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PHARMA: Roche bleibt in der Spur

Roche zeigt ein anhaltend robustes Wachstum. CEO Severin Schwan lässt die in den USA geführte Diskussion um Medikamentenpreise kalt.
Daniel Zulauf
Nicht nur der Roche-Turm in Basel glänzt, auch die jüngsten Zahlen tun es. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

Nicht nur der Roche-Turm in Basel glänzt, auch die jüngsten Zahlen tun es. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

Daniel Zulauf

Roche hat zwei Tage nach dem Lokalrivalen Novartis robuste Zahlen zum Geschäftsgang im ersten Halbjahr vorgelegt. Konzernchef Severin Schwan verwies gestern mit besonderer Deutlichkeit auf die viel versprechenden Verkaufserfolge von drei Therapien, die erst Ende Jahr lanciert worden sind. Roche bringe innerhalb von zwölf Monaten fünf neue Medikamente auf den Markt, betonte Schwan. «Das ist beispiellos in der Geschichte von Roche», sagte der CEO.

Neue Therapien im Test

Mit dem Umsatzwachstum von 5 Prozent zu konstanten Wechselkursen bleibt der Pharmakonzern exakt in der Spur der vergangenen Jahre, wobei die Übertragung der Verkäufe in die Rechnungswährung Schweizer Franken das Umsatzwachstum für einmal etwas besser aussehen lässt (+6 Prozent).

Die Pharmadivision expandiert mit einer Rate von 4 Prozent etwas weniger dynamisch als die deutlich kleinere Diagnostik-Division (+6 Prozent). Mabthera, das grösste und bereits in die Jahre gekommene Präparat im breiten Sortiment der von Roche angebotenen Krebstherapien, schaffte im Berichtsabschnitt ein Verkaufswachstum von 4 Prozent auf 3,7 Milliarden Franken. Mabthera gehört zu jenen Blockbustern, die in den nächsten Jahren Konkurrenz durch biologische Generika erfahren dürften. Zum Schutz der Franchise testet Roche neue Kombinationstherapien. Eine solche, die auf die Behandlung von Lymphdrüsenkrebs abzielt, ist vor wenigen Tagen in der dritten klinischen Phase gescheitert. Schwan zeigte sich darüber aber nicht allzu konsterniert. Er verwies auf den Umstand, dass die Kombination ihre Wirksamkeit gegen ein etwas anders geartetes Lymphom habe beweisen können und der Zulassungsantrag für die Therapie eingereicht worden sei. Im Erfolgsfall – und davon scheint Schwan auszugehen – sollen 70 Prozent der Mabthera-Franchise einen neuen Patentschutz gegen Generika-Konkurrenz erhalten.

Roche ist der mit Abstand grösste Anbieter von Krebstherapien. Mit einem Jahresumsatz von rund 27 Milliarden Franken in diesem Bereich hat der Konzern einen Weltmarktanteil von über 25 Prozent. Die drei grössten Anbieter von Krebsmedikamenten, zu denen auch Novartis gehört, teilen sich zusammen etwa 50 Prozent des Weltmarktes. Dahinter drängen sich aber immer mehr neue Firmen in den Onkologie-Markt. Dieser verspricht nicht nur hohe Gewinnmargen, sondern auch das höchste Wachstum innerhalb der Pharmabranche.

