POST: Einzahlungen vor der Wohnungstüre

Wo weit und breit keine Poststelle ist, können Kunden bald an ihrer Haustüre beim Briefträger Bargeld einzahlen. Von ihrem Plan, bis zu 600 weitere Filialen zu schliessen, rückt die Post aber nicht ab.

Rainer Rickenbach
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Der Pöstler wird schon bald weitere Aufgaben übernehmen. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 12. August 2014))

Der Pöstler wird schon bald weitere Aufgaben übernehmen. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 12. August 2014))

Rainer Rickenbach

rainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

Seit die Post im Herbst ankündigte, in den nächsten vier Jahren 500 bis 600 weitere Poststellen zu schliessen, schlägt ihr heftige Kritik entgegen. Gestern setzte das Unternehmen zu einem Befreiungsschlag an: Ab Herbst bietet sich Privatkunden in vielen Ortschaften ohne eigene Poststelle die Möglichkeit, Bargeldeinzahlungen zu Hause zu erledigen. Konkret funktioniert es so: Bevor die Briefträgerin oder der Briefträger erscheint, befestigen die Kunden ein Hinweisschild an ihrem Briefkasten. Der Postangestellte erkennt daran, wer eine Einzahlung vornehmen möchte und meldet sich bei den betreffenden Privatkunden. Kostenlose Bargeldeinzahlungen vor der Wohnungstüre wickelt die Post schon heute mit ihrem Hausservice ab. Er funktioniert heute an über 1300 Standorten in der Schweiz.

«In den Gesprächen, die wir mit Behördenvertretern und Postkunden führten, stellten sich die Bargeldeinzahlungen als grosses Anliegen heraus. Vor allem die älteren Personen wünschen sie», sagte Thomas Baur, Leiter Poststellen und Verkauf, gestern in Bern. Das Angebot gilt ab dem 1. September und ist eine der Massnahmen, die postalische Versorgung auch nach der Aufhebung von Postfilialen zu gewährleisten. Die Postangestellten nehmen Bareinzahlungen von bis zu 10000 Franken an der Haustür entgegen.

81 Agenturen in der Zentralschweiz

Dieses Angebot entsteht dort, wo die Post zusammen mit Läden oder Kiosken bereits Agenturen betreibt. In der Zentralschweiz bestehen zurzeit 81 solche Agenturen (Kanton Luzern: 47 Agenturen; Zug: 6; Schwyz: 12; Nidwalden: 4; Obwalden: 2 und Uri: 10). Nicht in allen Agentur-Regionen wird indes der Domizil-Einzahlungsservice aufgebaut. Für Städte und grosse Gemeinden, in denen zwar kleinere Postfilialen durch Agenturen in Läden ersetzt wurden, es aber eine grössere Poststelle gibt, ist der Service nicht vorgesehen.

Konkret: Im Luzerner Schönbühl-Quartier würde wohl kein solcher Einzahlungsservice eingerichtet, sollte die Quartierpost der anrollenden Schliessungswelle zum Opfer fallen. Gute Chancen in die Kränze zu kommen hätte hingegen eine Gemeinde wie Steinen, sollte die Schwyzer Ortschaft ihre Poststelle verlieren. Entschieden ist aber noch gar nichts. Die Planer am Post-Hauptsitz in Bern werden in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden die Ortschaften und Regionen erst noch definieren, die für den Bargeld-Einzahlungsservice in Frage kommen. Widersprüchlich erscheint die Bargeldeinzahlung an der Wohnungstür zum Entscheid der Post, aus Sicherheitsgründen keine AHV-Renten mehr cash ausserhalb der Poststellen auszuzahlen. «Die Einzahlungen erfolgen irgendwann und verteilt über einen Monat. Die AHV-Auszahlungen hingegen werden innerhalb von einem bis zwei Tagen ausbezahlt – in so kurzer Zeit stellen sie ein Sicherheitsproblem dar», sagte Baur.

Für KMU ist ein Pilotprojekt mit Domizil-Bargeldeinzahlungen geplant. Es beginnt bereits im Mai. In den Partneragenturen lassen sich ab dem 1. September zudem Massensendungen von Unternehmen, Gemeinden oder Vereinen ab 350 Briefen aufgeben, sofern die Platzverhältnisse in den Agenturen es zulassen. Schneller wird die Post bei den Zeitungszustellungen. «Abonnenten, Verlage sowie der Verein Schweizer Presse wünschen, dass die Tageszeitungen bis am Mittag den Abonnenten ausgeliefert werden», erklärte Ulrich Hurni, Leiter Postmail. Diesem Wunsch kommt die Post nach, die Zeitungen in Gebieten ohne Frühzustellung werden ab September den Abonnenten wieder bis spätestens am Mittag ausgeliefert.

Liste mit Poststellen, die nicht schliessen

Die Post baut Filialen ab, weil ihre Schaltergeschäfte stark rückläufig sind (siehe Grafik). Ihr umstrittenes Vorhaben, weitere 500 bis 600 Filialen zu schliessen, nimmt nach und nach konkrete Formen an. Im Frühling legt sie gemäss Baur den Kantonen eine Liste mit den Poststellen vor, die in den nächsten drei Jahren nicht gefährdet sind. Für Filialen, die es nicht auf die Liste schaffen, prüft das Unternehmen in Staatsbesitz in einem nächsten Schritt Alternativen zu den herkömmlichen Postschaltern. «Es wird keine Poststelle alternativlos geschlossen», versicherte Postsprecherin Léa Wertheimer gestern.

Ob eine Filiale unbestritten ist, hängt gemäss Wertheimer von verschiedenen Kriterien ab. Einerseits gebe es gesetzliche Vorgaben zur Erreichbarkeit der Poststellen einzuhalten. Andererseits würden die bestehende Infrastruktur und die Wirtschaftlichkeit der Filiale sowie das Kundenverhalten geprüft. «Wir müssen aber auch berücksichtigen, welche Entwicklungen in einer Region bevorstehen», fügte Wertheimer an. Jeder Fall sei eine Einzelfallüberprüfung.