Hans-Peter Dreier
Prämie wird zur Strafe

Es gibt sie überall; die Mitarbeiter, die nicht ganz nach den Vorstellungen des Chefs arbeiten. Anstatt diese zu bestrafen, will Hans-Peter Dreier seine vorbildlichen Arbeiter mit Prämien belohnen. Wer leer ausgeht, fühlt sich dennoch bestraft.

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Hans-Peter Dreier

Hans-Peter Dreier

Aargauer Zeitung

Heinz Härdi

Wenn morgens schon vor dem Arbeitsbeginn im Hunzenschwiler Lagergebäude das Licht brennt, dann ärgert dies Transportunternehmer Hans-Peter Dreier. Denn das heisst, dass die Nacht über die ganze Halle beleuchtet war. «Der Letzte hat am Vorabend das Licht nicht gelöscht.» Gegen solche Unzulänglichkeiten in seinem Betrieb mit 350 Mitarbeitern im In- und Ausland wollte er etwas unternehmen. Anfang Jahr hat er für die 40 Lagermitarbeiter ein Prämiensystem eingeführt, das jene belohnt, welche ihre Aufgaben vorzüglich erfüllen. Andere Mitarbeiter erhalten weniger Prämie oder eben gar keine. Ein ähnliches System gibt es schon seit zwei Jahren für die Chauffeure.

Die Firma Dreier sieht eine Maximalprämie vor, die bei Fehlleistungen reduziert wird. In einer detaillierten Tabelle ist aufgelistet, welche Abzüge es für welche Verstösse gibt. Das vergessene Lichterlöschen «kostet» 10 Franken, ebenso wie das Rauchen ausserhalb der Rauchpausen oder der Raucherecke. Abzüge können auch in den Kategorien «Ordnung und Sauberkeit», «Pünktlichkeit», «Umgang mit Mitarbeitern und Kunden» vollzogen werden. Auch Kollektivabzüge gibt es, wenn etwa beim Beladen eines Lastwagens etwas kaputt geht und keiner der Belader dazu stehen will. Dann gibts 10 Franken Abzug für alle beteiligten Mitarbeiter, eine «Kollektivstrafe» also.

Prämien sind kein Lohnbestandteil

Diese Praxis ist in einem Artikel des «Tages-Anzeigers» gestern Dienstag arg zerzaust worden. Unter dem Titel «Der Patron, der seine Mitarbeiter ‹büsst›» kommt Hans-Peter Dreier, der CEO der Transport- und Logistikfirma Dreier AG in Suhr, schlecht weg. Suggeriert wird, dass Mitarbeiter für Fehler oder Fehlverhalten mit ihrem Lohn bezahlen müssen. «Das stimmt nicht!», protestiert Dreier. Denn schliesslich seien die Prämien bewusst kein Lohnbestandteil. «Gute Mitarbeiter sollen belohnt werden!», betont er.

Die Internetversion des «Tagi»-Artikels wurde stark beachtet. Bis zum Nachmittag figurierte er unter den meistgelesenen Artikeln im Onlineportal. Die Kommentare fielen unterschiedlich aus. Während die einen grosses Verständnis für das System aufbringen, bezeichnen andere Forumsschreiber sie als Sklavenmassnahmen. «Das verstehe ich nicht», sagt der Angegriffene dazu. «Schliesslich haben wir seit Anfang Jahr im Lagerbereich 51 Prozent der maximal möglichen Prämien ausbezahlt.» Die Chauffeure haben sogar 90 Prozent der Maximalprämie erhalten.

Das Prämiensystem war als Motivationsspritze für die Mitarbeiter gedacht. «Ein Goodie», sagt Dreier. Doch so, wie es im «Tages-Anzeiger» dargestellt wurde, verkehrt es sich ins Gegenteil. Auslöser der Geschichte sei wohl ein einzelner unzufriedener Mitarbeiter gewesen, der regelmässig leer ausgeht, mutmasst Dreier. «Doch irgendwelche Kriterien braucht es doch, um die Prämien geben zu können», verteidigt er sein System. Vielleicht würde die Kritik verstummen, wenn aus der Negativliste schlicht eine Positivliste gemacht würde.

Guter Lohn für gute Arbeit ist normal

Nationalrat und Fuhrhalter Ulrich Giezendanner, Rothrist, sieht das gleich. Er hat volles Verständnis für die Firma Dreier. «Die machen das richtig. Für gute Arbeit soll es guten Lohn geben. Das ist bei uns auch so!» Den «Tagi»-Artikel fand er unfair. «Jeder Mitarbeiter hat es doch selbst in der Hand, ob er die Prämie erhält oder nicht.» Bei der Firma Giezendanner gebe es keine Prämien. «Bei uns wirken sich gute oder schlechte Leistungen direkt auf den Lohn aus», sagt er. Das sei bei einer kleineren Firma leichter umzusetzen.