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PILATUS AIRCRAFT: «Klar ist das verrückt, aber ich würde es wieder tun»

Der Nidwaldner Flugzeugbauer ist im Hoch: volle Auftragsbücher und ein neues Vorzeigeprodukt. Verwaltungsratspräsident Oscar J. Schwenk über Risiken, Chancen und seinen Abgang.
Interview Dominik Buholzer
«Auf den Tag haben wir in den vergangenen acht Jahren hart hingearbeitet», sagt Pilatus-Chef Oscar J. Schwenk. Das Bild zeigt den Prototypen des neuen Business-Jets PC-24 am Tag des Erstflugs beim Weg auf die Startpiste. (Bild: PD)

«Auf den Tag haben wir in den vergangenen acht Jahren hart hingearbeitet», sagt Pilatus-Chef Oscar J. Schwenk. Das Bild zeigt den Prototypen des neuen Business-Jets PC-24 am Tag des Erstflugs beim Weg auf die Startpiste. (Bild: PD)

Am Montag hob mit dem PC-24 erstmals nach über 50 Jahren wieder ein Business-Jet «Made in Switzerland» ab. Befinden sich die Pilatus-Flugzeugwerke im Höhenflug, Herr Schwenk?

Oscar J. Schwenk: Der Erstflug eines neuen Fliegers ist immer ein berauschender Moment. Auf den Tag haben wir in den vergangenen acht Jahren hart hingearbeitet.

Waren Sie besonders nervös?

Schwenk: Klar war ich nervös. Sie können zwar alles berechnen und im Windkanal stundenlang Tests durchführen. Aber Sie haben dann noch immer nicht Gewissheit, wie sich der Flieger in der Luft verhält. Die Luft macht, was sie will. Ein missglückter Erstflug hätte uns nicht nur viel Geld gekostet, sondern in der Entwicklung drastisch zurückgeworfen.

Inzwischen hat der PC-24 zwei Testflüge hinter sich. Wie fällt das Fazit aus?

Schwenk: Ich bin sehr zufrieden. Es sind uns bei der Planung des neuen Fliegers keine gröberen Fehler unterlaufen.

Sie können sich also zurücklehnen?

Schwenk: Ganz und gar nicht. Uns stehen zwei anspruchsvolle Jahre bevor, bis wir den ersten PC-24 im Jahre 2017 planmässig ausliefern. Um all die Tests absolvieren zu können, benötigen wir noch zwei weitere Prototypen.

Das Gewicht bereitete Ihnen im Vorfeld des Erstflugs Kopfzerbrechen. Konnte der PC-24 abspecken?

Schwenk: Wir sind auf einem guten Weg. Beim Prototyp ist dies aber eh nicht relevant. Bei den Tests ist jeweils 1 Tonne Versuchsmaterial mit an Board.

Einen Teil der Tests werden Sie in den USA absolvieren. Weshalb?

Schwenk: Zum einen finden wir dort besseres Flugwetter vor. Und zum anderen hat der Hersteller unseres Autopiloten seinen Sitz in den Staaten.

Werden Sie den PC-24 auch in den USA zertifizieren lassen?

Schwenk: Wir streben die Typenzertifizierung in Europa, gefolgt von den USA, an.

Jahrzehntelang hat es niemand mehr in der Schweiz gewagt, einen Business-Jet zu bauen. Müssen Sie rückblickend nicht zugeben, dass das Vorhaben der Pilatus ein wenig verrückt war?

Schwenk: Klar ist das verrückt, aber ich würde es wieder tun. Als Unternehmer muss man den Mut haben, ein solches Projekt zu lancieren, auch wenn es von der ersten Idee bis zur Auslieferung des ersten Fliegers mindestens zehn Jahre geht. Und in dieser Zeit verdienen Sie damit keinen einzigen Franken, sondern stecken im Gegenteil Millionen von Franken in das Projekt. Kommt hinzu, dass Ihre Konkurrenten ja auch nicht schlafen. Aber wenn Sie Ihr Unternehmen weiterbringen wollen, müssen Sie im positiven Sinn ein wenig spinnen.

84 Stück des neuen Fliegers haben Sie bereits verkauft. Sind seit Montag weitere Bestellungen dazugekommen?

Schwenk: An Interessenten mangelt es nicht. Wir könnten nochmals so viele Flieger verkaufen, wenn wir dies wollten. Aber vorderhand nehmen wir für den PC-24 keine neuen Bestellungen entgegen. Wir versuchen, auch nächste Woche an der Aviatikmesse in Genf standhaft zu bleiben.

Wieso wollen Sie derzeit nicht mehr Flieger verkaufen?

Schwenk: Wir wollen jetzt schauen, wie der PC-24 fliegt. Die 84 bislang verkauften Stück geben uns Arbeit bis ins Jahr 2020. Dann wollen wir die zweite Serie auf den Markt bringen. Die Flieger dieser Serie werden dann sicher mehr kosten.

