Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

PHARMASUISSE: Apotheker stossen zunehmend auf ärztliches Terrain vor

Die Apothekendichte in der Schweiz nimmt ab. Gleichzeitig stossen die Apotheker zunehmend auf ärztliches Terrain vor. Dafür verantwortlich sind nicht zuletzt Margenprobleme.
Balz Bruder
Eine Mitarbeiterin der Apotheke Wyss in Baden bedient Kunden: Ein Viertel der Apotheken in der Schweiz kämpft inzwischen ums Überleben. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone (13. Juli 2012))

Eine Mitarbeiterin der Apotheke Wyss in Baden bedient Kunden: Ein Viertel der Apotheken in der Schweiz kämpft inzwischen ums Überleben. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone (13. Juli 2012))

Balz Bruder

«Die Dienstleistungen der rund 1800 Apotheken sind so bedeutsam wie sauberes Trinkwasser.» Diesen unbescheidenen Satz formuliert der geschäftsführende Präsident von Pharmasuisse, Fabian Vaucher, in den morgen erscheinenden «Zahlen und Fakten» zu den Schweizer Apotheken. Was nichts an der Tatsache ändert, dass die Apothekenbranche schrumpft. Seit 2005 sinkt die Anzahl Apotheken pro Einwohner kontinuierlich – von 2,24 auf 2,14 pro 10'000 Einwohner. Das ist das eine. Das andere: «Ein Viertel der Apotheken kämpft ums Überleben», sagt Vaucher, «weil ihr Gewinn vor Abschreibungen und Steuern weniger als 50'000 Franken beträgt.»

Dass die Apotheken unverzichtbar bleiben für die medizinische Grundversorgung, ist für den Apothekerverband aber unbestritten. In der Tat ist die Offizin die erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Fragen – vor den Arztpraxen. Es gibt zwar fast 20-mal mehr Ärzte in der Schweiz als Apotheker, Letztere haben aber gut dreimal mehr Patientenkontakte. Ein Trend, der sich fortsetzen dürfte, nachdem in der Revision des Medizinalberufe-Gesetzes festgeschrieben wurde, dass angehende Apotheker künftig auch Grundkenntnisse zum Impfen und zur Behandlung häufiger Krankheiten erlangen sollen.

Es bahnt sich eine neue Rollenverteilung an

Pharmasuisse-Präsident Vaucher geht vor diesem Hintergrund davon aus, dass sich die Dienstleistungspalette der Apotheken weiter verbreitern wird – und sich im Licht des Hausärztemangels eine neue Rollenverteilung in der Grundversorgung anbahnt. Zur Illustration: Bereits in 18 Kantonen ist das Impfen ohne Rezept in der Apotheke erlaubt. Mit dem revidierten Heilmittelgesetz werden zudem die Kompetenzen für die Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten erweitert. Dabei räumt Vaucher gleich auch mit einem landläufigen Vorurteil auf: «Es ist nicht so, dass der Apotheker an teuren Medikamenten am meisten verdient – das Gegenteil ist der Fall.» Bei sehr teuren Medikamenten mache der Apotheker sogar ein Verlustgeschäft. Umgekehrt sei es auch nicht so, dass an besonders preiswerten Medikamenten viel zu verdienen sei. Dies hängt damit zusammen, dass die Preise behördlich festgelegt werden und innerhalb der bestehenden Preisklassen in den vergangenen Jahren erhebliche Verschiebungen zu beobachten waren. Kommt hinzu, dass es zwischen Apothekern und Krankenversicherern zwar ein Tarifsystem gibt, dieses die Preisschwankungen aber nicht auffängt. Die Erträge der Apotheken pro abgegebene Packung sinken denn auch seit Jahren kontinuierlich. Der Index der Medikamentenpreise hat seit 2005 um gegen 50 Prozent nachgegeben.

Ruf nach fairer Deckung der Kosten

«Wir wollen eine faire Kosten­deckung, vor allem bei den hochpreisigen Medikamenten, wo das System ein Loch in die Kasse reisst», sagt Vaucher vor diesem Hintergrund. Umso mehr, als das Tarifsystem seit 2001 dafür gesorgt habe, dass rund 1 Milliarde Franken habe eingespart werden können. Dies, indem die Apothekerleistungen bei der Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten weitgehend preisunabhängig verrechnet würden. Zudem erwähnt er die knapp 700 Millionen Franken, die seit 2005 durch die Gewährung von Rabatten an die Krankenversicherer eingespart werden konnten.

Das Mantra der vereinigten Schweizer Apotheker tönt denn auch immer noch gleich, wenn es um die Verursacher der überproportionalen Kostensteigerungen im Gesundheitswesen geht: «Spitäler und Ärzte sind die grossen Kostentreiber», sagt Vaucher. Nicht ohne im selben Atemzug darauf hinzuweisen, dass die gleichen Akteure darüber hinaus den Grundwasserstrom der Apotheken anzapften. Immerhin die Hälfte des Medikamentenabgabemarktes gehört ihnen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.