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PORTRÄT: Start-up-Gründer mit 77 Jahren

Der Luzerner Anton Glanzmann arbeitet seit 50 Jahren als Kommunikationsberater. Mit seinem jüngsten Projekt will er nochmals voll durchstarten.
Ist noch voller Tatendrang: der Luzerner PR-Berater und Unternehmer Anton «Toni» Glanzmann. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Ist noch voller Tatendrang: der Luzerner PR-Berater und Unternehmer Anton «Toni» Glanzmann. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Roman Schenkel

Von einem typischen Start-up-Vertreter unterscheidet Anton Glanzmann nur sein Alter. Mit 77 Jahren dürfte er den Durchschnittsunternehmensgründer weit hinter sich lassen. Punkto Enthusiasmus und Energie, mit denen er seine Projekte anpackt, kann er es jedoch mit jedem Unternehmer aufnehmen. Glanzmanns Tätigkeitsdrang ist ungebrochen. Kürzlich hat er ein neues Online-Portal lanciert: www.goldenyears.ch heisst die Plattform, die frisch und hip daherkommt. Es ist ein Facebook-ähnliches Online-Portal. Mitglied kann aber nur werden, wer das 50. Altersjahr erreicht hat. «Damit will ich die Nummer eins der Welt werden», sagt Glanzmann selbstbewusst beim Gespräch in seinem Luzerner Büro.

Unternehmungslustig, kaufstark

Noch steht das Projekt ganz am Anfang. Erst wenige Mitglieder haben sich registriert, gibt Glanzmann zu. Er ist aber zuversichtlich, dass die Mitgliederzahlen schon bald steil nach oben schiessen. «Das Potenzial ist riesig», sagt er. Denn der Anteil der älteren Menschen in der Schweiz nimmt stark zu. Bereits heute leben 1,5 Millionen Menschen in der Schweiz, die über 65 Jahre alt sind. Und ihre Zahl wächst in den kommenden Jahrzehnten rasant: Bis ins Jahr 2030 werden 2,17 Millionen über 65 Jahre alt sein, 2045 sind es schon 2,7 Millionen. Doch nicht nur die Zahl ist für Glanzmann interessant. «Mit 50 gehört man heute noch lange nicht zum alten Eisen», sagt er. «Wir altern heute immer gesünder.» Die Altersgeneration 50 plus sei unternehmungslustig und auch kaufstark. «Zudem kennt sie sich aus im Internet und scheut vor einem Online-Einkauf nicht zurück», sagt Glanzmann.

500 Franken Jahresbeitrag

Hier setzt er mit www.goldenyears.ch an. Wer dem Klub beitritt, profitiert von zahlreichen pekuniären Vorteilen – «wir bieten hochstehende Produkte an, keinen Ramsch», betont Glanzmann –, beispielsweise von 40 Prozent Klubrabatt bei einem 5-Sterne-Hotel auf Mauritius oder von 25 Prozent Rabatt bei einem bekannten Schweizer Weinhändler. Auch Zahnärzte, zahlreiche Restaurants, eine Krankenkasse sowie ein Butlerservice gewähren Spezialkonditionen. «Das Angebot wird laufend ausgebaut», verspricht er. So können Klubmitglieder ab 2016 bei einem Tankstellenbetreiber 4 Rappen günstiger tanken. Finanziert wird das Ganze durch einen Jahresbeitrag von 500 Franken. «Im Unterschied zu anderen vergleichbaren Portalen verzichten wir aber auf eine Vermittlergebühr», erklärt Glanzmann. Die Rabatte seien im Vergleich zu den Schnäppchenportalen wie Dein Deal, Groupon oder My Store weniger hoch. «Dafür gelten sie das ganze Jahr über», erklärt Glanzmann die Vorteile seiner Lösung.

Mann für bekannte PR-Slogans

Vorteile erklären, Produkte an den Mann bringen, Leute überzeugen, das sind die Stärken von Anton «Toni» Glanzmann. Seit 50 Jahren arbeitet er für die Zürcher PRW Public Relations und Werbe AG, eine der ersten PR-Agenturen des Landes. Glanzmann betreut mit seiner Firmengruppe bedeutende Kunden aus Politik, Wirtschaft und Tourismus. Gegründet wurde sie 1948 vom damaligen FDP-Nationalrat Robert Eibel, einem als scharfzüngig bekannten Politiker. Mit der Publikation «Trumpf-Buur» war er wegen seiner Kritik in Politfragen ein umstrittener Meinungsbildner.

Als Eibel 1980 abtrat, übernahm Glanzmann das Zepter der PR-Firma. Und auch er mischte in der Politik kräftig mit. Seine Agentur blieb lange Zeit die Hausagentur der FDP. Der PR-Berater machte sich mit Slogans wie: «Mehr Freiheit, weniger Staat» (für die FDP), «Keine Verbote!» (Kampagne gegen ein Werbeverbot für Tabak und Alkohol), «Glatt für alli» (Einkaufszentrum Glatt) oder «Denken beim Lenken» (TCS) einen Namen.

Heute wohnt Glanzmann mit seiner Frau in Oberrieden am See im Kanton Zürich. In seiner Heimatstadt Luzern hat er zahlreiche Spuren hinterlassen. Für seine den Tourismus fördernden Aktionen im Bereich bargeldloses Bezahlen erhielt er als PR-Mann von American Express 1983 den ersten Tourismuspreis der Zentralschweiz zugesprochen. Bereits Mitte der Achtzigerjahre versuchte Glanzmann zudem, das Carproblem am Schwanenplatz zu entschärfen. Dazu erhielt er vom Verkehrsverein Luzern und von der Wirtschaftsförderung der Stadt Luzern den Auftrag – zusammen mit dem langjährigen Verkehrsdirektor Kurt H. Illi und der Universität St. Gallen –, das bestehende Tourismuskonzept zu überprüfen.

Weiter bekämpfte er im Auftrag des Schweizer Kursaalverbands das Spielbankenverbot und ermöglichte damit dem Casino Luzern als erstem Spielhaus der Schweiz, das «Grand jeu» einzuführen. Seither kann im Casino Luzern Roulette, Blackjack oder Poker usw. mit mehr als 5 Franken Einsatz gespielt werden.

Unter Druck «wie ein 40-Jähriger»

Wieso er mit 77 Jahren noch nicht genug habe und ein neues Online-Projekt anpacke? «Weil es mir einfach Spass macht», sagt er. Er liebe es, beruflich unter Druck zu stehen und manchmal «wie ein 40-Jähriger» mitten in der Nacht wegen einer Herausforderung mit Schweiss auf der Stirn aufzuwachen. Jünger wolle er aber nicht sein. «Für mich ist es eine Gnade, dass ich mich bei bester Gesundheit mit spannenden Projekten auseinandersetzen darf», sagt Glanzmann. Dass dem so bleibt, treibt der Präsident des Ski-Clubs Luzern viel Sport. Im Sommer ist er am Wochenende oft im Pilatus-Gebiet mit dem Mountainbike unterwegs. Da spüre er sein Alter dann schon ein wenig. Die jüngeren Biker kämen einfach schneller den Berg hinauf. «Wenn ich überholt werde, ärgere ich mich aber schampar.»

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