Weil der PC-24 weiterentwickelt wird?

Schwenk: Nein. Diejenigen, die den PC-24 bereits jetzt bestellt haben, warten drei bis vier Jahre, bis sie ihn erhalten. Dem tragen wir Rechnung. Was danach folgt, ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Wo ist der neue Business-Jet am meisten begehrt?

Schwenk: In den USA, gefolgt von Europa, Australien und Afrika. Am geringsten ist die Nachfrage in den arabischen Staaten. Dort haben wir bislang aber auch kaum Verkaufsbestrebungen unternommen.

Und der asiatische Markt?

Schwenk: Für den chinesischen Markt blieb uns bislang keine Zeit. Das kommt erst noch.

Wie sehr macht Ihnen die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank zu schaffen?

Schwenk: Das wahre Ausmass werden wir erst später zu spüren bekommen. Die Aufträge heute wurden noch vor der Aufhebung des Mindestkurses abgeschlossen. Das Problem ist zudem, dass in der Folge viele andere Währungen auch viel an Terrain verloren haben, beispielsweise der australische Dollar.

Und Australien ist für die Pilatus-Flugzeugwerke historisch ein wichtiger Markt.

Schwenk: Dem ist so. Wir verkaufen viele unserer Flieger nach Down Under. Derzeit läuft gerade die Ausschreibung für den Ersatz der PC-9-Staffel der Royal Australian Air Force. Die australische Luftwaffe verfügt insgesamt über 67 Pilatus-Maschinen, die vor 22 beziehungsweise 23 Jahren ausgeliefert worden sind.

Und nun wollen Sie wiederum den Zuschlag erhalten.

Schwenk: Dieser Anspruch ist da. Wir sind noch im Rennen. Doch Hoffnungen dürfen sich auch noch andere machen. Der Ausgang ist also offen.

Die Pilatus-Werke haben in den vergangenen Monaten viel Geld in die Infrastrukturen in Stans investiert. Haben Sie sich nicht geärgert, als dann die Nationalbank den Euro-Mindestkurs aufhob?

Schwenk: Sehen Sie, wir leben schon lange mit Währungsschwankungen. Als wir den PC-12 planten, lag der Dollar bei 2.70 Franken; wir gingen von einem Worst Case von 2 Franken aus. Heute liegt der Dollar unter 1 Franken.

Die Aviatikbranche ist ein sehr volatiles Geschäft. Bei den Pilatus-Werken ging es in den vergangenen Jahren aber stets aufwärts. Haben Sie keine Angst, dass es zu einem herben Rückschlag kommt?

Schwenk: So wie wir heute aufgestellt sind mit über 2000 Angestellten, müssen wir einen Umsatz von jährlich zirka 1 Milliarde erzielen. Es zeichnet sich ab, dass wir nächstes Jahr einen Einbruch erleiden werden. Analysten und gewisse Medien werden dann völlig nervös reagieren. Doch mich lässt dies kalt. Solange wir im Fünfjahresschnitt unsere Ziele erreichen, bin ich unbesorgt. Und es gibt keine Anzeichen, dass dem nicht so sein wird.

Sie haben die Pilatus-Werke übernommen, als es ihnen schlecht ging, und ihnen wieder zu neuem Glanz verholfen. Irgendwie hat man den Eindruck: Ohne Oscar J. Schwenk gibt es auch keine Pilatus. Täuscht dies?

Schwenk (lacht): Da irren Sie sich gewaltig. Wir verfügen auch im Management über gute Piloten, die das Unternehmen sehr wohl in die richtige Richtung steuern können. Wir befinden uns in einer sehr guten Ausgangslage. Und wenn der PC-24 erst einmal zertifiziert ist, haben wir als Firma eine sehr solide Grundlage.

Sie blicken also beruhigt auf die Zeit nach Oscar J. Schwenk?

Schwenk: Oh ja, sonst müsste ich ja dann zurückkommen, und dies ist gar nicht in meinem Sinn.

Den ersten Schritt haben Sie ja bereits getan. Seit gut zwei Jahren fokussieren Sie sich aufs Amt des Verwaltungsratspräsidenten.

Schwenk: Das stimmt. Wobei ich gestehen muss, dass ich seither nicht weniger Arbeit habe. Wir haben unglaublich viel angezettelt. Das hält uns ganz schön auf Trab (lacht).

Interview Dominik Buholzer

Hinweis

Oscar J. Schwenk (70) ist Verwaltungsratspräsident der Pilatus-Flugzeugwerke AG in Stans und Eigen- tumer der Mineralquelle Knutwil. Der Ingenieur hat zuerst ein Philosophie­studium begonnen und ist seit uber 30 Jahren fur Pilatus tätig, bis Ende 2012 als CEO und VR-Präsident in Personalunion. Schwenk ist verheiratet und hat drei Kinder.

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