PHARMA: Novartis-Aktionäre machen Druck

Der Basler Pharmariese Novartis kommt bei Umsatz und Gewinn kaum vom Fleck. Der Konzern erwägt den Verkauf der Augenheilsparte Alcon und kündigt einen Aktienrückkauf an.

Daniel Zulauf
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Novartis-CEO Joseph Jimenez (rechts) mit Finanzchef Harry Kirsch (links) gestern in Basel. (Bild: Patrick Straub/Keystone (25. Januar 2017))

Novartis-CEO Joseph Jimenez (rechts) mit Finanzchef Harry Kirsch (links) gestern in Basel. (Bild: Patrick Straub/Keystone (25. Januar 2017))

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

Beim Basler Pharmakonzern Novartis werden die Aktionäre offenbar ungeduldig. Das Unternehmen musste im vergangenen Jahr sowohl einen tieferen Umsatz als auch einen niedrigeren Gewinn ausweisen. Der 2016 gegenüber den meisten anderen Währungen deutlich erstarkte US-Dollar war diesmal zwar nicht die ideale Rechnungswährung, aber auch wenn die negativen Wechselkurseffekte ausgeklammert werden, zeigt sich: Novartis kommt nicht vom Fleck.

Konzernchef Joseph Jimenez versuchte die gezeigte Leistung gestern anlässlich der Präsentation der Jahreszahlen nach Kräften in ein besseres Licht zu rücken. Der flache Umsatzverlauf sehe zwar «langweilig» aus, räumte er ein, dies aber nur, um sogleich zu betonen, dass es dem Unternehmen gelungen sei, 2,5 Milliarden Dollar Umsatzverlust als Folge von Patentabläufen durch steigende Verkaufszahlen neuer Medikamente auszugleichen. Diese Botschaft ist zwar positiv, aber sie ist weder neu, noch tönt sie in den Ohren der auf Wachstum zielenden Investoren besonders attraktiv.

Weiteres Jahr der Stagnation prognostiziert

Im Wissen um die zunehmend ­dicke Luft im Aktionärskreis hat Novartis deshalb ein neues Fenster geöffnet. Alcon, die Augenheilsparte, die der Konzern noch unter Führung des früheren Präsidenten Daniel Vasella in mehreren Schritten von 2008 bis 2010 für 51,6 Milliarden Dollar erworben hatte, könnte bald einmal veräussert werden. Man werde im laufenden Jahr alle Optionen für die Division prüfen, einschliesslich eines Verkaufs via Börsengang, sagte Jimenez.

Alcon mutierte unter dem amerikanischen CEO von einem wachstums- und ertragsstarken Unternehmen zu einem Problemfall. 2016 musste die Gesellschaft bei einem um 3 Prozent gesunkenen Umsatz einen operativen Verlust von 132 Millionen Dollar ausweisen. Die Schwächen von Alcon sind hausgemacht, wie Jimenez schon vor einem Jahr eingeräumt hatte. Man habe zu wenig in die Entwicklung investiert und in den Bereichen Service und Kundenschulung zu stark auf die Kosten gedrückt.

Nach einem Managerwechsel ruhen die Hoffnungen seit einem Jahr auf dem 60-jährigen Kanadier Mike Ball, der die angeschlagene Division zu neuen Ufern führen soll. Ball geniesst das Vertrauen der Investoren, nachdem er den angeschlagenen US-Generikahersteller Hospira in wenigen Jahren aus der Krise führte, um ihn schliesslich zu einem hohen Preis an Pfizer zu verkaufen. Über einen Verkauf könnte sich Novartis des Bremsklotzes Alcon zwar rasch entledigen. Doch die im Zusammenhang mit der seinerzeitigen Akquisition bilanzierten Vermögenswerte, unter anderem der auf das damalige Eigenkapital von Alcon bezahlte Aufpreis, stehen noch mit fast 17 Milliarden Dollar in der Bilanz von Novartis. Wenn Alcon nicht bald deutlich bessere Geschäftszahlen vorweisen kann, könnten die Revisoren bei einem Verkauf auf einer für Novartis schmerzlichen Wertberichtigung bestehen.

Die Aussicht auf einen Alcon-Verkauf ist für die Novartis-­Aktionäre deshalb noch kein Grund zum Jubeln. Als Stimmungsheber lässt der Verwaltungsrat darum einen weiteren Aktienrückkauf im Wert von 5 Milliarden Dollar ankündigen. Zur Finanzierung dieses Kapitalrückkaufs wird Novartis die Bilanz mit weiteren Schulden beladen. Auch die Bezahlung einer Dividende von 2.75 Franken pro Titel kostet den Konzern mit 6,5 Milliarden Franken fast den ganzen Jahresgewinn.

Novartis benötigt also bald eine reale Leistungssteigerung, um die Aktionäre bei der Stange zu halten. Im laufenden Jahr ist diese aber nicht zu erwarten. Jimenez prognostizierte gestern ein weiteres Jahr der Stagnation. Hoffnungen weckt er dagegen für die Jahre danach, in denen die grössten Einbussen durch Patentabläufe überwunden sein sollen.

Trotz des wenig begeisternden Leistungsausweises liess sich Jimenez 2016 eine Entschädigung von knapp 12 Millionen Franken zusprechen.