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PHARMA: Neuer Novartis-Chef reisst die Fenster auf

Ab Februar hat Vasant Narasimhan bei Novartis das Sagen. Er will den Konzern durchlüften und eine «kulturelle Transformation» einleiten. Die Betriebsstruktur soll weniger hierarchisch gestaltet werden.
Daniel Zulauf
Der neue Novartis-CEO Vasant Narasimhan (41). Bild: Keystone (Bild: Keystone)

Der neue Novartis-CEO Vasant Narasimhan (41). Bild: Keystone (Bild: Keystone)

Sieben Jahre nach dem Rücktritt von Daniel Vasella und dem Interregnum des Betriebswirtschafters und Marketingspezialisten Joseph Jimenez übernimmt mit Vasant Narasimhan wieder ein gelernter Mediziner die operative Leitung des Pharmamultis. Der 41-jährige Amerikaner mit indischen Wurzeln trat gestern erstmals in seiner neuen Rolle auf. Angst vor der grossen Managementaufgabe hat der Senkrechtstarter offensichtlich keine. Novartis habe einen Kulturwandel nötig, sagte er auf der Jahresmedienkonferenz in ­Basel. Die Zeit sei gekommen, das Unternehmen zu entbürokratisieren. Innovative Ideen sollten mehr von unten statt von oben kommen. Dafür seien inspirierte und selbstverantwortliche Mitarbeiter nötig. In dem mehr als 120 000 Köpfe zählenden Personal sei das nötige Talent vorhanden.

Man hätte diese Bemerkungen durchaus als Kritik an der Arbeit des scheidendenden CEO auffassen können. Doch «Vas», wie sich der Neue selber nennt, war geschmeidig genug, seine Ziele als natürliche Fortsetzung der 21-jährigen Geschichte von Novartis darzustellen. Vasella habe aus den beiden Industrieunternehmen Ciba-Geigy und Sandoz ein diversifiziertes Gesundheitsunternehmen geschaffen. Unter Jimenez sei die Zusammenarbeit gefördert und die Spezialisierung vorangetrieben worden. Nun gehe es auf einer nächsten Stufe der Integration vor allem darum, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen und die Konturen weiter zu schärfen.

Die Gelegenheit für solche Veränderungen ist offenbar günstig, denn Novartis steht im Urteil von Jimenez am Anfang einer neuen Wachstumsphase. Zwar hielt sich das Umsatzwachstum von 1 Prozent auf 49 Milliarden Franken im letzten Jahr in engen Grenzen, und dieses Jahr wird eine Beschleunigung auf höchstens 5 Prozent erwartet. Doch für die darüber hinaus gehenden Jahre zeigt sich Novartis zuversichtlich, zumal die jährlichen Umsatzverluste nach dem Patentablauf des Leukämiepräparates Glivec rein rechnerisch kleiner werden. Der nächste grosse Blockbuster Gilenya wird erst 2020 den ­Patentschutz verlieren. Das MS-Medikament ist mit einem Umsatz von 3,2 Milliarden Dollar zudem klar unwichtiger als Glivec.

Problemkind Sandoz

Die Uhr scheint also für Narasimhan zu laufen. Das zeigt sich auch daran, dass man sich mit dem Entscheid über die Zukunft der Augenheiltochter Alcon mehr Zeit als ursprünglich erwartet geben will. Alcon weist zwar wieder steigende Verkaufszahlen aus, doch die Firma, die Vasella einst für über 50 Milliarden Dollar eingekauft hatte, produziert weiter Verluste. Die sich abzeichnende positive Entwicklung müsse über mehrere Quartale hinweg bestätigt werden, sagte Narasimhan.

Schwierige Fragen stellen sich auch bei Sandoz, der Tochter für Nachahmermedikamente. Die Division weist rückläufige Verkaufszahlen und ein sinkendes Ergebnis aus. Schuld sei das Geschäft mit Kopien von einfachen Pillen und Pülverchen in den USA. In dem Markt tobt ein heftiger, von der Gesundheitsbehörde durchaus gewollter Preiskampf, der viele Anbieter, darunter auch Sandoz, zum Ausstieg zwingen könnte. Für Sandoz geht es immerhin um einen Jahresumsatz von 1,5 Milliarden Dollar oder 15 Prozent der Gesamtverkäufe.

Dass Novartis das vergangene Jahr mit einem um 15 Prozent gestiegenen Reingewinn beenden konnte, verdanken die Schweizer aber in erster Linie ihrem britischen Joint-Venture-Partner GSK, der das 2015 übernommene Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten zu einem hoch rentablen Geschäft umbaut. Novartis hat im Berichtsjahr aus dem 36,5 Prozent Anteil an dem Gemeinschaftsunternehmen einen Gewinn von 629 Millionen Dollar gezogen – fast dreimal mehr als im Vorjahr. An einen Verkauf denkt derzeit niemand. Das Potenzial sei noch nicht ausgeschöpft, erklärte Narasimhan. Bei den Aktionären kommt er mit seiner ersten Generaldiagnose ähnlich gut an wie damals Vasella vor 21 Jahren. Beide rissen als erstes die Fenster auf, im Wissen, dass frische Luft die Leistungsfähigkeit steigert. Die Novartis-Aktien legten gestern 2,8 Prozent auf knapp 86 Franken zu. Die Dividende steigt auf 2,80 Franken pro Aktie.

Daniel Zulauf

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