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CSS entwickelt Physiotherapeuten fürs Wohnzimmer

Über die Hälfte der Physiotherapiepatienten führen die Übungen entweder gar nicht oder falsch aus. Die CSS, der grösste Grundversicherer der Schweiz, will diesem Problem nun mit einer digitalen Innovation entgegenwirken.
Gregory Remez
Physiotherapie als Mixed-Reality-Erfahrung: Matthias Heuberger, Leiter des CSS Health Lab, macht eine Kniebeuge, die ihm die virtuelle Therapeutin Alexa (weiter unten) vorzeigt. Bild: Pius Amrein (Luzern, 29. Oktober 2018)

Physiotherapie als Mixed-Reality-Erfahrung: Matthias Heuberger, Leiter des CSS Health Lab, macht eine Kniebeuge, die ihm die virtuelle Therapeutin Alexa (weiter unten) vorzeigt. Bild: Pius Amrein (Luzern, 29. Oktober 2018)

Mehr Patienten, längere Behandlungen, höhere Tarife: Physiotherapien florieren – und schlagen sich zu einem immer grösseren Teil in den Gesundheitskosten nieder. Alleine zwischen 2011 und 2016 sind die Kosten der Physiotherapie in der Grundversicherung von 660 auf 940 Millionen Franken gestiegen. Von den 30 Milliarden Franken Gesundheitskosten in der Schweiz macht die Physiotherapie zwar nur einen kleinen Teil aus. In Anbetracht der dauernd steigenden Krankenkassenprämien können diese Kosten jedoch nicht mehr als Marginalie behandelt werden. Die Zeiten, in denen die Physiotherapie unter dem politischen Radar segelte, sind vorbei.

Der Kostendruck macht sich nicht zuletzt auch bei den Krankenkassen bemerkbar. Die CSS, der grösste Grundversicherer der Schweiz, will sich nun mit einem kreativen Ansatz für die Zukunft der steigenden Physiotherapiekosten wappnen. Um zumindest einen Teil der Ausgaben für die teuren Behandlungen in der Grundversicherung einsparen zu können, hat das Unternehmen mit Sitz in Luzern kürzlich in die Entwicklung eines virtuellen Physiotherapeuten für zu Hause investiert.

Noch mindestens zwei Jahre bis zur Marktreife

Ein Prototyp wurde am zweiten Schweizer Digitaltag am vergangenen Donnerstag in Zürich präsentiert. Am Montag konnte unsere Zeitung diesen exklusiv testen. Die Idee hinter der Innovation ist ziemlich simpel: Auf einer semitransparenten Mixed-Reality-Brille, die einen klaren Blick auf die Umgebung erlaubt, wird ein Avatar eingeblendet, der den Patienten bei der Ausführung der Physio-Übungen helfen soll.

Matthias Heuberger, Leiter des CSS Health Lab, das den Prototyp in Zusammenarbeit mit dem Berner Physiotherapiezentrum Applied Health Care und der US-amerikanischen Mixed-Reality-Firma Magic Leap entwickelt hat, begründet die Unternehmung wie folgt: «Die Physiotherapie hat grundsätzlich mit zwei Problemen zu kämpfen: Entweder die Leute machen ihre Übungen gar nicht oder sie machen sie falsch. Das kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken oder zumindest den Heilungsprozess verzögern.» Der virtuelle Trainer soll die Patienten nicht nur dazu motivieren, regelmässig ihre Übungen zu machen, er soll sie auch darauf hinweisen, falls sie die Übungen falsch ausführen. Hält man den Rücken gekrümmt oder den Nacken im falschen Winkel, erkennen dies die Sensoren an der Brille und schlagen Alarm – so zumindest die Vision.

Noch ist man in Luzern allerdings nicht so weit. Mindestens zwei Jahre soll es bis zur Marktreife dauern. Erst dann sollen die ersten virtuellen Physiotherapeuten in den Wohnzimmern der Patienten zum Einsatz kommen. Ob das finale Produkt den Realitätstest besteht – ob die Brille also tatsächlich erkennt, wenn eine Übung falsch ausgeführt wird oder nicht –, wird sich zeigen. Auch wie viele Patienten bereit wären, mit einem virtuellen Coach zu trainieren, ist noch ungewiss. «Die ersten Reaktionen am Digitaltag waren zwar grösstenteils gut, aber klar muss man bei einem derart neuen Produkt immer erst abwarten, wie die Leute darauf reagieren», sagt Heuberger. «Die meisten haben noch gar keine Erfahrungen mit Mixed Reality.»

Die virtuelle Therapeutin Alexa. Bild: PD

Die virtuelle Therapeutin Alexa. Bild: PD

Therapeuten nicht ersetzen, sondern unterstützen

Das Potenzial für die Technologie sei aber riesig, glaubt Heuberger. Die Zahl der Physiotherapiepatienten nehme schweizweit seit Jahren zu. Alleine bei der CSS seien es aktuell über 180000 Personen. «Gleichzeitig stellen wir intern fest, dass der Therapieerfolg teilweise sehr gering ist. Wir glauben, dass sich die niedrige Erfolgsquote mit einem virtuellen Helfer für zu Hause nach oben treiben liesse.»

Ganz darauf verlassen möchte man sich bei der CSS aber nicht. Und so appelliert man angesichts der stetig steigenden Physiotherapiekosten gemeinsam mit anderen Schweizer Versicherern auch an die Selbstverantwortung von Ärzten und Therapeuten. Denn: Physiotherapien dürfen nur über die Krankenkasse abgerechnet werden, wenn die Behandlung von einem Arzt verordnet wurde. Dank Physiotherapie kann unter gewissen ­Voraussetzungen eine teure Operation vermieden werden. Andererseits wird gleichzeitig immer mehr operiert, was wiederum zu mehr Physiotherapien führt. Jede Behandlung kostet – aber nicht jede ist zielführend oder nötig.

Mixed Reality in der Medizin

Die CSS ist nicht der einzige grosse Schweizer Versicherer, der im Bereich Mixed Reality investiert. Helsana beispielsweise unterstützt derzeit ein Pilotprojekt namens Avatar Kids. Dies soll es Kindern und Jugendlichen ermöglichen, bei einem langen Spitalaufenthalt mit Hilfe eines Avatar-Roboters mit der Schule und den Eltern zu Hause verbunden zu bleiben. Hersteller des Roboters ist die Firma Avatarion Technology mit Sitz in Zürich. In der Rehabilitation wird in der Schweiz seit längerem mit neueren Technologien wie Mixed oder Virtual Reality gearbeitet. In der Rehaklinik Cenero im luzernischen Vitznau etwa werden spezielle Behandlungen nach einem Schlaganfall, einem Schädel-Hirn-Trauma oder einer Verletzung des Rückenmarks angeboten. Mit Hilfe von Spielen in virtuellen Umgebungen erlernen Patienten dort wieder die Ausführung bestimmter Bewegungen. In Schweizer Spitälern trainieren Ärzte und Chirurgen ausserdem seit Jahren an sogenannten Virtual-Reality-Trainern den Ernstfall. (gr)

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