmal ist auch der sichere Hafen von den Unwettern tangiert. Dabei ist noch offen, wie sich die Zahlungsausfälle für Medikamentenlieferungen in die prekären Euro-Staaten auf den Umsatz der Branche auswirken. Spanien und Italien gehören zu den Top-5-Pharmamärkten in Europa. Roche und Novartis machen dazu derzeit keine Angaben. Die Halbjahreszahlen werden darauf erste Hinweise geben.