Druck auf das Diabetes-Geschäft

Das grösste Absatzgebiet sind die USA, wo die Branche die höchsten Preise erzielt. Der anstehende Präsidentenwechsel macht Schwan offenbar keine Sorgen, obschon sowohl Clinton wie Trump im Wahlkampf die hohen Medi­kamentenpreise angeprangert und zum Teil als «Wucher» bezeichnet haben. Schwan räumte zwar ein, dass die öffentliche Diskussion über die Medikamentenpreise in den USA zugenommen habe, aber diese sei stark beeinflusst von einigen sehr kleinen Generikaherstellern, die ihre Preise unverhältnismässig hochgeschraubt und das System «missbraucht» hätten. Er sei «sehr optimistisch», was die Zukunft des Geschäfts in den USA anbelange, und erwarte «keine fundamentale Änderung». Schwierig bleibt das US-Geschäft aber im Diabetes-Bereich, wo Roche weitere Umsatzeinbussen hinnehmen musste. Die Preise für Blutzuckerstreifen stehen seit über zwei Jahren unter starkem Druck und haben Roche erhebliche Umsatzeinbussen beschert. Der Druck habe im zweiten Quartal etwas nachgelassen, sagte Schwan. Bald wird Roche ein neues Blutzuckermessgerät lancieren, um dem Preisdruck auszuweichen. Diabetes Care wird schon seit längerer Zeit restrukturiert. Im Berichtsabschnitt wurden Kosten für Standortschliessungen und andere Massnahmen zur Verbesserung der Effizienz im Umfang von 140 Millionen Franken verbucht. Gesamthaft schlugen die Restrukturierungen mit 391 Millionen Franken zu Buche. Der Konzerngewinn stieg dennoch um 3 Prozent auf 5,5 Milliarden Franken.

Aussenhandel: Pharma top, Uhrenindustrie leidet

BERN sda/red. Die guten Zahlen von Roche illustrieren, dass es der hiesigen Pharmabranche trotz starkem Franken gut geht. Dies zeigen auch die gestern veröffentlichten Exportzahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV).

Industrie leidet weiterhin

Die umsatzmässig grösste Warengruppe, die der chemisch-pharmazeutischen Produkte, verzeichnete ein Exportplus von 15 Prozent. Insgesamt wuchsen die Exporte in den ersten sechs Monaten des Jahres um 5,1 Prozent auf 105,4 Milliarden Franken. Im zweiten Quartal betrug das Exportvolumen 53,6 Milliarden Franken, nach 51,7 Milliarden im ersten Quartal (siehe Grafik).

Schlecht geht es hingegen der Uhrenindustrie. Hier brachen die Exporte um mehr als 10 Prozent weg. Zu schaffen machen der Uhrenbranche zusätzlich die Antikorruptionskampagnen und die hohen Steuern auf Luxusgüter in China. Der Markt in Hongkong etwa, wo chinesische Käufer sich früher gerne mit Luxusuhren eingedeckt haben, ist zusammengebrochen. Auch diese Entwicklung zeigte sich gestern anhand von Zahlen konkret: Swatch hat wie angekündigt ein äusserst schwaches erstes Halbjahr hinter sich. Der Konzerngewinn sank um 52 Prozent auf noch 263 Millionen Franken, der Umsatz sank um 11 Prozent auf 3,7 Milliarden Franken. Die Branchen Maschinen und Elektronik entwickelten sich mit einem Rückgang von 0,7 Prozent ebenfalls unter Vorjahr. Exemplarisch zeigen dies die gestern veröffentlichten Zahlen des Industriekonzerns ABB: Der Reingewinn sank im zweiten Quartal um 31 Prozent auf rund 400 Millionen Dollar, der Umsatz um 5 Prozent auf 8,7 Milliarden.

Schere öffnet sich immer mehr

Dass die Publikation dieser Ergebnisse auf den gleichen Tag fällt wie die neueste Statistik der Eidgenössischen Zollverwaltung, ist zwar rein zufällig, doch eben kongruent mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Die Importe stiegen im ersten Halbjahr um 3,9 Prozent auf 86 Milliarden Franken, im zweiten Quartal lagen sie bei 43,8 Milliarden. In der Handelsbilanz resultiert ein Überschuss von 19,3 Milliarden Franken. Das ist ein neuer Rekord und eine Fortsetzung des Trends. Die Schere zwischen Import und Export öffnet sich seit Monaten immer mehr. Geografisch betrachtet stiegen die Exporte vor allem nach Nordamerika (+16 Prozent) und nach Europa (+5 Prozent), während sie nach Asien insgesamt stagnierten. Nach Singapur oder auch China nahmen die Exporte um 11 respektive 9 Prozent zu, nach Hongkong gingen sie wegen der Uhrenflaute um 15 Prozent zurück.

Bei den Importen gingen die Einfuhren aus Lateinamerika zurück (–29 Prozent), aus Nordamerika (+24 Prozent) oder auch Europa (+3 Prozent) nahmen sie hingegen zu.

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