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PHARMA: Unsichere Aussichten für Roche

Selbst dem weltgrössten Biotechkonzern Roche setzen Rivalen immer mehr zu. Die Basler müssen in den kommenden Jahren mit Umsatzeinbussen rechnen.
Daniel Zulauf
Die Roche-Spitze (von links) Daniel O’Day, Severin Schwan, Alan Hippe, Roland Diggelmann. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone (Basel, 1. Februar 2018))

Die Roche-Spitze (von links) Daniel O’Day, Severin Schwan, Alan Hippe, Roland Diggelmann. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone (Basel, 1. Februar 2018))

Daniel Zulauf

Während Jahren herrschte in der weltweiten Pharmaindustrie so etwas wie eine kollektive Angst des Versagens: Wie tief wird der Fall über die Patentklippe sein, lautete stets die bange Frage in der Branche. Der Basler Konzern Roche schien davon lange Zeit unberührt zu sein.

Das Unternehmen hatte mit dem Kauf des amerikanischen Biotech-Konzerns Genentech ­bereits im Jahr 1990 einen grossen Schritt weg von der traditionellen synthetischen Chemie hin zur zukunftsträchtigen Biotechnologie gemacht. Der strategische Zug machte die Basler schon vor langer Zeit zur weltgrössten Herstellerin von Biologika.

Umsatzstarke Medikamente verlieren den Patentschutz

Abgesehen davon, dass bio­logische Therapien inzwischen State of the Art in der Pharmazie darstellen, sind solche Medikamente darüber hinaus auch viel schwieriger zu kopieren als Pillen, die auf handfesten chemischen Formeln basieren. Während in der amerikanischen ­Generika-Industrie bereits ein harter Ausscheidungskampf stattfindet, bei dem einige Firmen auf der Strecke bleiben dürften, kommt die Biosimilar-Industrie jetzt erst richtig in Fahrt.

Nun sammelt auch Roche die ersten Erfahrungen mit Biosimilars, und diese sind für den erfolgsverwöhnten Konzern doch eher beunruhigend. Die Krebstherapie Mabthera hat im zweiten Quartal 2017 den Patentschutz in Europa verloren, und seither sind die Verkäufe im zweistelligen Prozentbereich rückläufig – Tendenz stark zunehmend. Eine andere Krebstherapie namens Herceptin hat den Patentschutz in Europa ebenfalls im zweiten Halbjahr 2017 verloren. Noch sind allerdings die Umsätze nicht eingebrochen, weil es Roche mit Hilfe einer neuen patent­geschützten Darreichungsform gelungen ist, unliebsame Konkurrenz vorerst zurückzubinden. Doch Mabthera und Herceptin werden ab dem Jahr 2019 auch in den Vereinigten Staaten den Patentschutz verlieren, und ein Jahr später gilt das Gleiche auch für eine dritte Krebstherapie mit der Bezeichnung Avastin. Die drei Therapien haben Roche 2017 rund 21 Milliarden Franken oder fast 40 Prozent des Umsatzes eingebracht. Roche-Konzernchef Severin Schwan sagt aber, das Unternehmen sei gut aufgestellt, sich gegen die «steigenden Herausforderungen zu behaupten». Im Vorjahr tönte er aber noch eine Spur selbstsicherer.

Wertberichtigung von 1,6 Milliarden Franken

Zwar verfügt Roche tatsächlich über neue Medikamente, die derzeit durchaus für Furore sorgen. Ocrevus, ein Präparat zur Behandlung von Multipler Sklerose, schaffte den Sprung zum Umsatzmilliardär quasi aus dem Stand. Und auch die Immuntherapie Tecentriq kann den hohen Erwartungen teilweise gerecht werden. Doch auch der Pharmariese Roche ist vor Rückschlägen nicht gefeit. Esbriet, ein Medikament zur Behandlung schwerer Lungenerkrankungen, das man 2014 über den Kauf der kalifornischen Intermune für über 8 Milliarden Dollar ins Portefeuille aufgenommen hatte, hält nicht, was das Präparat damals versprochen hatte. «Wir glaubten, dass wir das Medikament in einem früheren Behandlungsstadium zur Verfügung stellen könnten», erklärte Roche-Chef Schwan die Enttäuschung. Die Folge: Roche musste zu Lasten der Rechnung 2017 eine Wert­berichtigung von 1,6 Milliarden Franken vornehmen. «Das Jahr des Übergangs», wie Severin Schwan 2018 beschreibt, dürfte bei Roche eine weitere Umsatzverflachung bringen.

Versüsst wird den Aktionären das Geschäftsjahr immerhin durch die US-Steuerreform, die Roche aufgrund ihrer Anteile bedeutenden US-Tochter-Genentech eine starke Erleichterung im Rahmen eines «hohen dreistelligen Millionenbetrages» bringen werde. Trotz der 31. Dividendenerhöhung in Folge zeigten sich die Investoren von den jüngsten Neuigkeiten dennoch wenig überzeugt. Die Genussscheine verloren mehr als 2 Prozent ihres Wertes und notieren trotz Börsenboom fast 2 Prozent tiefer als vor einem Jahr.

Bild: Tabelle: LZ

Bild: Tabelle: LZ

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